Löwenherz baut Jugendhospiz

Quelle: Weser-Kurier, 03.04.2012

Von Micha Bustian

Syke. Am 11. April ist es so weit. An diesem Mittwoch um 15 Uhr wird der erste Spatenstich für das neue Jugendhospiz Löwenherz gesetzt. Im September 2013, pünktlich zum zehnten Geburtstag des Kinderhospizes, soll das neue Gebäude fertig sein.

Syke. 1500 Quadratmeter, acht Pflegezimmer, sechs Angehörigenzimmer, ein zwölf Quadratmeter großes Bewegungsbecken, eine Kreativküche mit verstellbarem Herd - die Planung für das Jugendhospiz, das direkt neben dem Syker Kinderhospiz Löwenherz in Siebenhäuser gebaut werden soll, steht. Jetzt geht es an die Umsetzung. Am Mittwoch, 11. April, um 15 Uhr startet das Bauvorhaben mit dem ersten Spatenstich. Für die Löwenherzen eine logische und konsequente Entwicklung. Denn, so Gaby Letzing, die Vorsitzende des Vereins Kinderhospiz Löwenherz: "Wir sind rappelvoll und haben eine riesenlange Warteliste."

"30 Prozent unserer Gäste sind älter als 13 Jahre", hat Gaby Letzing registriert. Teilweise seien sie sogar über 20 Jahre alt gewesen, hätten die von den Ärzten gestellte Prognose deutlich überlebt. "Wir wachsen mit den besseren Medikamenten, mit der besseren Technik und Medizin." Eine zweite Station für die gleiche Klientel sei also kein Thema gewesen. "Wir hatten so viele große Kinder, die brauchen eine andere Ansprache und vor allem keine Beschallung mit Benjamin Blümchen."

Nachdem die Entscheidung für ein Jugendhospiz gefallen war, ging die Arbeit für die Löwenherzen erst richtig los. Vor allem war es eine ungewohnte Arbeit. Wie sollen die Räumlichkeiten aussehen? Welches Angebot ist notwendig für Jugendliche zwischen 14 und 24 Jahre? Die Löwenherz-Mitarbeiter fragten jugendliche Geschwister von ihren Gästen nach ihrer Meinung, wurden an Schulen vorstellig und besuchten Kneipen und Cafés plötzlich mit einer ganz anderen Intention.

Schon allein die Farben an den Wänden sollen anders sein als im Kinderhospiz, nicht so knallig, eher gedeckt. "Ein Jugendlicher, der bei uns zu Gast war, wollte sogar schwarze Wände", erinnert sich Gaby Letzing mit einem Schmunzeln. "Ausstattung und Ambiente des Jugendhospizes sollen nicht so kuschelig werden", sagt die Vorsitzende. "Wir wollen eine Atmosphäre, die Jugendliche auch cool finden." Lounge-Charakter beispielsweise. Muskeldistrophe Jugendliche nämlich nähmen ihre Umwelt sehr bewusst wahr, berichtet Gaby Letzing. "Für die wäre eine Ausstattung wie im Kinderhospiz zu kindlich."

Apropos Ausstattung: Die Technik im Jugendhospiz soll den Gästen eine größtmögliche Selbstständigkeit gewähren. So ist angedacht, die Zimmertür vom Rollstuhl aus öffnen zu können, "damit die Jugendlichen nicht bei allem Assistenz benötigen". Jeder Gast brauche auch seinen eigenen Rückzugsraum. Einen Rückzugsraum, der einen Städtenamen haben wird. "Dann können unsere Gäste Postkarten aus Paris, London oder New York schicken", flachst Gaby Letzing.

Abhängen, Chillen, Ausflüge - das hörten die Löwenherzen aus den vielen Gesprächen als zentrale Interessensgebiete potenzieller jugendlicher Gäste heraus. "Für ein anderes Angebot brauchen wir auch anderes Personal", findet Gaby Letzing. "Wir wollen ja auch mal mit den Jugendlichen in eine Disco fahren." Zur Unterstützung hoffen die Löwenherzen auf Ehrenamtliche, haben deshalb schon Kooperationen mit Syker Schulen geschmiedet.

Vorerst aber halten die Mitarbeiter des Hospizes, das todkranke Kinder betreut, weiter die Ohren offen. "Es gibt kein fertiges Konzept", erklärt Gaby Letzing. "Wir werden weiter Ideen entwickeln und sie dann ausprobieren. Wir hören die Eltern an, denn Betroffene können am besten sagen, was sie brauchen." Beide Parteien würden zurzeit "ganz viel voneinander lernen". Auch ein Workshop mit Eltern betroffener Kinder sei geplant.

3,9 Millionen Euro soll der Neubau kosten, 600000 Euro kommen vom Land Niedersachsen, ein Großteil des Großteils von Förderern des Vereins Kinderhospiz Löwenherz. Im September 2013 soll das Jugendhospiz fertig sein, pünktlich zum zehnjährigen Bestehen des Kinderhospizes. Geht es nach der Vorsitzenden Gaby Letzing sollen sich auch jugendliche Geschwister von Kinderhospiz-Gästen im Jugendhospiz aufhalten dürfen. Zudem werden Bewegungsbad und Kreativküche gemeinsam genutzt. Darauf freut sich Gaby Letzing: "Das ist eine spannende Begegnungsebene."