„Die ambulante Unterstützung ist für uns ein großes Glück“

Die zehnjährige Kathleen und Kinderhospizbegleiterin Roswitha Ristow. Foto: Kinderhospiz Löwenherz e.V.

Quelle: neue braunschweiger, 10.06.2015

Das Kinder- und Jugendhospiz in Syke hat vor 100 Tagen in Braunschweig einen Stützpunkt in Betrieb genommen - und zieht Zwischenbilanz

Braunschweig/Syke (o).. Die zehnjährige Kathleen guckt Roswitha Ristow mit großen Augen an, dann streckt sie ihre Arme aus. Roswitha Ristow hat die Geste verstanden, hebt das Mädchen aus ihrem Buggy und nimmt es auf den Schoß. Kathleen strahlt, dann beginnt sie, zufrieden an den Fransen ihres bunten Schals zu zupfen. „Ich habe großes Glück", sagt Roswitha Ristow, ambulante Kinderhospizbegleiterin des Kinderhospiz-Stützpunkts Löwenherz in Braunschweig, „Kathleen ist ein ganz süßes und liebevolles Mädchen, mit dem ich sehr viel Spaß habe, und auch die Mutter bringt mir ganz viel Vertrauen entgegen."

Vertrauen ist das Wichtigste, doch das muss erst einmal wachsen. Kathleen ist unheilbar krank, sie hat einen Gendefekt und kann nur eingeschränkt sehen, hören und laufen. Für ihre Mutter Vanessa David bedeutet das, dass ihre Gedanken rund um die Uhr bei ihrem Kind sind, immer bereit zu reagieren, wenn das Mädchen krampft, spuckt oder Sauerstoff braucht. „Ich habe wenig Rückzugsmöglichkeiten", erklärt Vanessa David. „Es ist einfach in vielen Situationen sehr belastend." Den Besuch der Kinderhospizbegleiterin – derzeit alle drei Wochen zwei Stunden – empfindet sie deshalb als Highlight.

„Es ist toll, in Ruhe einkaufen gehen zu können oder andere ganz alltägliche Dinge zu tun, wie den Müll zusammenpacken und vor die Tür stellen. Das kann sich sonst mit einem Kind, das nicht gesund ist, schon sehr schwierig gestalten", erzählt Vanessa David offen. Diese Offenheit bringt sie auch der ehrenamtlichen Mitarbeiterin von „Löwenherz", Roswitha Ristow, entgegen. „Wir sparen schon seit einigen Jahren unseren gesamten Jahresurlaub auf, um regelmäßig ins stationäre Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz in Syke zu fahren. Dass wir hier durch den neu eingerichteten Kinderhospiz-Stützpunkt vor Ort ambulante Unterstützung von „Löwenherz" bekommen, ist ein großes Glück", betont Kathleens Mutter.

Der Stützpunkt hat vor 100 Tagen seinen Betrieb in Braunschweig aufgenommen und wird von betroffenen Eltern gut angenommen.

Die 58-jährige Roswitha Ristow hat den Befähigungskursus bei,,Löwenherz" schon vor fünf Jahren gemacht. ,,Ich habe damals überlegt, was kommt, wenn die eigenen Kinder aus dem Haus sind, und ich nicht mehr berufstätig bin", erzählt sie rückblickend. Für sie sei klar gewesen, dass sie sich sozial engagieren möchte. „Die Kinderhospizarbeit bereitet mir ganz viel Freude. Kinder sind vorurteilsfrei und bringen einem Vertrauen und Dankbarkeit entgegen",sagt die Braunschweigerin,und erntet dafür ein Lächeln von Kathleen. Mehr Infos unterkinderhospiz-loewenherz. de


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