Per Wadenantrieb durch Deutschland

Quelle: Weser-Kurier, 05.09.2012

Von Markus Tönnishoff

Drei anstrengende und abenteuerliche Wochen liegen vor Norbert Wudick aus Fahrenhorst. Am Donnerstag will er auf eine Tour durch Deutschland starten – mit einem Fahrrad. Unterwegs wird er Spenden für das Kinderhospiz Löwenherz in Syke sammeln.

Stuhr-Fahrenhorst. Rund ein Jahr lang hat Norbert Wudick aus Fahrenhorst eine Idee in seinem Kopf hin und her geschoben: Wie wäre es, mit dem Rad quer durch Deutschland zu fahren und dabei Spenden für das Kinderhospiz Löwenherz in Syke zu sammeln? Soll er oder soll er nicht? Nun ist es klar. Er tut's. Am Donnerstag geht es los. Drei Wochen lang wird der Fahrradsattel dann sein Zuhause sein.

"Ich bin total aufgeregt", sagt Wudick, wenn er an sein Vorhaben denkt. Und: "Aber ich werde die Tour keinesfalls wegen schlechten Wetters oder anderer Widrigkeiten abbrechen. Es sei denn, ich werde krank oder habe einen Sturz", führt der 49-Jährige weiter aus. Auf den Weg machen will er sich mit einem Lastenfahrrad. Bei so einem Rad befindet sich vor dem Lenker im unteren Bereich eine Ladefläche, und erst danach kommt das Vorderrad. "Ich werde zwischen 20 und 25 Kilo Gepäck dabei haben – ein Zelt, Isomatte und Schlafsack sind auch dabei", erklärt der Fahrenhorster. Eigentlich will er versuchen, abends in einem Hotel oder in einer Pension abzusteigen, "doch wenn ich dann mal nichts finde, kann ich im Zelt übernachten. Es ist mehr eine Art Notlösung", so Wudick.

Die erste Etappe seiner Tour führt ihn am Donnerstag zunächst zum Bremer Hauptbahnhof. "Von dort geht es mit dem Zug nach Mannheim", so Wudick. In Mannheim klettert er dann auf sein Rad und lenkt es nach Pirmasens. "Dort hält Joey Kelly von der Kelly Family einen Vortrag zum Thema Motivation in der Stadthalle. Da werde ich auch eine Löwenherz-Spardose aufstellen und hoffen, dass die Besucher etwas hinein tun." Von da aus will Wudick ins Saarland, nach Hessen und ins bayerische Allgäu radeln. "Vor den Bergen in Bayern habe ich ein bisschen Angst. Bergfahrten kann man hier ja nicht trainieren. Aber immerhin habe ich hier trainiert, mit Gepäck gegen den Wind zu fahren, das ist ein bisschen, wie bergauf zu fahren." Mit seinen 27 Gängen will er den Bergen die Zähne zeigen.

Dann möchte Wudick ihnen aber den Rücken kehren und und in Richtung Nord-Osten radeln. Das Wort "Berlin" wird er fortan in das Navi seines Handys eingeben. Danach geht es über Magdeburg und Celle nach Nordrhein-Westfalen, bevor wieder in Richtung Fahrenhorst geradelt wird. "So eine lange Tour habe ich noch nie gemacht. Ich hoffe, dass ich pro Tag 100 Kilometer schaffe", sagt er.

Sein Geld verdient Wudick mit dem Verkauf von Sportbekleidung, bundesweit beliefert er Vereine. Auf seiner Tour will er zahlreiche dieser Vereine ansteuern. "Viele organisieren dann irgendeine Veranstaltung – zum Beispiel ein Grillfest. Dort können die Besucher dann auch spenden", erklärt er das Prozedere. In Berlin sei eine besonders große Veranstaltung geplant. Weitere Vereine, die den Fahrenhorster während seiner Tour einladen wollen, können ihn unter der Telefonnummer 0151/27023639 erreichen.

Doch der Fahrenhorster will nicht nur Geld einsammeln, sondern auch Werbung für Löwenherz machen. "Ich habe Flugblätter mit Informationen über das Kinderhospiz dabei. Ich will versuchen, so viele wie möglich in Imbissen und anderen Einrichtungen auszulegen." Sind sie alle, ist Wudick auch nicht bange. "Dann bestelle ich neue. Löwenherz schickt sie mir dann an einen Ort, wo ich in Kürze durchkomme. Ich kann natürlich nicht so viele mitnehmen, denn das bedeutet zusätzliches Gewicht." Schon in der Vergangenheit hatte sich Wudick für Löwenherz engagiert.

Neben dem Spendensammeln hat die Fahrt für Wudick aber auch eine andere Bedeutung, er will nämlich etwas von Deutschland sehen – Land und Leute kennenlernen, wie man so schön sagt. "Wenn man auf der Autobahn unterwegs ist, bekommt man überhaupt nichts mit", sagt er. Wer hingegen mit dem Fahrrad fahre, komme schnell mit Leuten ins Gespräch und sehe etwas von der Landschaft. Und obendrein wolle er auch noch ein wenig Werbung fürs Radfahren machen. "Ich will zeigen, dass man nicht jeden Weg mit dem Auto fahren muss."

Wer dem Fahrenhorster nun noch einmal schnell auf die Schulter schlagen und alles Gute wünschen will, hat am morgigen Donnerstag dazu die Gelegenheit. Um 10 Uhr will Wudick von der Kirchseelter Straße 27 in Fahrenhorst starten.