Eine Idee, ein Jahr und 5000 Autoren

Quelle: Kreiszeitung, 09.03.2013

Achimer Wolfgang Mindermann startet Welt-Hit im Internet / Am 25. März soll Buch versteigert werden

Von Lisa Duncan

Achim - Nie hätte es der Achimer Wolfgang Mindermann geahnt – aber seine Idee schlug voll ein: 4 690 Autoren beteiligten sich an seinem Internet-Projekt „Der letzte Satz", darunter namhafte Schriftsteller, wie Frank Schätzing und Sven Regener, aber auch ganz „normale" Menschen. Jetzt erscheint es als Taschenbuch und eine besondere Edition wird am Montag, 25. März, zugunsten des Syker Kinderhospiz' „Löwenherz" im Bremer Rathaus versteigert.

Es reiche nicht, nur eine Idee im Kopf zu haben, meint Wolfgang Mindermann. „Man muss erst die Kurve nehmen, um es zu tun." Idee und Anstoß für das Projekt „Der letzte Satz" gaben Mindermann und sein Freund Christian Hoffmann aus Bremen. „Aber ich hab' am wenigsten damit zu tun, wie das geworden ist", sagt Wolfgang Mindermann. Als die beiden Freunde ihre Internetseite www.derletztesatz.de im Januar 2012 freischalteten, brachten sie vielmehr einen Stein ins Rollen, der sich bald verselbstständigte.

Das Prinzip: Für das Buch mit den meisten Autoren der Welt darf ein Jahr lang jeder, der sich dort einloggt, etwas beitragen. Allerdings ist jeweils nur der Teil der Geschichte lesbar, den der vorherige Autor verfasst hat, der „letzte Satz" also. Jeder hatte nur zehn Minuten Zeit zum Schreiben, so dass teils nur ein Satz, teils ganze Absätze von einem Autor gestaltet wurden. So sieht jeder die Geschichte aus einem anderen Blickwinkel – und sie nimmt mal philosophische, mal spannende, mal witzige Wendungen.

„Sind Sie nicht Herr Mindermann?"

Ein Projekt, das offenbar viele Menschen „ansteckte". Sabrina Kuhlmann-Bokelmann, Studentin der Kunsthochschule Bremen, war so begeistert, dass sie sich als Illustratorin anbot. Sie übernahm schließlich die Gestaltung des Buch-Covers. Auch den Bremer Kellner-Verlag, der das Buch jetzt herausbringt, musste Mindermann nicht erst suchen – der Verlag fand ihn. Verleger Klaus Kellner war über einen Zeitungsartikel auf das Projekt aufmerksam geworden. Und Wolfgang Mindermann hatte plötzlich Begegnungen mit Fremden, die ihn bei einem Konzertbesuch ansprachen: „Sind Sie nicht Herr Mindermann?"

Immer mehr Menschen hörten davon, es beteiligten sich Autoren aus der ganzen Welt, von den USA über Australien bis nach Tibet. Hobby-Schriftsteller vom Grundschüler bis zur Rentnerin, aber auch prominente Autoren waren dabei: Neben „Neue-Vahr-Süd"-Autor Sven Regener und Bestsellerautor Frank Schätzing („Der Schwarm") auch der Sonderberater des UN-Generalsekretärs Willi Lemke.

Nachdem Wolfgang Mindermann am Gymnasium Sottrum von seinem Projekt vor 60 bis 70 Schülern referiert hatte, fanden sich spontan zwei Jugendliche, die mit einem Weihnachtsbasar Geld für „Löwenherz" sammelten. 1117 Euro kamen dabei zusammen.

Jeden Abend nach der Arbeit beim Technologiekonzern Siemens schaute Wolfgang Mindermann auf die Internetseite seines Projekts. „Manchmal sogar, bevor er mich abends begrüßte", sagt seine Frau Sigrid und schmunzelt. Sie habe ihrem Mann bei seinem Projekt gern „den Rücken frei gehalten". Auch daran, dass der Erlös der Sonder-Edition bei der Versteigerung dem Kinderhospiz „Löwenherz" zugute kommen soll, ist Sigrid Mindermann nicht ganz unschuldig. Weil sie ehrenamtlich für die Einrichtung tätig ist, kam ihr Mann erst auf die Idee.

Das 304 Seiten starke Buch-Unikat, in edlem blau gefärbtem Ziegenleder und mit Goldprägung, soll am 25. März ab 18 Uhr im Festsaal des Alten Rathauses in Bremen versteigert werden. Die Auktion steht unter Schirmherrschaft von Bürgermeister Jens Börnsen, Moderator ist Dirk Böhling von Radio Bremen.

Man kann bereits mitbieten, auf der Internetseite des Kellner-Verlags. Die Versteigerung startet mit dem Gebot, das zuvor im Internet abgegeben wurde. Das aktuell höchste Gebot ist einsehbar unter: www.kellnerverlag.de