„So wie Franny stirbt, möchte es jedem ergehen“

Hat sich in ihrem neuen Buch mit dem Sterben beschäftigt: Constanze Köpp. © ksy

Quelle: Kreiszeitung, 08.11.2013

Interview mit Constanze Köpp, die demnächst im Beeke-Forum aus ihrem Buch liest

Scheeßel - Constanze Köpp stellt am Freitag, 15. November, ab 19.30 Uhr im Beeke-Forum im Rahmen einer Benefizveranstaltung für das Kinderhospiz Löwenherz ihren Roman „Frannys Reise" vor.

Im Vorfeld unterhielt sich unsere Zeitung mit der Hamburger Autorin über den Erfolg von Jugendromanen zum Thema Tod, das Klischee starker Protagonisten und die kommenden Projekte.

Frau Köpp, wenn man Ihre Vita googelt, findet man einen Aufklärungsratgeber und Kolumnen. Von da zum Thema des Buchs, dem Sterben eines jungen Mädchens, ist es ein ganz schöner Sprung ...

Constanze Köpp: Geschrieben habe ich das Buch nach einem Bericht über die damals gerade gegründete „Sternenbrücke" (einem Hamburger Kinderhospiz, Anm. d. Red.). Nach einem Gespräch mit der Leiterin, Frau Nerge, war das Buch in meinem Kopf! Zuhause habe ich mich dann hingesetzt, den Kopf ausgeschaltet und die ersten 40 Seiten wie im Rausch durchgeschrieben. Das war wie eine Explosion, so als ob man geführt wird. Bereit nach wenigen Wochen war das Buch fertig.

Haben Sie einen persönlichen Bezug zum Thema „Wenn Kinder sterben"?

Köpp: Als ich sechs war, ist meine erste Freundin gestorben. Danach hat mein Vater uns Kindern zum Trost Geschichten aus dem Himmel erzählt. Die wollte ich immer mal aufschreiben, das war der Aufhänger. Außer einigen kleinen Sequenzen ist dabei dann aber etwas ganz anderes herausgekommen.

Neben Ihrem Buch gibt es ja auch einige andere recht erfolgreiche zum Thema – vor einiger Zeit „Oskar und die Dame in Rosa", jetzt „Das Schicksal ist ein übler Verräter". Wie erklären Sie sich den Erfolg?

Köpp: Über die anderen Bücher kann ich nichts sagen, ich kenne nicht alle. Bei meinem liegt es wohl an der Leichtigkeit, mit der viele Lebensthemen behandelt werden. Franny versucht, alles zu durchleuchten. Durch die Ich-Form ist man ganz nah an der bebensweisen, doch auch leicht altklugen Protagonistin dran. Das bestätigen mir viele Leser in ihren Zuschriften. Sie wollen zu gern wissen, wie es weiter geht. Eine Leserin hat ein Zitat aus dem Buch sogar auf dem Grabstein ihres Kindes verewigt.

Die Parallelen dieser Romane sind erstaunlich, nämlich die starken Protagonisten, die den Tod nicht verharmlosen, aber Beispiele für ein Sterben in Würde vermitteln – bedienen Sie da nicht ein Klischee, das den Bedürfnissen der Leser entgegenkommt?

Köpp: Es gibt viele Wirklichkeiten, denn jeder schafft sich seine eigene. So friedlich wie Franny stirbt, möchte es jedem ergehen, auch wenn hier der Papa nicht anwesend ist. Der Tod hat Tausend Gesichter, aber jeder hat doch die Sehnsucht nach einem friedlichen Tod. Nach einem anstrengenden Leben soll wenigstens das Sterben nicht so anstrengend sein.

Wie haben Sie sich in die Lebenswelt einer sterbenden 15-Jährigen hineinversetzt? Kann man das authentisch rüberbringen?

Köpp: Ich habe Franny altklug gemacht, weil ich merkte, nicht ganz so jung schreiben zu können. Außerdem machen todkranke Kinder und Jugendliche ja einen ganz anderen Reifungsprozess durch als ihre gesunden Altersgenossen. Den Buchentwurf hat als erstes die Leiterin der Sternenbrücke gegengelesen und war begeistert. Aber auch bei Lesungen an Schulen, in Buchhandlungen und in Hospizen hat das Buch immer viel bewegt.

Nach Ihrem Roman haben Sie einen Wohnratgeber geschrieben, der im Januar erscheint – wieder ein ganz schöner Sprung. Was kommt als nächstes?

Köpp: Ich trage das Herz auf der Zunge und kann über alles schreiben, über die großen wie die kleinen Themen. Ich bin Wohnkosmetikerin, so fällt mir das Schreiben über Wohnratgeber natürlich leicht. Das Konzept für ein weiteres Buch ist auch schon fertig. Eine Mutter schreibt für ihre gerade geborene Tochter in 30 Kapiteln über alles Wichtige im Leben, damit die Erziehung, falls sie zu früh sterben sollte, weitergeht. Das letzte Kapitel darüber, wie es ist, ein Kind zu sein, kann sie nicht vollenden, weil sie bei einem Autounfall ums Leben kommt. Als die Tochter 15 ist, findet sie das Manuskript und beendet das letzte Kapitel aus ihrer Sicht, obwohl sie irgendwie nun durch den frühen Tod der Mutter kaum noch Kind mehr ist. hey