Tanzspaß fast ohne Männer

Quelle: Weser-Kurier, 22.11.2012

Ambulanter Kinderhospizdienst Löwenherz blickt auf sein fünfjähriges Bestehen zurück / Laufend Schulungen

Von Meike Müller

Auf sein fünfjähriges Bestehen kann das Büro des "Ambulanten Kinderhospizdienstes Löwenherz Bremen und Umzu" in der Elsasser Straße zurückblicken. Seit 2007 konnten 53 Familien mit schwerstkranken Kindern die Hilfe der ehrenamtlichen Mitarbeiter in Anspruch nehmen.

Schwachhausen. Das Maskottchen "Maximilian Löwenherz" und die "Bremer Klinikclowns" Wilma und Kurt alias Julia Wiegmann und Christian Braun begrüßen die Gäste beim Empfang zum fünfjährigen Bestehen des "Ambulanten Kinderhospizdienstes Löwenherz Bremen und Umzu" in der Elsasser Straße. Normalerweise besuchen Wilma und Kurt kleine Patienten auf den Stationen Bremer Krankenhäuser, um mit Spiel und Spaß dafür zu sorgen, für einen Augenblick dem Krankenhausalltag zu entfliehen. Sie bringen Abwechslung, Musik, Geschichten und klassische Clownspiele in die Krankenzimmer. Die Integration von Clowns in den Klinikalltag entlastet darüber hinaus Ärzte, Pflegepersonal und nicht zuletzt die Familien.

Familien mit schwerstkranken Kindern zu entlasten und begleiten hat sich auch der ambulante Kinderhospizdienst Löwenherz zur Aufgabe gemacht. Seit den Anfängen 2006 wurden in sechs Schulungsgruppen 68 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgebildet. 41 Ehrenamtliche sind zurzeit aktiv dabei und begleiten 30 Familien in Bremen und Umgebung. Zwölf Teilnehmer bereiten sich im siebten Schulungslehrgang auf ihre Aufgaben in der Familienbegleitung vor. In Zusammenarbeit mit Kliniken, Kinderärzten und der mobilen Familienhilfe "Bremer Engel" wurden in den vergangenen Jahren insgesamt 53 Familien unterstützt.

Hemmschwelle bei den Eltern

In den Ansprachen von Fanny Lanfermann, der Leiterin des ambulanten Dienstes, und Dorothea Bobzin, stellvertretende Vorsitzende des "Verein Löwenherz", wird deutlich, wie wichtig die Arbeit der geschulten Kinderhospizhelfer ist. Viele Eltern müssen erst eine gewisse Hemmschwelle überwinden, bevor sie bereit sind, Hilfe anzunehmen. Sie glauben, diese Last für sich tragen zu müssen oder wollen keine Fremden im Haus haben, spüren aber, dass sie es alleine nicht schaffen können. So wurden die Mitarbeiter des ambulanten Dienstes oftmals zu Helfern aus einer geradezu ausweglos erscheinenden Situation.

Heidemarie Rose in Vertretung von Sozialsenatorin Anja Stahmann würdigt alle Ehrenamtlichen, aber ebenso die "Arbeit hinter der Arbeit" – die engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kinderhospizdienstes sowie die zahlreichen Kursreferentinnen, die die Kursteilnehmer auf verschiedene Krankheitsbilder, Reaktionen in Krisensituationen und die Auswirkungen von Dauerbelastungen in den Familien vorbereiten. Henning Scherf in seiner Funktion als Botschafter für das Kinderhospiz hebt die Bedeutung von Zusammenarbeit, Vertrauen und Nähe gerade auch in schweren Zeiten hervor.

In eindrücklichen Worten berichtet eine betroffene Mutter über die ambulante Begleitung ihrer Familie. Katrin Engelbrecht ist 38 Jahre alt, hat zwei Kinder und lebt in Borgfeld. Ihr Sohn Thore ist zwölf und hat Mucopolysaccharidose Typ IIIA (MPS 3A), eine Stoffwechselerkrankung, die tödlich verläuft. Thores Schwester Freya ist neun Jahre alt und gesund.

Thore kam ohne Anzeichen dieser schweren Erkrankung zur Welt, aber im Alter von drei Jahren verzögerte sich die Entwicklung des Kindes und wurde schließlich rückläufig. Thore war immer hyperaktiv, anfällig für Infekte, hatte Schlafstörungen und ist letztendlich nie "trocken" geworden. Heute ist er auf dem Entwicklungsstand eines halbjährigen Kindes, benötigt ständige Hilfe und sitzt im Rollstuhl. "Ein krankes Kind wie Thore ist auch ein Geschenk, das man annehmen sollte – oder man zerbricht an der Aufgabe", sagt Katrin Engelbrecht. Vor acht Jahren erhielt sie die Diagnose, dass ihr Sohn noch im Kindesalter sterben wird, da fortschreitende Skelettveränderungen, Störungen des Nervensystems und Organschäden zum Tode führen.

Drei Jahre später wurde ihr durch den ambulanten Kinderhospizdienst Hilfe angeboten, die sie erst nach einigen Überlegungen annahm. Seitdem wird die Familie durch die ehrenamtliche Helferin Sabine Haasis unterstützt. Die 53-Jährige hat zwei erwachsene Söhne und lebt in Lilienthal. Sie gehörte der zweiten Schulungsgruppe des Kinderhospizdienstes an und hat durch einen familiären Schicksalsschlag den Entschluß gefasst, ehrenamtlich helfen zu wollen. Einen Tag in der Woche, für zwei bis drei Stunden besucht Sabine Haasis die Familie Engelbrecht und betreut Thore, hält seine Hand, liest ihm vor, streichelt ihn, ist einfach nur da und hofft auf eine Reaktion von ihm. " Durch Thore habe ich unendlich viel gelernt. Ruhe und Geduld sind das Maß aller Dinge, während ich mit ihm zusammen bin", erklärt Sabine Haasis.

Auch Freya, Thores Schwester, kommt nicht zu kurz. Dabei geht die ehrenamtliche Helferin auf Freyas Wünsche ein und spielt zum Beispiel Rollenspiele oder Klavier mit ihr.

Katrin Engelbrecht kann diese Zeit für sich nutzen, das Haus verlassen, Erledigungen machen oder sich einfach nur zurückziehen. Die Frauen verbindet mittlerweile weit mehr als die Pflege und Betreuung des schwerkranken Jungen. Das Leben der Familien ist miteinander verknüpft und wird es immer bleiben.

Anfragen zum ambulanten Kinderhospizdienst oder der ehrenamtlichen Mitarbeit unter Telefon 8413155 oder per E-Mail an die Adresse ambulant@loewenherz.de.