Sie schenken Zeit und Zuwendung

Quelle: Braunschweiger Zeitung, 19.03.2013

Ambulante Kinderhospizbegleiterinnen unterstützen Familien mit schwerstkranken Kindern.

Von Bettina Habermann

Braunschweig - Familien, die ein schwer krankes Kind mit einer lebensbegrenzenden Diagnose zu Hause versorgen, sind Tag und Nacht gefordert. Dazu kommt die Angst vor dem Tod des Kindes. Eine Situation, die jedes Familienmitglied berührt. Häufig wird der Familienalltag dadurch über einen längeren Zeitraum auf den Kopf gestellt.

„Was betroffenen Familien im Alltag oft fehlt, ist Zeit", sagt Ulrich Kreutzberg, Koordinator im Verein Hospizarbeit Braunschweig. Zeit für Geschwister, Zeit für Einkäufe und andere Erledigungen, Zeit für die Bedürfnisse und Wünsche der Eltern als Eltern und Paar.

Vor vier Jahren rief der Verein Hospizarbeit deshalb die ambulante Kinderhospizarbeit ins Leben. Ehrenamtliche, die bereits den Kursus für die Begleitung Erwachsener in der letzten Lebensphase absolviert hatten, erhielten im Kinderhospiz Syke eine zusätzliche Qualifikation.

„Bei den Einsätzen der Kinderhospizbegleiterinnen haben wir die ganze Familie im Blick", erläutert Ulrich Kreutzberg. Sie spielen oder singen zum Beispiel mit einem Mädchen, das aufgrund seiner Muskelschwunderkrankung fast nur noch im Liegestuhl liegen kann, und sorgen so für eine zusätzliche Stimulierung. Gleichzeitig entlasten sie die Eltern, so dass Mutter oder Vater mit einem Geschwisterkind beispielsweise zum Kinderturnen gehen kann.

Vier Begleitungen schwerstkranker Kinder und Jugendlicher haben die Hospizbegleiterinnen seit 2009 übernommen. Eine ist durch den Umzug des erkrankten Mädchens in eine Pflegeeinrichtung beendet, die anderen drei laufen noch. Diesen Familien ein Stück Normalität zu erhalten, ist für Kornelia Sieker-Ranft das Motiv ihres Engagements. Ihrer Kollegin Doris Buttler liegt vor allem die Unterstützung der Geschwisterkinder am Herzen – „weil sie häufig im Schatten des kranken Kindes stehen".

Jede der Familien wird einmal wöchentlich von einer Kinderhospizbegleiterin zu Hause besucht. Angesichts ihrer Belastung ahnt man, wie wichtig dieses Geschenk von Zeit und Zuwendung ist.

Der Gemeinsam-Preis

Am 6. Mai ehrt unsere Zeitung mit dem Braunschweiger Dom zum zehnten Mal Menschen für ihr Bürgerengagement. In den nächsten Wochen stellen wir hier täglich die Kandidaten für den Preis vor. Heute:

Ambulante Kinderhospizbegleiterinnen im Verein Hospizarbeit Braunschweig.

Das Ziel : Es werden Familien unterstützt, die mit einem Kind leben, das eine lebensbegrenzende Erkrankung hat. In der Regel sind dies Muskel-, Nerven- oder Stoffwechselerkrankungen.

Die Partner : Das Kinderhospiz Löwenherz in Syke bei Bremen. Dort werden die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen über sechs Monate intensiv auf ihre Tätigkeit vorbereitet.

Kontakt : Hospizarbeit Braunschweig, Ulrich Kreutzberg, Andrea Wiedemann (Koordinatoren), Bruchtorwall 9-11, Telefon 0531/164 77, E-Mail hospizarbeitbs@arcor.de