„Man wird demütiger“

Quelle: Kreiszeitung, 17.11.2011

Informative Podiumsgespräche rund ums Kinderhospiz Löwenherz im Meyerhof in Scheeßel

Scheessel - Die „Beeke-Löwen", der Unterstützerkreis Scheeßel für das Kinderhospiz „Löwenherz" mit Ilsemarie und Thomas Voß luden zu Podiumsgesprächen rund um das Kinderhospiz in den Meyerhof Scheeßel ein. Unter dem Motto „Wir sind da und tragen mit – im Leben und im Sterben" hatten die „Beekelöwen" eine lebendige Veranstaltung organisiert.

Ein roter Faden führte durch die Bilderausstellung von Friederike Höfer, die zu dem Gedicht „Ziehende Landschaft" von Hilde Domin Acrylbilder und Kunstkarten gestaltete. Silke Ahrens, Bestatterin aus Kirchlinteln, stellte farbige Gedenkbretter aus. Klaus Witte aus Scheeßel übernahm die diplomatische und zugleich humorvolle Moderation des Abends. Auch Scheeßels Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele war zu der Veranstaltung gekommen.

In einer Dia-Schau wurden die Besucher in der voll besetzten Diele des Meyerhofes mit dem Tagesablauf des Hauses in Syke vertraut gemacht. Gaby Letzing, Geschäftsführerin und Pflegedienstleiterin des Kinderhospizes in Syke, berichtete über die Entstehungsgeschichte, Auslastung und wirtschaftliche Hintergründe. Kürzlich beging das Kinderhospiz seinen achten Geburtstag. In der gesamten Zeit beherbergte das Haus 310 sterbenskranke Kinder mit ihren Eltern und oft auch Geschwisterkinder. Die kleinen Patienten leiden an Stoffwechselerkrankungen und Schwerstmehrfachbehinderungen, beispielsweise nach Unfällen, Muskelerkrankungen oder Krebs.

„Eltern und Geschwisterkinder können gemeinsam für 28 Tage im Jahr aufgenommen werden, um Entlastung und Unterstützung zu finden. Das ist für alle ein Schlüsselerlebnis", erzählte Letzing. Um den Bedürfnissen der Familien und kranken Kindern gerecht zu werden, setzt das Kinderhospiz Syke ein großzügiges Raumangebot um. Viele Mitarbeiter werden gebraucht, um die Arbeit zu bewältigen, derzeit sind es 66 Personen.

Von der Diagnose bis über das 18. Lebensjahr hinaus werden die Kinder betreut. Es besteht ein wachsender Bedarf für Jugendliche und junge Erwachsene. Deshalb plant Löwenherz die Erweiterung der Anlage um ein Jugendhospiz. Im kommenden Jahr ist der erste Spatenstich geplant. Die Bewohner leben im Kinderhospiz wie in einer großen Familie: Es wird beispielsweise selbst gekocht. Etwa ein Drittel der Gesamtkosten zahlen die Krankenkassen, alles andere muss aus Spenden aufgebracht werden.

Linda Ulloa de la Torre, alleinerziehende Mutter eines betroffenen und eines gesunden Kindes sowie Lehrerin aus Scheeßel, war bei der Diskussion ebenfalls zu Gast. Bewegt berichtete sie, wie hilflos und verzweifelt sie angesichts der Diagnose war. Sie hörte von Löwenherz und wurde liebevoll aufgenommen. Dort lernte sie loszulassen, um für die Familie da zu sein und neue Kraft zu schöpfen. Auch ihre gesunde Tochter habe gelernt, mit der Krankheit der Schwester und dem möglichen Tod besser umzugehen.

Während des gesamten Abends lockerten musikalische Beiträge von Elke Oppermann (Gesang) und Thomas Voß und Peter Lohse (beide Gitarre) die Atmosphäre auf. In der zweiten Gesprächsrunde berichtete Kirsten Höfer, Koordinatorin in Syke, über die Vernetzung der ambulanten Kinderhospizarbeit mit den Hospizvereinen in Niedersachsen. Dort werden Helfer für die Begleitung pflegebedürftiger Kinder und ihrer Familien ausgebildet und betreut. Rainer Helberg aus Rotenburg nahm nach fünfjähriger ehrenamtlicher Hospizhelfertätigkeit mit Erwachsenen nun die Ausbildung zum Kinderhospizhelfer auf. Er sagte: „Kinder sind leichter zu begleiten, sie gehen einfacher mit dem Tod um. Man wird demütig und lernt viele Dinge zu schätzen". · hr