Torhüter in Torlaune

Torsten Frings (Mitte) gegen die Butt-Brüder: Der Kapitän von Werders Geschäftsstellen-Team sichert sich den Kopfball vor Jörg (links) und Henning Butt, die für die SG Döhlen/Großenkneten aufliefen. Am Ende gewannen die Bremer das Benefizspiel mit 6:1. © Ingo Moellers

Quelle: Weser-Kurier, 02.05.2014

Benefizspiel in Großenkneten

Von Christoph Bähr

Großenkneten. Der Glanz von diversen Titeln und Länderspielen zog rund 600 Zuschauer in die Großenkneter Energie-Concept-Arena. Sie sahen, wie das Geschäftsstellen-Team von Werder Bremen die Alten Herren der SG Döhlen/Großenkneten in einem Benefizspiel mit 6:1 bezwang. Heiß begehrt waren danach vor allem die Autogramme von Torsten Frings und Tim Borowski.

Der kleine Junge mit dem Werder-Shirt trippelte unruhig vom einen Bein auf das andere und warf bange Blicke durch die Glastür zum Kabinentrakt. Tim Borowski hatte ihm kurz zuvor sein Trikot versprochen. Er solle nur kurz warten, doch war das womöglich nicht mehr als eine Ausrede? Dann öffnete sich die Tür, und Klaus Filbry trat heraus, in der Hand ein verschwitztes weißes Bündel. „Hier ist zwar nicht das Trikot von Borowski, aber das von Torsten Frings. Das soll ich dir geben", sagte der Geschäftsführer von Werder Bremen. Der Junge nahm das Shirt, blickte ungläubig darauf und startete dann einen Jubellauf über den gesamten Platz der Großenkneter Energie-Concept-Arena. Fußball-Größen zum Anfassen erlebten die rund 600 Zuschauer am Mittwochabend beim Benefizspiel zwischen den Alten Herren der SG Döhlen/Großenkneten und dem Geschäftsstellen-Team von Werder.

Dass die Bremer letztlich klar mit 6:1 (3:1) gewannen, war eher eine Randnotiz. Es ging vielmehr darum, die prominenten Ex-Kicker, die sich eher selten nach Großenkneten verirren, aus nächster Nähe zu sehen und Autogramme sowie gemeinsame Fotos zu ergattern. Zudem wurden Spenden für das Kinderhospiz Löwenherz sowie die Tafeln Wildeshausen und Oldenburg gesammelt. In den Reihen von Werder standen neben Frings und Borowski auch die bundesligaerfahrenen Viktor Skripnik und Christian Vander. Um mithalten zu können, hatte sich Döhlen/Großenkneten mit großen Namen verstärkt: In Jörg Butt, Jens Nowotny und Carsten Ramelow waren drei Ex-Nationalspieler dabei. Auch die ehemaligen Profis Frank und Christian Claaßen wirkten als Gäste mit.

Dass die Großenkneter ihrem Gegner läuferisch und spielerisch klar unterlegen waren, zeigte sich dennoch von Beginn an. „Die Werderaner waren im Durchschnitt eben deutlich jünger als wir", sagte Jörg Butt nach der Partie. Der frühere Ersatztorwart Vander brachte die Bremer per Kopf in Führung. Er lief als Stürmer auf. „Ins Tor gehe ich nicht mehr", betonte der 33-Jährige. „Nach dem Karriereende brauche ich mehr Bewegung, deshalb spiele ich nur noch im Feld."

Per Doppelpack erhöhte Sebastian Hartung auf 3:0 für Werder (15./18.). Bei seinem ersten Tor profitierte der Mann aus der Scouting-Abteilung von einem mustergültigen Borowski-Pass. Ganz ohne Gegenwehr wollten sich die Großenkneter aber nicht besiegen lassen, und so rafften sie sich in der Schlussphase der 35-minütigen ersten Hälfte noch einmal auf. Wie Vander beim Gegner spielte auch der aus Großenkneten stammende Ex-Nationaltorwart Butt im Feld. Mit einem schönen Lupfer verkürzte der 39-Jährige auf 1:3 (23.).

In der Pause einigten sich beide Teams darauf, die zweite Halbzeit von 35 auf 45 Minuten zu verlängern. „Das Spiel hat uns einfach großen Spaß gemacht", erklärte Carsten Ramelow. Allerdings ging den Großenknetern mehr und mehr die Puste aus. Auch die clevere Zweikampfführung von Jens Nowotny, dem früheren Abwehrchef von Bayer Leverkusen, konnte nicht verhindern, dass die Bremer noch drei Tore nachlegten. Das 4:1 erzielte Marc Kosicke (37.), der insbesondere als Berater von Jürgen Klopp bekannt ist. Ende 2012 sollte er Werders neuer Sportdirektor werden, sagte dem Klub jedoch ab. Trotzdem durfte Kosicke im Geschäftsstellen-Team der Grün-Weißen mitmischen. In der bunt zusammengewürfelten Mannschaft kickte neben Werder-Chef Filbry und mehreren Vereinsmitarbeitern auch der Sänger Michael Angelo. Ihm gelang per Abstauber das 5:1 (41.). Den 6:1-Schlusspunkt setzte Jan Thelen aus der Marketing-Abteilung mit einem sehenswerten Kopfballtreffer (60.). „Auch die Amateurfußballer, die Werder dabei hatte, konnten wirklich gut mit dem Ball umgehen. Allerdings hätten wir schon einige Tore mehr machen müssen", bilanzierte Ramelow.

Einfach war es für die Großenkneter jedoch nicht, sich Chancen zu erspielen, denn Werder bot in Viktor Skripnik phasenweise einen klassischen Ausputzer auf. Mit der unerschütterlichen Ruhe aus 138 Bundesliga-Partien und drei Länderspielen für die Ukraine betrachtete der 44-Jährige das Geschehen von der eigenen Hälfte aus und griff nur dann ein, wenn es etwas zu klären gab. Als in den letzten Minuten die Kräfte nachließen, war die Zeit für Späße gekommen: Frings packte den verdutzten Nowotny von hinten mit beiden Händen an den Schultern und hielt kurz darauf Butt auffällig lange am Trikot fest. Es sei schön gewesen, alte Weggefährten wie Frings oder Borowski mal wiederzusehen, unterstrich der Ex-Leverkusener Ramelow. „Wir haben oft gegeneinander gespielt, waren in der Nationalmannschaft aber auch Teamkollegen. Das waren schon schöne Zeiten, an die man gerne zurückdenkt."