Solidarität Mitschüler bringen den Alltag zu Lars

Ein starkes Team: Seine Familie, Pflegekräfte und Mitschüler kümmern sich liebevoll um den schwerkranken Lars (Mitte, dahinter seine Mutter). Tom (vorn, von links), Lars, Ariane, Joel und Vivian besuchen den Zehnjährigen jede Woche. Bild: Karoline Schulz

Quelle: Nordwest-Zeitung, 11.07.2014

Schierbroker Grundschüler widmen Flohmarkt-Erlös schwerkrankem Zehnjährigen

Die Familie des an einer seltenen Stoffwechselstörung erkrankten Kindes spendet die 800 Euro ans Kinderhospiz Löwenherz in Syke. Von dort erfährt sie große Unterstützung.

von Karoline Schulz

RETHORN Große Überzeugungsarbeit brauchte Tom nicht zu leisten: Als im Schülerrat die Rede auf den schwerkranken Lars kam, war spontan klar, wem der Erlös des jüngsten Kinderflohmarkts der Grundschule Schierbrok zugute kommen sollte. „Die meisten haben sich gleich mit zwei Fingern gemeldet", berichtet Schülersprecher Tom von der Abstimmung. Die übrigen Verwendungsmöglichkeiten für die 800 Euro – etwa Hilfe für Syrien-Flüchtlinge oder die DLRG – schieden im selben Moment aus dem Rennen.

Lars gehört noch immer dazu zur Gemeinschaft der Schierbroker Grundschüler. Obwohl er infolge einer seltenen Stoffwechselerkrankung seit Schuljahresbeginn nicht mehr am Unterricht teilnehmen kann, werde über den Zehnjährigen gesprochen und an seinem Schicksal Anteil genommen, berichtet Schulleiterin Karin Rohde.

Dank ans Kinderhospiz
Zusammen mit fünf Schülerinnen und Schülern, die in einer engen Verbindung zu Lars stehen, besuchte Karin Rohde Lars und seine Familie am Donnerstagmorgen zu Hause, um die Spende zu übergeben. Schon vorher hatte die Familie aus Rethorn entschieden, das Geld ans Kinderhospiz Löwenherz in Syke zu spenden, wo Lars, seine Eltern und seine Geschwister Lisa und Nils regelmäßig und gern zu Gast sind.

„Lars macht dort Urlaub", beschreibt seine Mutter das Unterstützungsangebot, das nicht nur kranken Kindern, sondern auch deren Familien zur Verfügung steht, um Kraft zu tanken und neue Anregungen für den Alltag mit dem schwer erkrankten Kind zu erhalten. Die Pflegekassen decken zwar Aufenthalt und Pflege der kleinen Patienten an bis zu 28 Tagen im Jahr, nicht aber die Kosten für die Unterbringung der Familienmitglieder. Umso mehr freute sich Hannelore Boten, ehrenamtliche Mitarbeiterin des Delmenhorster Fördervereins für das Kinderhospiz Löwenherz, über die Spende der Schierbroker Grundschüler. Mit einer selbst gebastelten Grußkarte und der Löwenherz-CD bedankte sie sich bei Lars' Familie.

Enger Kontakt zur Schule
Und noch ein Geschenk gab es am Donnerstag: Margret Siemers, pädagogische Mitarbeiterin der Grundschule Schierbrok, hatte ein großes Fotoalbum im Gepäck, das sie im vorigen Schuljahr erstellt hat, als Lars noch die dritte Klasse besuchte. Margret Siemers habe in dieser Zeit intensiv an der Betreuung des Jungen mitgewirkt, berichtet Schulleiterin Karin Rohde. „Die Klassenlehrerin ist in dieser Zeit an Belastungsgrenzen geraten", so die Rektorin. Zwar sei dem zu diesem Zeitpunkt bereits schwer erkrankten Lars eine Schulbegleitung bewilligt worden, doch der intensive Beratungsbedarf habe enorme Kapazitäten gefordert. Im Zuge der Inklusion sei eine Entlastung der Klassenlehrer zwingend erforderlich.

Die Schule kann Lars inzwischen nicht mehr besuchen, doch die Verbindung zur Grundschule Schierbrok reißt nicht ab. Dafür sorgen die Viertklässler Vivian, Ariane, Tom, Lars und Joel. Sie nennen sich die „Montagsgruppe" und die „Freitagsgruppe" – Zweierteams, die zweimal in der Woche für Lars musizieren und ihm Geschichten vorlesen. Die Mädchen lesen aus „Ronja Räubertochter", die Jungen aus „Wolfsblut".

„Die Kinder hätten eine Medaille verdient!", sagt Lars' Mutter. Sie sei tief beeindruckt, wie selbstverständlich sie mit Lars und seiner Erkrankung umgehen.