Löwenherz - ein Hoffnungsplatz

Quelle: Weser-Kurier, 21.01.2012

Henning Scherf spricht beim Empfang

Von Micha Bustian

Syke · Landkreis Diepholz. Das Kinderhospiz Löwenherz lädt zu seinem Neujahrsempfang generell nur spezielle Gäste ein. Gestern waren es Bremens ehemaliger Bürgermeister Henning Scherf, der zum Thema "Gemeinsam statt einsam" sprach, sowie Kreiszeitungs-Verleger Dirk Ippen, der im Namen seines Verlags 40000 Euro übergab.

100 Gäste hatte Löwenherz geladen, nur wenige Stühle blieben leer, als Henning Scherf ans Rednerpult schritt. Er sei überzeugt davon, "dass hier wunderbare Arbeit gemacht wird. Das ist ein Hoffnungsplatz für die gesamte Region." Scherf erzählte von seinen Erlebnissen in Pflegewohnheimen mit demenzkranken Menschen und fand dabei einige Parallelen zur Hospizarbeit. Beides seien Plätze, an denen gelebt werde, so der Ex-Bürgermeister. "Trauer ist an diesen Stätten nur ein Teil der Arbeit, Nähe ein anderer." In sonorem, ruhigem Ton sprach Henning Scherf von Gefühlen, Wünschen und Hoffnungen. "Es ist eine Form des langsamen Abschieds. Aber wenn Leute dabei sind, die einen stützen und motivieren, kann es durchaus ein spannender Lebensabschnitt sein."

Hospizleiterin Gaby Letzing sah ihre Einrichtung als "Herberge für Weggefährten" und erläuterte das am Beispiel zweier Kinder. Viele Familien hätten die Behinderung, die schwere Krankheit ihres Kindes als Normalität akzeptiert - bis es zu einer Krise kommt. "Was wir dann brauchen, ist Zeit", meinte Gaby Letzing. "Und ich bin sehr dankbar dafür, dass wir hier einigen Familien diese Zeit schenken können."

139 Kinder betreute das Kinderhospiz Löwenherz in 2011 und war damit über das Jahr zu 95 Prozent ausgelastet. 30 Prozent dieser Kinder waren 13 Jahre alt und älter. Deshalb baut Löwenherz an: Am 11. April beginnen die Bauarbeiten für das Jugendhospiz, das acht Zimmer für erkrankte Gäste und sechs Räume für Begleitpersonen unter einem Dach vereinen soll. 3,9 Millionen Euro werden in das Gebäude investiert, die Fertigstellung ist für April 2013 geplant. Henning Scherf würde sicherlich auch das Jugendhospiz als Hoffnungsplatz bezeichnen.