„Vier minus drei“

Pachl-Eberhart erzählte den Gästen beim Neujahrsempfang von ihrer Lebensgeschichte. © Jantje Ehlers

Quelle: Kreiszeitung, 17.01.2015

Löwenherz-Neujahrsempfang / Barbara Pachl-Eberhart über Trauer und Freude

Syke - Von Detlef Voges. Freude am Leben, aber auch Kratzen am Gefühlshaushalt: Der gestrige Neujahrsempfang des Kinderhospizes Löwenherz hinterließ bei den Gästen sichtbar Spuren, ging es doch um Trauerbewältigung nach dem Tod geliebter Menschen und das kurze Leben eines jungen Menschen.

Für viele Facetten des Lebens steht Barbara Pachl-Eberhart. Die Buchautorin aus Wien macht Mut, vermittelt Stärke und lebt Hoffnung vor. Die 40-Jährige erzählte in Syke aus ihrem Leben und nannte es „Strohhalme auf hoher See".

Die bildhafte Reise eines zweiten Lebens. Denn das erste endete für die Wienerin im März 2008, als sie Mann, Sohn und Tochter bei einem Unfall verliert. Sie berichtet über die vielen kleinen Schritte zurück ins Leben, schreibt darüber ein Buch: . „Sei mutig" lautet ihre Kernbotschaft, mit der sie aus der Trauer zur Lebensbejahung zurückfindet. Die Aufgaben des Alltags holen die junge Frau ein. Die kleinen Schritte sind wie Strohhalme im Meer. Aus ihrer alten „To-do-Liste" wird eine „Juhu-Liste". Die Einstellung zum Verlust verändert sich. Die härteste Aufgabe ihres neuen Lebens sei das Alleinsein in der Freude gewesen, erklärte die Autorin.

Gelernt habe sie seit dem Tod ihres Mannes und ihrer Kinder, nicht nur auf ihre Stärken zu setzen. „Ich bin nicht immer heilig", betonte die Buchautorin. Sie sage heute auch mal „nein".

Ihre Erfahrungen mit ihrem zweiten Leben setzt Barbara Pachl-Eberhart nicht nur als Autorin um. Sie referiert seit 2012 in Bildungshäusern, Hospizvereinen und Unternehmen. Ihre Schwerpunkte sind kreatives Schreiben, Dialogbegleitung und Vitalcourage. Sie hält Vorträge über Trauerbewältigung. In Firmen und Institutionen regt sie zur mutigen Auseinandersetzung mit den Anforderungen des Lebens an.

„Das passt gut in unsere Arbeit, auch wir müssen immer wieder ohne Kinder zurückfinden ins Leben", erklärte Hospizleiterin Gaby Letzing und zeigte am Beispiel des 17-jährigen Nico, wie reich für alle auch ein kurzes Leben sein kann. Nico verstarb am 18. November 2014 an den Folgen eines inoperablen Gehirntumors. Er gehörte zu den 75 Gästen des neuen Löwenherz-Jugendhospizes. Nico lebte nach dem Motto „Die Hoffnung stirbt zuletzt und meine schon mal gar nicht".

„Sie haben dort immer Zeit für mich", hatte der 17-Jährige auf die Frage eines Reporters von Radio Bremen über sein letztes Zuhause bei Löwenherz geantwortet. Bildhafte Bilanz eines kurzen Lebens und eines jungen Mannes, um den sich Menschen kümmerten.