Mit einem Luftballon auf die Reise gehen

Quelle: Gießener Anzeiger, 15. März 2011

Kinderhospiz „Löwenherz“ gibt Familien und tödlich erkrankten Kindern Kraft - Ehrenamtliche Helfer und Spenden.

Es ist vier Uhr morgens. Die beiden Krankenpfleger trinken zwischendurch mal eine Tasse Kaffee, bevor einer von ihnen gleich bei der kleinen Lena ins Zimmer schauen. Einer wird der Siebenjährigen noch einmal den tückischen Schleim absaugen, der das kleine, an Mukoviszidose erkrankte Mädchen quält.

Die jungen Pfleger arbeiten für Löwenherz. Dies ist ein Hospiz für „lebenslimitiert erkrankte Kinder“, das heißt Kinder mit tödlich verlaufenden Krankheiten. Sie werden hier aufgenommen, um ihnen die letzten Monate oder auch Jahre ihres Daseins zu erleichtern. Im Gegensatz zu einem Erwachsenen-Hospiz bekommen hier in Syke bei Bremen, wo sich das Kinder-Hospiz befindet, nicht nur die Kinder Unterstützung. Auch die Eltern und Geschwister des erkrankten Kindes dürfen sich hier, genau wie die kleinen Patienten, vier Wochen im Jahr aufhalten.

Diese Zeitbegrenzung liegt in der Finanzierung durch die Krankenkassen begründet, die maximal 28 Tage im Jahr 50 Prozent der Kosten für die Pflege der erkrankten Kinder übernehmen.

Die Zeitbegrenzung ist auch notwendig, damit möglichst viele Familien die Möglichkeit haben, hier einen Platz zu finden und somit auf dem schweren Weg ihres Kindes begleitet zu werden. Bis zu 150 Familien können jährlich zu Gast sein. Viele Familien kommen über Jahre regelmäßig ins Kinderhospiz, um Kraft tanken.

Die beiden Pfleger gehören zu den 66 hauptamtlichen Mitarbeitern, die sich um die Kinder und ihre Familien kümmern, die sich zeitgleich im Hospiz aufhalten können. Neben den acht Pflegezimmern gibt es acht Familienzimmer für die Angehörigen.

Die meisten Mitarbeiter arbeiten in drei Schichten in der Pflege. Andere Hauptamtliche erledigen Arbeiten im Garten, halten das Haus instand oder sind für das Essen zuständig.

Jeder bei Löwenherz weiß genau, dass die Krankenkassen nur ein Drittel der anfallenden Kosten des Hospizes übernehmen. Deswegen ist man dankbar für die hohe überregionale Spendenbereitschaft. Viele Ehrenamtliche helfen mit, einen Spendenbetrag von jährlich etwa 1,5 Millionen Euro für das Kinderhospiz zusammenzutragen. Von diesen Spenden werden die Aufenthalte der erkrankten Kinder zur Hälfte, die ihrer Familien komplett finanziert.

Die Krankenpfleger und ihre Kollegen hoffen, dass der Urlaub bei Löwenherz Lena und ihre Familie wieder für den harten Alltag zuhause stärkt.

Schwierig ist für die Pflegekräfte das Abschiednehmen von den Kindern, die zum letzten Mal - zum Sterben - mit ihren Familien nach Syke kommen. Nach dem Abschied wird der gebastelte Schmetterling, den jedes Kind beim ersten Aufenthalt im Hospiz erhält, mit einem Luftballon auf die Reise in den Himmel geschickt.

Iven Sponholz,

Klasse 9bG,

Vogelsbergschule Schotten