Bastian Friese und Hartwig Sondag erlaufen knapp 1000 Euro

Quelle: Weser-Kurier, 18.5.2011

Von Olaf Kowalzik

Lemwerder. Die Knie schmerzen, jeder Schritt tut weh: Die letzten 15 Kilometer vor dem Ziel seines Spendenlaufs zugunsten des Kinderhospizes Löwenherz werden für Bastian Friese zur Qual. Der Blick nach vorne gleicht einer Katastrophe. Schier endlos zieht sich die Straße schnurgerade bis zum Horizont hin. Weit und breit kein Ziel in Sicht. Monotonie bestimmt die Szenerie. Das zermürbt „Basti" Friese auf seinem ersten Marathon im jungen 22-jährigen Leben. 

„Ein bisschen Abwechslung wäre jetzt nicht schlecht", grummeln er und Hartwig Sondag, sein Mitläufer aus Lemwerder, sich zu. Ihre Beine bewegen sich längst automatisch. Währenddessen unterhalten sich seine mitradelnden Motivatoren, Cousine Joana Müller-Rautenberg, der filmende Sascha Schneider, Mutter Sigrid Zahradka-Friese und Sondags Tochter Lena über die Strapazen des Sitzens im harten Sattel. Schöne Hilfe!

Wie lange Bastian Friese und Hartwig Sondag mittlerweile von Lemwerder bis nach Loxstedt vor den Toren Bremerhavens unterwegs sind? Keine Ahnung. Frieses Stoppuhr hat schon nach drei Stunden den Geist aufgegeben. „Die ist wohl eher als Motivation für Schnellläufer gedacht", schmunzelt der Spielertrainer des Handball-Kreisoberligisten HSG Stedingen, der sich zeitgleich auf dem ungewöhnlichen Weg zum letzten Punktspiel der Saison befindet.

Kaum ein Tropfen Schweiß steht auf seinem Gesicht, der Wind kühlt alles schnell wieder ab. Selbst der zwischenzeitliche Regen ist vom atmungsaktiven Dress in Windeseile getrocknet. Hartwig Sondag kämpft derweil mit einer Zerrung in der rechten Wadenmuskulatur, die ihn schon nach zehn Kilometern erwischt hatte. Ein kleiner Stopp und ein bisschen Wärmesalbe halfen, seitdem geht der Triatlet des SV Lemwerder zwar sprichwörtlich auf dem Zahnfleisch, er beißt aber wacker auf die Zähne. Schließlich geht es ja um das Ziel, das sich die beiden anlässlich des 30-jährigen Jubiläums ihres Lieblingsgriechen, dem Restaurant „Meteora" im Herzen von Lemwerder, gesteckt hatten.

Aufgeben kein Thema

Im Geiste ziehen bei Bastian Friese die Bilder des Kinderhospizes vorbei. Aufgeben, jetzt? Kommt gar nicht infrage! Auch seine mitstrampelnden Pedalritter erkennen die kritische Situation und feuern ihn immer wieder an, sprechen ihm Mut und Durchhaltekraft zu. Die Belohnung folgt um 15 Uhr auf dem Parkplatz des Schulzentrums Loxstedt: Fast zeitgleich mit dem Mannschaftsbus tauchen die beiden Marathonis vor der Halle auf, unter dem Jubel der Spieler und deren Fans, die sie mit Megaphon und Spruchbändern empfangen, laufen Sondag und Friese noch eine Extrarunde.

„Du siehst aber schlecht aus", hört „Basti" Friese derweil, als ihm die ersten anerkennend auf die Schulter klopfen. Das mobilisiert seine letzten Kräfte, lässt ihn noch einmal zum Kämpfer werden. Für knapp 25 Minuten geht er auf's Spielfeld und trifft viermal ins gegnerische Tor. Einen Treffer davon trotz gefühlt wabbeliger Muskulatur per Konter.

Gestartet waren Friese und Sondag morgens um zehn Uhr, als der Bürgermeister Hans-Joachim Beckmann die beiden Langstreckenläufer mangels Pistole mit einem kräftigen Hupkonzert auf den Weg schickte. Per Autobegleitung mit Warnblinker und Musikbeschallung ging es weiter zur Fähre nach Vegesack. Am anderen Weserufer angekommen starteten Sondag und Friese dann richtig durch. Selbst einen „kleinen" Umweg – der sandige Stundenweg in Schwanewede erwies sich für ihr Vorhaben als zu weich und kraftraubend – nahmen die beiden Dauerläufer in Kauf. Am Ende waren es statt der ausgerechneten 40 Kilometer noch rund 3000 weitere Meter obendrauf. Na und?! Zwischen 800 und 1000 Euro werden es schließlich sein, die Bastian Friese und Hartwig Sondag erlaufen beziehungsweise später auf dem Feld erworfen haben.