Schüler sprechen über den Tod und das Sterben

Quelle: Kreiszeitung, 14.4.2011

Projekttag an der Haupt- und Realschule / Referenten gaben Einblick in ihre Arbeit“

Bassum - (bt) · „Die Vorträge und Gespräche haben mich nachdenklich gemacht“, gestand Nele Brunken aus der Klasse 10a. Auch ihre Mitschülerinnen Franziska Meyer und Simone Wolff hatten viel zu verarbeiten.
„Dass die das aushalten“, staunten sie über die Mitarbeiterinnen des Kinderhospiz „Löwenherz“. Sie gehörten zu den etwa 50 Schülerinnen und Schülern, die sich gestern am Projekttag zum Thema „Tod und Sterben“ der Haupt- und Realschule Bassum beteiligten.

In der „Buddy AG“ des Schulzentrums hatten die Schüler einen umfangreichen Fragenkatalog erarbeitet und Referenten eingeladen, die darüber berichteten, wie sie in ihrem beruflichen Alltag mit diesem Thema konfrontiert werden und wie sie die damit verbundenen Eindrücke persönlich verarbeiten.

Die Referenten Gaby Letzing (Kinderhospiz Löwenherz), Schulpsychologe Dr. Michael Raabe, Arzt und Rettungsassistent Simon Jürgens, Bestatter Rolf Felske, Feuerwehrmann Peter Cordes, der Polizist Friedrich Ludwig und Pastor Wiardus Straatmann stellten sich diesen Fragen, schilderten persönliche Eindrücke und Erlebnisse und informierten über medizinische, rechtliche und religiöse Fragen.

Wieso fürchten sich einige Menschen vor dem Tod und andere nicht? Wie ist das mit der Organspende? Gibt es ein Leben nach dem Tod und sieht man dann seine Verwandten und Freunde wieder? Wo komme ich hin, wenn meine Eltern nicht mehr leben? – So lauteten einige der zahlreichen Fragen.

In der letzten Stunde versammelten sich Schüler und Referenten zu einer Abschlussrunde. Dazu hatte die Organisatorin der Veranstaltung, Erika Stötzel, auch ihren Mann, Landrat Gerd Stötzel, eingeladen. Zu Beginn gewährte Lara, deren Mutter im Januar unerwartet gestorben ist, ihren Mitschülern einen Einblick in ihr Seelenleben. „Manche schätzen ihre Mutter nicht richtig“, erklärte sie und fügte hinzu: „Ich denke viel darüber nach, wie das so ist im Himmel und ob sie mich sieht“. Als „obermutig“ bezeichnete Pastor Straatmann diese Aussage der Schülerin und wünschte ihr, dass sie ihre Eindrücke auch dadurch verarbeitet, dass sie darüber spricht. „In der Scheinwelt der fitten, schönen, jungen, fröhlichen Menschen spricht man nicht über Tod und Sterben“, erklärte Gerd Stötzel und schilderte seine eigenen Erfahrungen damit. Man müsse diese Themen aus der Grauzone herausholen und sie gemeinsam verarbeiten. „Man kann sich gemeinsam freuen und helfen, man kann auch gemeinsam trauern“, so Stötzel, der den Jugendlichen dafür Respekt zollte, dass sie sich freiwillig diesem Thema stellten. Man sollte Gefühle zeigen und über Ängste mit Menschen sprechen, die dann auch hinhören müssten.

Ähnlich äußerte sich auch der Feuerwehr-Pressesprecher der Stadt Bassum, Peter Cordes. Er bestätigte, dass Feuerwehrleute nach schrecklichen Ereignissen Hilfen in Anspruch nehmen, „um diese Bilder aus dem Kopf zu kriegen“.

Als sehr aufgeschlossen und interessiert beobachtete Friedrich Ludwig die Jugendlichen, die zum Schluss der gesamten Veranstaltung ihre persönliche Schulnote erteilen durften. Diese Bewertung bestärkte Erika Stötzel in der Absicht, eine solche Veranstaltung zu gegebener Zeit zu wiederholen.