Der Kopf muss leer sein, dann erst spricht ihr Herz

Siba und ihr Spielpartner Momo bei ihrer Premierenaufführung. © ksy

Quelle: Kreiszeitung, 19.10.2013

Die Asendorferin Sabine Voß berührt als Klinikclown auch ohne Worte

Asendorf - Von Aenne TemplinDer Clown beendet sein Spiel, und keiner klatscht: Das ist Sabine Voß gewohnt. Die Asendorferin arbeitet als Klinikclown im Kinderhospiz, Krankenhaus und Altenheim. „Ich weiß bei meinem Publikum oft gar nicht, was es versteht oder ob meine Späße ankommen", sagt sie. Viele Patienten können weder Danke sagen noch mit ihr sprechen. Das hat die Figur mit ihnen gleich. „Der Clown braucht keine Sprache: Er transportiert Bilder." Kleine Gesten oder die glücklichen Gesichter der Eltern ersetzen den Applaus, sagt Sabine Voß. In einer zweijährigen Ausbildung fand sie ihre Identität als Clown: Siba. Dass die eine rote Nase trägt, ist eher Zufall.

Die 53-Jährige arbeitet unter anderem im Kinderhospiz Löwenherz in Syke und im Unfallkrankenhaus Boberg in Hamburg. Die oberste Voraussetzung bei ihren Auftritten: Der Kopf muss leer sein, nur so kann das Herz sprechen. „Im Grunde ist es gar nicht so sehr ,Faxen machen', ich spiegel den Menschen, dem ich begegne", erklärt sie. Den typischen Clown, den jeder kennt, verkörpert sie weniger. „Es gibt kein Bühnenprogramm, ich gehe in Kontakt mit dem Menschen und reagiere auf das, was mich da erwartet" – selbst wenn es heißt, dass ihr Publikum sie nicht sehen will und sie aus dem Zimmer jagt. „Ich löse das, indem ich mich einfach freue: ,Juhu, ich wollte schon immer mal rausgeschmissen werden.' Damit entlockst du auch dem griesgrämigen Zuschauern ein Lächeln."

Was ihre Arbeit ausmacht: Der enge Kontakt zu den Menschen. „Ich stelle ihn her, indem ich mein Publikum berühre und das nicht nur im Herzen." Jede zweite Woche besucht Sabine Voß die Patienten bei Löwenherz. Drei Stunden lang ist sie dann bei ihnen. „Oft sind es gar nicht die Kinder, die sich am meisten freuen. Es sind die Eltern, die sich über die Emotionen ihrer Kinder freuen."

Das Kinderhospiz kennt Sabine Voß auch ungeschminkt. Sie hat dort früher als Gärtnerin gearbeitet. „Eine gute Show hatte ich damals schon drauf", erinnert sie sich. „Das Personal hat die Patienten regelmäßig vors Fenster geschoben, wenn ich im Garten Faxen gemacht hab", sagt sie und lacht. Der Umgang mit Kindern und Eltern wäre immer sehr humorvoll gewesen. Viele Patienten und deren Mütter und Väter hätten sich ihr gegenüber geöffnet.
Gärtnern hat ihr Spaß gemacht. Aber als sie vor einigen Jahren plötzlich selber krank wurde, ist sie ins Grübeln gekommen. „Ich hab einfach gemerkt: Das ist noch lange nicht alles, da ist noch was."

Nach einigem Zögern bewarb sie sich bei einer Clownschule in Hannover und lernte zwei Jahre lang das Handwerk. „Ich dachte erst, dass mein Alter ein Problem sein könnte, merkte aber schnell, dass das nicht stimmt."

In unterschiedlichen Schulungen und Workshops lernte sie, was zu Improtheater, Tanz, Pantomime und Gesang gehört. Die Entstehung ihrer Figur Siba hielt sie im theoretischen Teil ihrer Ausbildung in einem Buch fest. Ihr Markenzeichen: Hut, eine übergroße Hose, ein Frack, Hosenträger – und eine rote Nase. „Eigentlich ist die bei Clowns out", sagt Sabine Voß. Sie hätte sich aber für dieses kleinste Kostüm der Welt entschieden. „Ich fühle mich damit wohl. Und was ich total komisch finde: Die Menschen, denen ich begegne, sagen mir, dass ich niedlich aussehe. Damit kann ich gar nicht umgehen, schließlich bin ich schon über 50." Aber das Kompliment höre sie natürlich gerne.

Auf der Clownschule lernte sie ihren 22 Jahre alten Spielpartner Momo kennen. „Es kommt nicht sehr oft vor, dass Clowns im Duo auftreten, weil die Harmonie zwischen beiden einfach stimmen muss." Timo Lesniewski alias Momo sei ein Naturtalent. Die beiden erarbeiteten ein gemeinsames Premierenstück, das zu ihrer Ausbildung gehörte, und treten seitdem regelmäßig gemeinsam auf. Das Duo Momo und Siba spielte im vergangenen Jahr bei einem Straßenfest in Polen mit internationalen Künstlern. Als Nächstes sind sie am Sonnabend, 30. November, im Kulturwerk in Nienburg zu sehen.

Hat Sabine Voß etwas mit dem Clown Siba gemeinsam? „Darüber habe ich lange nachgedacht", sagt die Asendorferin. „Ich bin Siba. Sie entsteht aus mir. Aber das Tolle ist: Als Siba darf ich alles machen, wofür mich die Leute sonst schief angucken würden."

Sabine Voß ist unter Telefon 0175/2956061 oder per E-Mail sabinevoss@online.de erreichbar. Bilder und Videos von Momo und Siba gibt's im Internet unter www.timo-lesniewski.de.