Kaffeerunde mit MP

Ministerpräsident Stephan Weil im Gespräch mit Familie Reusch, deren Tochter Alina (17) unheilbar krank ist. Mit im Bild (v.l.) Karl-Heinz Klare, Barbara Freker, Marion Zwilling und Gaby Letzing. © Foto: Husmann

Quelle: Kreiszeitung, 25.02.2014

Ministerpräsident Weil bei „Löwenherz"

Syke - Von Anke Seidel. Statt Blitzlichtgewitter ein bescheidenes Lächeln – und statt einer glatt geschliffenen Ansprache ein lockeres Gespräch mit betroffenen Eltern: Ministerpräsident MP Stephan Weil besuchte gestern ohne großen Medienrummel das Kinder- und Jugendhospiz „Löwenherz" in Syke.

Nach einem Rundgang durch das Haus ließ er sich in einer lockeren Kaffeerunde über die Arbeit dieser Einrichtung für schwerstkranke und sterbende Kinder informieren. Der MP fuhr nach einer guten Stunde nicht ohne Impulse für die politische Arbeit der Landesregierung zurück nach Hannover. Denn Hospiz-Leiterin Gaby Letzing hatte nicht nur klar gestellt, wie wichtig gut ausgebildete Kinderkrankenpflegekräfte für betroffene Familien sind, wenn sie ihre Kinder Zuhause betreuen. Für „hochproblematisch" hielt sie vor allem das Ausbildungskonzept für Pflegekräfte, das eine zweijährige gemeinsame Grundausbildung für Kranken-, Altenpflege- sowie Kinderkrankenpflegekräfte beinhaltet. Erst im dritten und letzten Jahr erfolge die Spezialisierung. Die Konsequenz: Ins Kinderhospiz „Löwenherz" kommen Pflegeschüler, die noch nie zuvor mit einem Kind gearbeitet haben.

Stephan Weil machte sich eifrig Notizen – und berichtete, dass er selbst als 19-Jähriger in der Kinder- und Jugendpsychiatrie gearbeitet hatte. „Meine Frau ist gelernte Kinderkrankenschwester", fügte er schmunzelnd hinzu – was „Löwenherz"-Geschäftsführerin Barbara Frerker schlagfertig kommentierte. „Dann kann das ja auf dem kurzen Dienstweg geklärt werden", lachte sie.

Dass dringend politischer Handlungsbedarf für Berufsfelder mit völlig veralteten Ausbildungsinhalten besteht, betonte der CDU-Landtagsabgeordnete Karl-Heinz Klare in dem Gespräch: „Für alle Bereiche muss man sich mal Gedanken machen." Stephan Weil wiederum erklärte, dass die Frage der Entlohnung ein entscheidendes Kriterium für die Berufswahl und damit für die Attraktivität der Pflegeberufe ist.

Warum Geld aus Spenden im Kinderhospiz eine ganz besondere Rolle spielt, das hatte der Ministerpräsident zuvor von Gaby Letzing erfahren. Denn die Hälfte der Betriebskosten für das Kinder- und Jugendhospiz muss „Löwenherz" aus Spenden finanzieren. Pressereferent Heiner Brock stellte klar, dass sich etliche Schulklassen sowie Vereine für das Kinderhospiz engagieren – und nicht nur große Firmen. Ungläubiges Staunen beim Ministerpräsidenten, als Brock ihm von den 7 000 Besuchern am Tag der offenen Tür berichtete. Weil: „Das ist ein großes Rad, das Sie da drehen..."