Braunschweiger Kinderhospiz „Löwenherz“ bekommt Verstärkung

Torsten Kohn freut sich, dass „Löwenherz“ künftig zu seiner Familie nach Hause kommt, um sie zu entlasten. <br>Foto: Kinderhospiz Löwenherz e. V.

Quelle: Braunschweiger Anzeiger, 12.03.2015

„Löwenherz" bekommt Verstärkung: Die beiden Braunschweiger „Löwenherz"-Koordinatoren des neu eingerichteten Kinderhospiz-Stützpunkts schulen erstmals Ehrenamtliche aus Braunschweig und Umgebung in ambulanter Kinderhospizarbeit. Der Kursus umfasst 120 Stunden und beginnt am 17. März.

„Löwenherz" reagiert damit auf die wachsende Nachfrage von Familien mit unheilbar erkrankten Kindern und Jugendlichen, die sich eine ambulante Unterstützung wünschen. „Der Kinderhospiz-Stützpunkt in Braunschweig beginnt jetzt mit den ersten Begleitungen, darüber hinaus liegen weitere Anfragen betroffener Familien vor", erklärt Fanny Lanfermann, Leiterin der ambulanten Kinderhospizarbeit bei „Löwenherz". Eine der Familien ist die von Torsten Kohn. „Unsere Tochter Julia muss aufgrund ihrer Erkrankung rund um die Uhr versorgt und begleitet werden", erzählt er. Dabei bleibt häufig wenig Zeit für die Zwillingsbrüder sowie für soziale Kontakte. Eine Ehrenamtliche, die regelmäßig einmal in der Woche zur Unterstützung kommt, wäre eine enorme Entlastung, so Torsten Kohn.

In dem Schulungskursus erfahren die 14 Teilnehmerinnen aus Braunschweig und Umgebung beispielsweise, wie Menschen in Krisensituationen reagieren, sie lernen die Auswirkungen unterschiedlicher Krankheitsbilder von Kindern kennen und erhalten wichtige Informationen über den Umgang mit Sterben, Tod und Trauer. Auch Erstgespräche mit den Eltern, rechtliche Grundlagen und die Kommunikation sind Schulungsthemen.

Die Aufgaben der Kinderhospizbegleiterinnen und -begleiter sind vielfältig: Sie betreuen und begleiten die schwerstkranken Kinder zu Hause, spielen mit den Geschwistern und haben ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte. Manche Eltern suchen aber auch einen einfühlsamen Gesprächspartner, der sie auf dem Weg der Krankheit und in der Trauerphase begleitet. Die Familien können pro Jahr höchstens vier Wochen in ein stationäres Kinderhospiz kommen – die „restlichen" 48 Wochen sind sie zuhause auf sich selbst gestellt.

Das Angebot des im Februar eröffneten Kinderhospiz-Stützpunktes Löwenherz in Braunschweig richtet sich an alle betroffenen Familien mit einem unheilbar erkrankten Kind vor Ort und in der Region Niedersachsen Süd-Ost. Damit möchte „Löwenherz" den Familien auch eine intensivere Unterstützung ermöglichen, denn erkrankte Kinder und ihre Familien werden meist über Jahre begleitet und brauchen sehr viel Zeit und Zuwendung. Die beiden Braunschweiger „Löwenherz"-Koordinatoren können schnell auf die speziellen Wünsche der Familien eingehen und ihnen sowie den Ehrenamtlichen umfassende Unterstützung vor Ort anbieten. Darüber hinaus werden bereits seit Jahren in der Region Familien über die Kooperation von „Löwenherz" mit sechs Erwachsenen-Hospizdiensten (aus Celle, Helmstedt, Bad Harzburg, Goslar und den zwei Vereinen in Hildesheim) begleitet.