Vom Handballer zum Kurzzeit-Marathoni

Quelle: Weser-Kurier, 03.5.2011

Bastian Friese läuft zu Gunsten des Kinderhospizes Löwenherz

Von Olaf Kolwalzik

Lemwerder. Ein Spendenlauf zugunsten des Kinderhospizes Löwenherz über 50 Kilometer? Bastian Friese musste erst einmal ganz fest schlucken, als die Entfernungsangabe auf seinem Handy erschien. Sicherlich ist der Spielertrainer der HSG Stedingen in den Hallen der Handball-Kreisoberliga schon ganz weite Wege gegangen, aber gleich 50 Kilometer? Nun gut: mitgehangen, mitgefangen. "Und dass ich schon immer ein wenig verrückt war, das sagt mir ja ohnehin jeder nach", schmunzelt der 22-jährige Student über die Idee.

Ein besonderes Ereignis anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Lieblings-Griechen seiner Mannschaft, "Meteora", hatte es sein sollen. "Lass uns doch einen Marathon laufen", hatte ihm der befreundete Hartwig Sondag vom SV Lemwerder vorgeschlagen. Ja, der hatte gut reden, schließlich ist der Lauftrainer von Frieses Mannschaft schon ganz andere Strecken angegangen, unter anderem die Qualifikation zum legendären Iron Man. Friese ist gegen den passionierter Marathoni nur ein Freizeitläufer.

Trotzdem juckte es "Basti", wie ihn alle nur nennen, in den Fingern und er schlug ein. Die Idee, für das Kinderhospiz Löwenherz zu laufen, lag dabei auf der Hand: "Wir sind beide vom Sternzeichen Löwe, und das Kinderhospiz ist eine der bekanntesten karitativen Einrichtungen für uns", sagt der Blondschopf mit den hochstehenden Haaren.

Auch der Zeitpunkt war im Restaurant von Nikolaos Gantelas schnell ausgemacht: Das letzte Auswärtsspiel der Saison am 14. Mai beim ATSV Bexhövede sollte es sein. Sozusagen als endgültige Krönung des immer noch ungeschlagenen Meisters aus Stedingen. Er per pedes vom Rathaus Lemwerder vorneweg, seine Mannschaft einige Stunden später bequem per Bus hinterher.

Ein bisschen Bauchschmerzen

Nur die Entfernung, die bereitete dem Mann mit der Trikotnummer 72 anfänglich noch ein wenig Bauchschmerzen. Die Erleichterung folgte auf dem Fuße, als der nächste Google-Versuch im Internet "nur" noch eine Strecke von 40,6 Kilometern anzeigte. "Da war ich schon entspannter", gibt Friese zu. Schließlich betrug seine bislang längste gelaufene Strecke 20 Kilometer. "Da war ich in der Saisonvorbereitung nach Elsfleth gelaufen und hatte unmittelbar danach auch noch gespielt", schraubt er das geleistete Laufpensum zumindest optisch noch ein wenig höher.

Gespürt hatte er seinen ersten Langzeitausflug freilich auch: "Die Muskeln und Gelenke taten am nächsten Tag schon etwas weh", gibt der Blondschopf zu. Jetzt soll es sogar die doppelte Strecke sein, die der Frontmann der Stedinger Handball-Männer aber nicht scheut: "Es ist halt für einen guten Zweck, außerdem wollte ich ohnehin etwas für meinen Körper tun?"

Mittlerweile ist er wie der legendäre VW-Käfer: Er läuft und läuft und läuft. 14 Kilometer täglich, um auf die zur Vorbereitung benötigten 70 bis 80 Kilometer pro Woche zu kommen. Demnächst soll dann endlich die erste Strecke über 30 Kilometer Länge folgen. "Ich bin einer, der richtig beißen kann, das kriege ich schon irgendwie hin", ist er sich sicher.

Losgehen soll es am 14. Mai gegen zehn Uhr vom Rathaus Lemwerder, nach wenigen tausend Metern folgt dann der erste und wohl einzige Erholungsstopp: auf der Fähre von Lemwerder nach Vegesack. Danach geht's durch Wald und Wiesen in Richtung Bremerhavener Vorort.

Als Eskorte werden seine Mutter und Sondags Tochter das ungleiche Marathon-Duo per Drahtesel mit auf dem Spendenlauf begleiten. Doch halt: Ganz so sicher scheint sich Bastian Friese bei der Bewältigung seiner Herkulesaufgabe dann doch nicht zu sein, immerhin überlegt er, ob er nicht doch noch einen dritten Radfahrer mitnimmt, "der auch ein wenig laufen kann, falls ich mich zu Not auf das Fahrrad schwingen muss".

Aber wer Basti Friese, den Beißer, kennt, der weiß, dass dieser Ernstfall nicht eintreten wird. Fakt ist jedoch, dass er sich beim anschließenden Meisterschaftsfinale in Loxstedt nur noch auf die Bank setzen und allenfalls zu Siebenmetern antreten wird. "Vielleicht finde ich dafür ja auch noch einen Sponsor, der jedes Siebenmetertor mit einer Spende belohnt", sagt der ehrgeizige Blondschopf, der im großen Meisterschaftsfinale lieber seine Mannschaft laufen lässt. Vielleicht ist sogar der Lieblingsgrieche "Niko" Gantelas beim Saisonkehraus selbst mit von der Partie: als Linksaußen auf dem Parkett der Schulturnhalle in Loxstedt - wenn er nicht beruflich verhindert sein sollte.

Bastian Friese und Harwig Sondag hoffen derweil, dass sie pro gelaufenem Kilometer eine hohe Spendensumme zugunsten des guten Zwecks erlaufen können. Das Kinderhospiz Löwenherz hat die Spendenkontonummer 1110099999, die Bankleitzahl lautet 29151700 (Kreissparkasse Syke), als Verwendungszweck sollte "Löwenlauf Meteora" angegeben werden. Weiteres kann man per E-Mail bei Bastian Friese unter bastian280(at)aol.com erfahren.