Büssing will 430 Kilometer ohne Pause radeln

Quelle: Nordwest-Zeitung, 10.04.2013

26-jähriger Wahl-Cloppenburger bricht am 12. Juni zu Benefiz-Tour nach Berlin auf

Der Trip ist für die gute Sache. Es darf für das Kinderhospiz „Löwenherz“ gespendet werden.

von Carsten Mensing

BERLIN/CLOPPENBURG Mit dem Fahrrad sind es von Cloppenburg nach Berlin 430 Kilometer: Nicht eben untrainierte Radler schaffen die Strecke mit Zwischenübernachtungen in vier bis fünf Tagen – so sie sich denn den Strapazen aussetzen wollen.

Und nun kommt der Cloppenburger Stephan Büssing und will den Trip in die Hauptstadt in 24 Stunden zurücklegen: Einen ganzen Tag und eine ganze Nacht lang ohne Pause strampeln – absteigen will Büssing nur, um seine Notdurft zu verrichten.

Am Mittwoch, 12. Juni, 15 Uhr, ist es soweit. Dann gibt Cloppenburgs stellvertretende Bürgermeisterin Ursula Bernhardt den Startschuss vor dem Rathaus in Cloppenburg. Einen Schnitt von 18 km/h muss Büssing schaffen, um in dem von ihm selbst gesetzten Zeitrahmen zu bleiben. Gelegenheitsradler hätten Mühe, dieses Tempo auch nur eine Stunde lang zu gehen.

Langstrecken-Reisen mit dem Rad sind eine Spezialität des 26-Jährigen. So ist er bereits nach Wien und Dresden geradelt – freilich mit Zwischenübernachtungen. Insofern sei der geplante Nonstop-Trip nach Berlin eine Premiere. Und auch im Winter – so Büssing – verroste sein Drahtesel in der Garage nicht. Mehrere 100-Kilometer-Trips pro Monat sind die Regel.

Um sich auf das Berlin-Abenteuer vorzubereiten, will Büssing, der vor zweieinhalb Jahren von Visbek nach Cloppenburg gezogen ist, noch zwei- bis dreimal Etappen von 300 bis 350 Kilometern in einem Stück durchziehen. „Ich werde dann wohl jeweils um Mitternacht starten."

Die Reise nach Berlin soll ohne einen Begleitwagen bewältigt werden. „Damit ich nicht auf die Straßen angewiesen bin, fahre ich mit einem Cross-Bike. So kann es im Einzelfall auch querfeldein gehen, wenn die Strecke schöner ist." Büssing, der bei der Agentur für Arbeit in Vechta beschäftigt ist, will sich unterwegs lediglich einmal mit seinem Vater treffen, der ihm frische Sachen zum Anziehen übergeben soll. Und auch ein Navi soll nach Möglichkeit nicht zum Einsatz kommen. „Schließlich kenne ich zwei Drittel der Strecke schon."

Die Schirmherrschaft hat der Bundestagsabgeordnete Franz-Josef Holzenkamp (CDU) aus Emstek übernommen. Er nimmt den Marathon-Radfahrer auch in Berlin in Empfang. In der Hauptstadt will Büssing dann noch einige Tage Sightseeing mit Freundin Anja dranhängen.

Aber nicht nur für seinen persönlichen Kick macht Büssing den Extrem-Trip in die Hauptstadt, er hat das Unternehmen auch in den Dienst der guten Sache gestellt. So werden Unternehmen aus der Region und aus Berlin für das Kinderhospiz „Löwenherz" in Syke spenden. Wer sich dem anschließen will, kann auf einem eigens bei der Volksbank Visbek eingerichteten Konto unter dem Stichwort „Kinderhospiz Löwenherz" Geld einzahlen.

Den Kontakt zu dem einzigen Kinderhospiz in Bremen und Niedersachsen hat im Übrigen der aus der Region Syke stammende Polizeibeamte Matthias Stoll hergestellt, der bei der Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta beschäftigt und mit Büssing in einer Laufgruppe beim TV Cloppenburg aktiv ist. Mitte März traf sich Büssing mit Vertretern des Hospizes, um alles zu besprechen.

Das Kinderhospiz „Löwenherz", das jährlich bis zu 150 unheilbar erkrankte Kinder und deren Familien für bis zu vier Wochen aufnimmt, feiert am Sonnabend, 21. September, 11 bis 18 Uhr, mit einem Tag der offenen Tür sein zehnjähriges Bestehen. Zugleich wird das neue Jugendhospiz für schwerstkranke junge Erwachsene zwischen 14 bis 24 Jahren eröffnet.