Jeder Stern eine Seele

Die stimmige Dekoration schuf eine auch optisch dichte Atmosphäre bei der Autorenlesung von Constanze Köpp. © hey

Quelle: Kreiszeitung, 18.11.2013

Benefizlesung für Löwenherz gewinnt durch stimmige Atmosphäre

Scheessel - Eine nicht gerade einfache literarische Reise hatten die Organisatoren von den Beeke-Löwen, dem Unterstützerkreis des Syker Kinder- und Jugendhospizes, rund 40 Zuschauern am Freitagabend bei ihrer Benefizveranstaltung auferlegt, ging es bei dem ersten Roman „Frannys Reise" der Autorin Constanze Köpp doch um den Abschied einer 15-Jährigen vom Leben.

Mit ihrer poetischen, bildhaften Sprache griff die Hamburgerin in den – zwangsläufig fiktiven – Berichten der mittlerweile seit einem halben Jahr verstorbenen Franny aus dem Himmel oft philosophische Fragen auf: „Warum gibt es Krankheiten?", „Was macht das Ich aus?" oder „Wann bekommt der Mensch eine Seele?" Ja, die Seele, ob ureigen oder geliehen wie der Körper, spielt eine zentrale Rolle in dieser Lesung, die mehr philosophischer Diskurs und eine Sammlung von Lebensweisheiten als stringenter Roman ist.

Die Rahmenerzählung tritt zurück, und auch die Charaktere, allesamt lieb und weise, dienen eher zum Transportieren von Lebensweisheiten („Wer trösten will, muss selbst stark sein", „Echte Schönheit kommt von innen") und schönen Bildern wie „Jeder Stern ist eine Seele", die nachdenklich machen sollen. Und Mut. Denn auch darum geht es – und das macht die Stärke des Buchs mit Hang zum Esoterischen aus: Bilder zu finden, die den Umgang mit dem Unfassbaren möglich machen, die Trost spenden.

Damit steht die Hamburgerin, die im Januar ihr zweites Buch veröffentlicht, ganz in der Tradition des Kinderhospizes, wo den Eltern mit bildhaften Ritualen ein Gerüst an die Hand gegeben wird, den Tod des eigenen Kindes zu verarbeiten.

Dieser besondere Ansatz spiegelte sich an diesem Abend auch im zum stimmigen Veranstaltungsort avancierten Beekeforum wieder: gedämpfte Illumination, auf der Bühne ein Arrangement aus Korbsessel und Kerzenhalter, dazu Engelsflügel aus Federn – daraus spricht Köpps Hauptberuf einer Wohnberaterin ebenso, wie die Mühe und Liebe, mit der die vielen Helfer der Beekelöwen jede ihrer Aktionen ausgestalten. Mit passender Livemusik von Hobbygitarristen Thomas Voss, der auch das Löwenherz-Abschiedslied „Ein Kind dieser Erde" spielte (ein Ritual bei der Verabschiedung jedes gestorbenen Kindes), Bildern der Sterbebegleiterin Friederike Höfer und dem Raum für Austausch bei Snacks und Getränken, bot die Veranstaltung nicht nur Anregung für den Geist, sondern auch fürs Auge. Ein kurzer, intensiver Abend, und das war auch gut so: So viele verdichtete Lebensweisheiten wollten erst einmal verdaut werden. · hey