„Wie ein Sechser im Lotto"

Zwei, die viel Spaß miteinander haben: Katja Hollwedel fährt regelmäßig zu Kilian, um mit ihm zu spielen. Foto: Löwenherz

Quelle: Kreiszeitung, 04.03.2015

Katja Hollwedel begleitet Kinder im Hospizdienst Löwenherz / Infoabend

Bremen/Syke – Mittwochs ist Katja Hollwedel ganz für Kilian da. Als ehrenamtliche Begleiterin im ambulanten Kinderhospizdienst Löwenherz Bremen und Umzu besucht sie den Zwölfjährigen, der an einer seltenen Chromosomenanomalie leidet, einmal in der Woche zu Hause, um mit ihm zu spielen. Wenn sie zur Tür hereinkommt, geht ein Strahlen über Kilians Gesicht. „Ich sehe, dass er sich freut", sagt sie, „und dann ist alles gut."

Am Freitag, 13. März, lädt „Löwenherz" alle Interessierten, die sich wie Katja Hollwedel als Kinderhospizbegleiter engagieren wollen, von 17.00 bis 20.30 Uhr zu einem Informationsabend in das Büro in der Elsasser Straße 61-63 in Bremen ein. Die Arbeit der Kinderhospizhelfer ist vielfältig. Sie gehen für einige Stunden in der Woche in die Familien, beschäftigen sich mit dem erkrankten Kind oder mit den Geschwistern und entlasten so die Eltern. Auch für deren Sorgen und Nöte haben sie ein offenes Ohr. „Katja ist für Kilian ein Sechser im Lotto", sagt seine Mutter Natalie. „Sie ist nur für ihn da, und er muss sie mit niemandem teilen." Sie selbst hat in den drei Stunden endlich einmal Zeit für sich und für die ältere Tochter. Denn Kilian, der nicht spricht und sich außerhalb des Hauses nur im Rollstuhl fortbewegt, fordert rund um die Uhr ihre ganze Aufmerksamkeit.

Seit eineinhalb Jahren begleitet Katja Hollwedel die Familie und das neben ihrem Beruf. „Meine Kinder sind inzwischen erwachsen, aber als sie im Kindesalter waren, waren sie sehr krank. Wir haben viel Hilfe bekommen, und ich habe damals gesagt, wenn ich jemals Zeit habe, dann mache ich das wieder gut." Aus der Zeitung erfuhr sie von dem Infoabend für Kinderhospizbegleiter, ging hin und absolvierte danach eine Schulung. Darin geht es beispielsweise um verschiedene Krankheitsbilder oder den Umgang mit Sterben und Tod. „Es ist ein Tabuthema in der Gesellschaft, aber wenn man sich dafür entschieden hat, ist das toll und man wird sehr gut auf die Aufgabe vorbereitet", berichtet die ehrenamtliche „Löwenherz"-Mitarbeiterin.

„Ich habe viel Spaß mit Kilian", erzählt Katja Hollwedel. Sie hören zusammen Musik, fahren Autorennen am PC oder liegen im Sommer draußen im Garten auf einer Decke und pusten Seifenblasen. Dabei verstehen sich die beiden auch ohne Worte. „Seit ich Kilian begleite, stört mich nicht mehr jede Fliege an der Wand. Es sind andere Dinge wichtiger geworden", sagt sie.

Ein neuer Schulungskursus für ambulante Kinderhospizbegleiter beginnt nach den Sommerferien in Bremen. Wer sich für das Ehrenamt interessiert, kann sich bei dem Infotreff am 13. März umfassend informieren. Für eine bessere Planung wird um telefonische Anmeldung unter 0421/8413155 oder per E-Mail unter ambulant@loewenherz.de gebeten.