„Löwenherz“- Doppelgänger

Quelle: Kreiszeitung, 30.05.2012

Syker Anwalt fordert: Reichenbacher Verein soll Namen ändern – oder zahlen

Von Anke Seidel

SYKE/REICHENBACH · Die „Löwenherzen" in Reichenbach (Sachsen) haben Post von „Löwenherz" in Syke bekommen: 5 000 Euro Strafe sollen sie zahlen, wenn sie nicht bis Anfang Juni eine Namensänderung für ihren Verein „Löwenherzen – Familien in Not" beschließen. Der engagiert sich für Knochenmarkspenden und ist dabei auf Geldspenden angewiesen – genauso wie der Syker Verein „Kinderhospiz Löwenherz".

„Wir haben unseren Namen schon 1998 beim Markenrechtsamt in München angemeldet", stellt die Syker „Löwenherz"-Geschäftsführerin Barbara Frerker die Rechtslage klar. Dagegen beklagt die Reichenbacher Vereinschefin Marlies Pocklitz (sie war gestern für eine persönliche Stellungnahme nicht zu erreichen) in der Freien Presse Sachsen, dass der Syker Verein wohl nur Angst um seine Spendengelder habe und es mit ihm nur zwei, drei kurze Kontakte gegeben habe. Dann sei sofort das Schreiben des Anwalts gekommen.

Barbara Frerker widerspricht dieser Darstellung energisch: „Wir haben schon im Januar den ersten Kontakt gehabt." Ein ehrenamtliches Mitglied habe einen Bericht über „Löwenherzen – Familien in Not" in einer bundesweit erscheinenden Zeitschrift entdeckt. Der Reichenbacher Verein war nach der schweren Immunerkrankung der einjährigen Nele Ende Dezember 2011 ins Leben gerufen worden. Nur eine Knochenmarkspende hatte das Leben des Mädchens retten können. Aus Dankbarkeit darüber hatte Neles Oma Marlies Pocklitz den Verein gegründet. Nele ist das Knochenmark in der Uniklinik Jena offenbar erfolgreich transplantiert worden. Das Schicksal des Mädchens bewegt auch Barbara Frerker, und dem Einsatz des Vereins zollt sie Anerkennung. Was den Namen betreffe, sei die Rechtslage jedoch eindeutig.

„Wir haben mit diesem Verein zwei, drei kurze Telefonate geführt", so Barbara Frerker. Der Reichenbacher Verein habe zugesagt, sich um eine Lösung des Problems zu kümmern. Aber es habe sich niemand mehr gemeldet. „Dann hat uns ein Vorstandsmitglied über den Beschluss informiert, dass der Name nicht geändert wird", so die Syker „Löwenherz"-Geschäftsführerin, „deshalb mussten wir den Anwalt einschalten".

Der Verein „Kinderhospiz Löwenherz" sei durchaus bereit, den „Löwenherzen" in Reichenbach eine Frist für eine neue Namensfindung, zum Aufbrauchen der alten Faltblätter und zur Erarbeitung einer neuen Homepage einzuräumen. Geändert werden müsse der Name aber in jedem Fall.

Mit Doppelgängern wird Barbara Frerker übrigens nicht zum ersten Male konfrontiert: „Der Name Löwenherz ist beliebt, wir haben das schon zwei, drei Mal gehabt." Aber das Problem sei stets einvernehmlich und ohne Anwalt gelöst worden.

Das wäre ihr auch im Reichenbacher Fall lieber. „Wir haben Besseres zu tun, als uns mit jemandem zu streiten", blickt die Syker Geschäftsführerin auf die Arbeit für schwerstkranke Kinder. Aber der Verein „Löwenherzen – Familien in Not" müsse sich endlich um sein Problem kümmern.

Für die persönliche Belastung der Vereinsvorsitzenden als Oma eines schwerkranken Kindes hat Barbara Frerker größtes Verständnis. Als Mutter eines behinderten Sohnes weiß sie selbst, was das bedeutet. Trotzdem gehe das Leben mit all seinen Problemen weiter, und auch sie müssten gelöst werden. „Denn würden wir erst in zwei Jahren reagieren, dann würden wir ganz sicher gefragt: Warum habt ihr damals nicht gleich etwas unternommen?"