Familien werden über Jahre begleitet

Quelle: Weserkurier, 4. März 2010

Kinderhospizdienst Löwenherz sucht weitere Helfer

Der „Ambulante Kinderhospizdienst Löwenherz Bremen und umzu“ möchte weitere ehrenamtliche Helferinnen und Helfer gewinnen. Deshalb lädt er zu einer Informationsveranstaltung für Sonnabend, 6. März ein. Diese richtet sich an Frauen und Männer, die Familien mit schwerstkranken Kindern ehrenamtlich zu Hause unterstützen und begleiten möchten. Susanne Claus vom Ambulanten Kinderhospizdienst beantwortete vorab dazu einige Fragen von Detlev Scheil.

Welche Voraussetzungen sollte mitbringen, wer sich ehrenamtlich im ambulanten Kinderhospizdienst engagieren möchte?

Susanne Claus: Es gibt keine beruflichen Voraussetzungen. Einfühlungsvermögen und die Freude an der Arbeit mit Kindern und ihren Familien ist eine wichtige Vorraussetzung. Zeitlich ist es so, dass die ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einmal wöchentlich für etwa drei bis vier Stunden in den Familien sind. Zusätzlich finden einmal monatlich abendliche Treffen beim ambulanten Kinderhospizdienst statt.

Worin unterscheidet sich die Arbeit im Kinderhospizdienst von der in einem Erwachsensenhospiz?

Bei dem Begriff „ Hospiz“ denken wir zunächst an Sterbebegleitung. Gerade bei Familien mit schwerstkranken Kindern steht aber die Lebensbegleitung im Vordergrund. Familien, in denen ein lebensbegrenzend erkranktes Kind lebt, können schon ab dem Zeitpunkt der Diagnose von uns begleitet werden. Das heißt, dass wir viele Familien über mehre Jahre begleiten. Die Begleitungen sind also länger als im Erwachsenenbereich. Durch diese lange Zeit entstehen auch enge Bindungen der ehrenamtlich Tätigen zu „ihren“ Familien. Merkmal in der Kinderhospizarbeit ist auch, dass die gesamte Familie begeleitet wird. Es geht also sowohl um das erkrankte Kind als auch um die Geschwister und die Eltern.

Welche Phasen gibt es denn im Ablauf der Betreuung?

Zunächst ist wichtig, dass die Familie und die ehrenamtliche Mitarbeiterin sich Zeit lassen, sich kennenzulernen. Die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter sind in dieser Zeit noch nicht mit dem erkrankten Kind allein, sondern die Eltern – meist die Mutter- sind mit dabei. So kann ein gegenseitiges Vertrauen entstehen. Im Laufe der Zeit gehört die ehrenamtliche Begleitung dann immer selbstverständlicher zur Familie.

Was geschieht, wenn ein Kind gestorben ist: Wie werden die Eltern und Geschwisterkinder in ihrer Trauer begleitet?

Wenn ein Kind verstorben ist, begleiten wir so lange weiter, wie es für die Familie gut und sinnvoll ist. Wir entscheiden dies als zusammen mit der Familie.

Welche Hilfsangebote gibt es für ehrenamtliche Helfer, wenn diese bestimmte Betreuungssituationen für sich selbst als sehr belastend empfinden?

Die ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen haben regelmäßige Supervisionen, in denen sie ihre eigene Situation reflektieren können. Zusätzlich stehen auch immer meine Kolleginnen, die Koordinatorinnen, als Gesprächspartnerinnen zu Verfügung.

Für den Info-Vormittag am Sonnabend, 6. März, von 10 bis 13.30 im Büro des Ambulanten Kinderhospizdienstes Löwenherz, Elsasser Straße 61- 63, sind alle Interessierten eingeladen; es wird jedoch um Anmeldung unter der Telefonnummer 0421/ 841 31 55 gebeten. Koordinatorin Susanne Claus ist auch per E-Mail an die Adresse claus(at)loewenherz.de zu erreichen. Der neue Schulungskursus für künftige ehrenamtliche Mitarbeiter beginnt nach den Sommerferien am 11. August.