Wahrhaft wetterfeste Wohltäter

Quelle: Wildeshauser Zeitung, 22. Dezember 2010

Zwei Reiter aus dem Emsland sitzen seit Sonntag früh im Sattel / Heute übergeben sie Scheck an die „Löwenherzen“

Wildeshausen - Von Jürgen Bohlken BECKSTEDT/KLEIN STAVERN/SYKE · Zwei wahrhaft wetterharte Wohltäter haben Karola und Martin Bornfleth vergangene Nacht in ihrem Haus in Beckstedt beherbergt: Am Sonntagmorgen schwangen sich Daan und Frieda van Wingerden aus Klein Stavern nahe Meppen bei klirrender Kälte in ihrer Heimat auf ihre Quarter-Horse-Stuten „Silver“ und „Kioma“, und seither sitzen sie im Sattel  – täglich bis zu siebeneinhalb Stunden lang. Nach einem 150-Kilometer-Ritt und drei Übernachtungen in Vrees, Ahlhorn und Beckstedt erreichen sie voraussichtlich heute Nachmittag ihr Ziel, das Kinderhospiz „Löwenherz“, wo sie einen symbolischen Scheck über rund 3 000 Euro übergeben. Martin Bornfleth begleitet das Paar auf der letzten Etappe bis Syke auf seinem „Paint“-Hengst.

Die Eheleute niederländischer Herkunft betreiben seit fünf Jahren einen Western- Reiterferienhof,   die „Triple Star Guest Ranch“ im emsländischen Klein Stavern. Dort stellen sie seit drei Jahren immer am dritten Advent einen Weihnachtsmarkt zugunsten der Löwenherzen mit tatkräftiger Hilfe von Dorfbewohnern auf die Beine. Unterstützer backen Unmengen von Kuchen. Kinder kommen beim Ponyreiten auf ihre Kosten. Alle Erlöse, auch aus dem Verkauf selbst gebastelter Sachen, Waffeln, Glühwein und Bratwurst, sind für das Syker Kinderhospiz bestimmt. Zusätzlich unterstützen Vereine und Betriebe die gute Sache großzügig. In diesem Jahr flossen allein 500 Euro von den „Burning Boots“, einer Line-Dance-Truppe. Andere Sympathisanten, etwa eine Tanzgruppe aus Meppen, spendeten exakt 110 Euro – und damit einen Euro pro Kilometer Luftlinie von Klein Stavern bis Syke. Insgesamt hat das Engagement von Daan und Frieda van Wingerden sowie ihrer Unterstützer dem Kinderhospiz bis dato schon zwischen 7 000 und 8 000 Euro eingebracht.

Eher zufällig waren der 47- und die 40-Jährige auf die Einrichtung aufmerksam geworden. Ein Gast auf ihrer „Ranch“ berichtete ihnen von einem Jungen im Kinderhospiz, dem wegen seiner schweren Erkrankung nur noch eine Lebenserwartung von drei Monaten prophezeit worden war. „Er wollte noch einmal reiten“, erinnert sich Daan van Wingerden. Zusammen mit seiner Frau machte er sich zu Pferde auf den Weg nach Syke, um dem Kind diesen Wunsch zu erfüllen. Wegen des nahe gehenden Schicksals des Jungen, der letztlich nach sechs Monaten aus dem Leben schied, entstand eine sehr persönliche Bindung der beiden Reiterhofbetreiber zu den „Löwenherzen“.

Zum zweiten Mal verbinden sie die Unterstützung des Kinderhospizes nun schon mit einem Ritt dorthin. Die beiden robusten und durchtrainierten Pferde sind dafür bestens gewappnet. „Bei 17 Grad Frost stundenlang im Sattel sitzen, ist schon eine tolle Leistung“, zieht Martin Bornfleth

- „Ich genieße das richtig“

seinen Hut vor der Leistung des Paars, dem das Winterwetter dank besonders kälte-und windfester Kleidung nichts anhaben kann. Im Unterschied zu manchen Journalisten, die über die ungewöhnliche und originelle Aktion berichten. Daan van Wingerden erzählt von einem Hörfunkreporter, der zitternd mit einem Mikro in der Hand ein Interview geführt habe. Die Eheleute avancieren in diesen Tagen in Presse, Radio und Fernsehen zu echten Medienstars.

Den mehrtägigen Ritt durch Wald und Flur empfinden sie keineswegs als Strapaze, ganz im Gegenteil: „Ich genieße das richtig“, sagt Daan van Wingerden.