Initiator einer Charity-Aktion verweigert Herausgabe von 102 Promi-Bildern

Quelle: Kreiszeitung, 10.072013

Syker „Löwenherzen" beschreiten Klageweg

Syke - Von Anke Seidel. „Hi, Kinderhospiz Löwenherz", lässt Udo Lindenberg sein zeichnerisches Selbst grüßen. Die schlaksige Figur hat er selbst gemalt – für eine Charity-Aktion mit insgesamt 102 Bildern von Prominenten aus aller Welt, die dem Kinderhospiz in Syke zugute kommen sollte. Doch jetzt droht die ebenso seltene wie ungewöhnliche Ausstellung zu scheitern, weil der Initiator Detlef Bannenberg aus Paderborn die Originale nicht herausgibt. Die „Löwenherzen" beschreiten den Klageweg.

„Das können wir uns nicht bieten lassen", erklärt „Löwenherz"-Geschäftsführerin Barbara Frerker unisono mit Ehrenamts-Bereichsleiterin Fanny Lanfermann und Öffentlichkeitsreferent Heiner Brock. Denn Bannenberg habe in seinen Anschreiben an 400 Prominente in aller Welt ausdrücklich darauf verwiesen, dass der Erlös „zu 100 Prozent" dem Kinderhospiz „Löwenherz" zugute kommen solle. Dafür stehe er mit seinem Namen ein, heißt es in dem Anschreiben zur Charity-Aktion unter dem Motto „Ein großes Herz für kleine (Löwen-)Herzen".

„Seinen Briefen legte er einen Flyer des Kinderhospizes Löwenherz sowie eine Leinwand im DIN-A-4-Format bei", berichtet Heiner Brock. „Die Resonanz war überwältigend. Mehr als 100 Prominente wollten helfen und schickten ihre Gemälde zurück." Darunter nicht nur so bekannte Sänger wie Udo Lindenberg und Peter Maffay, sondern auch die Rockband Die Ärzte, Komiker Otto Waalkes, Schauspieler Götz George, Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt, die Lennon-Witwe Yoko Ono oder der Weltraum-Springer Felix Baumgartner – selbst der Dalai Lama sei dabei.

Zum zehnjährigen Bestehen des Kinderhospizes in Syke und zur Eröffnung des Jugendhospizes am 21. September wollten die „Löwenherzen" die künstlerischen Werke dieser Prominenten präsentieren und später versteigern. Doch jetzt droht der Jubiläums-Ausstellung das Aus. Denn alle Versuche, sich mit Bannenberg zu einigen, scheiterten bisher. „Wir haben ihm sogar die erste Ausstellung in der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold versprochen", so Barbara Frerker. Dort arbeitet Bannenberg. Mehrfach habe es Kontakte zu ihm und zum Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Ravert gegeben, so die „Löwenherz"-Geschäftsführerin. Fanny Lanfermann berichtet von einem Telefongespräch mit dem Bankleiter: „Er betrachtet es offensichtlich als Verschwendung, eine so einmalige Sammlung nur einem so kleinen Verein im Landkreis Diepholz zur Verfügung zu stellen". Dabei sei die Aktion ausdrücklich auf das Kinderhospiz „Löwenherz" zugeschnitten gewesen: „Unser Name ist benutzt worden!", sagt Barbara Frerker.
„Natürlich hat er das für Syke gemacht", so Volksbank-Vorstand Karl-Heinz Ravert auf Anfrage zur Aktion seines Mitarbeiters – und fügt hinzu: „Die Aktion hat nichts mit der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold zu tun. Das ist reine Privatsache." Detlef Bannenberg habe sich an ihn gewendet, weil er selbst schon Aktionen für Kinder-Hilfsorganisationen umgesetzt habe. „Löwenherz kann meinetwegen ein Buch mit den Bildern herausgeben, Postkarten oder Poster drucken. Nur dürfen diese Bilder nicht auseinander gerissen werden", betont Detlef Bannenberg die Einmaligkeit der Sammlung, für die er selbst das Porto bezahlt habe, „das wäre für mich wie ein Stich ins Herz!"

Die „Löwenherzen" versicherten dagegen, dass man sich immer wieder um eine gütliche Einigung bemüht habe. 20 Kontakte habe es gegeben, bevor sie mit Unterstützung eines Rechtsanwalts um die Herausgabe der Originale gebeten hatten. Die Frist sei ohne jegliche Reaktion verstrichen.

Mittlerweile haben die „Löwenherzen" ihren Anwalt mit der Klage beauftragt. Zuvor hatten sie die Prominenten angeschrieben und sie darüber informiert, dass Bannenberg ihre Bilder als sein Eigentum beansprucht. „Rund 20 Rückmeldungen haben wir bisher bekommen", so Barbara Frerker, „in denen alle uns versichern, dass sie Löwenherz unterstützen wollen".

Wenigstens in einem Punkt sind sich die Syker und die Paderborner Beteiligten einig: Alle sind enttäuscht über die Entwicklung einer „Superidee", die nun das Gericht beschäftigt.

Dass private Unterstützer kreative Ideen umsetzen, gehört zum Alltag von „Löwenherz". Bis zu 300 große und kleine Spenden-Aktionen gebe es pro Jahr, so Fanny Lanfermann. Jahr für Jahr brauchen die „Löwenherzen" 1,8 Millionen Euro Spenden, um ihre Arbeit für schwerstkranke und sterbende Kinder finanzieren zu können. „Gott sei dank schaffen wir das", sagt Barbara Frerker.