Komödie vor "kuhler" Kulisse für den guten Zweck

Vor so viel aufreizender Weiblichkeit kann sich Gustav Bramsen (Wolfgang Warnken) nur schwer zügeln. Die vermeintliche Stefanie (Jörg Rosenboom) hat Mühe, den Vater der Lebensgefährtin abzuschütteln.<br>(Ulrike Schumacher)

Quelle: Weser-Kurier, 16.04.2015

Seeberger Theatergruppe mit neuem Stück

Landleben pur – das gibt es in Seebergen nicht nur vor der Haustür. Für zwei Wochenenden kommen glückliche Kühe auch ins Haus. Im Brüningshof sieht man sie auf einer saftigen Wiese stehen. Die Schwarzbunten sind die ersten, auf die sich die zahlreichen Augenpaare der Menschen richten, die gekommen sind, um gesellige Stunden zu erleben – eine gute Stunde davon gehört wie jedes Jahr dem Theatervergnügen. „Annegret und ihre Komödianten" haben wieder eine neue Komödie einstudiert.

Zu den Aufführungen bieten sie am Nachmittag Butterkuchen und Kaffee an, zu den Abendaufführungen Wurst und Wasser. Auch diesmal sind die Einnahmen aus Theater und Speisen einem guten Zweck gewidmet.

Wolfgang Warnken, der die Theatergruppe leitet und auch auf der Bühne zu sehen ist, erzählt den Gästen vom Kinderhospiz Löwenherz in Syke, das jedes Jahr die Spenden erhält. Jetzt schon zum 13. Mal. Das Kinderhospiz nimmt Kinder mit tödlich verlaufenden Krankheiten auf. Bis zu 150 Familien seien dort jährlich zu Gast, berichtet Wolfgang Warnken und weist auch auf den ambulanten Kinderhospizdienst Löwenherz in Bremen hin, der die Familien schwerstkranker Kinder mit ehrenamtlicher Hilfe von Beginn der Diagnose an unterstützt und entlastet.

Rollen auf den Leib geschrieben

Um die Löwenherz-Arbeit zu unterstützen, sind die Theaterleute ziemlich rege. Schon lange bevor es auf die Bühne geht, setzt Marion Peper sich hin und bringt ein eigenes plattdeutsches Stück zu Papier. Die erfahrene Theaterfrau hat Gespür für Situationskomik und kann den Mitspielern und sich selbst die Rollen quasi auf den Leib schreiben. Auch diesmal ist dabei ein knackiges und kurzweiliges Stück herausgekommen, das die Gäste sichtlich erfreut. Ein bisschen Lokalkolorit inklusive. Es heißt „Löögen hefft korte Been" und wird noch drei Mal aufgeführt.

Ist das Stück geschrieben, gehen die Proben los. Marion Peper und Wolfgang Warnken haben für die löögenhaftigen korten Been die Regie übernommen. Angefangen hätten „Annegret und ihre Komödianten" vor einiger Zeit mal mit ein paar Sketchen für den Heimatverein, erinnert sich der Bühnenleiter. Daraus wurde mehr, und jetzt gehören die Benefiz-Vorstellungen genauso zum Seeberger Kulturleben wie die Darsteller.

Großgemälde mit Kühen

Die agieren diesmal in einem sommerlichen Terrassenidyll mit Blumen. Vor dem Großgemälde mit Kühen laden Gartenbank und Gartenstühle zum Niederlassen und Pläneschmieden ein. Das ist auch nötig, denn Vater Bramsen, Witwer, Weltreisender und unbedingter Verfechter von Trauscheinen, hat seinen Besuch angekündigt. Tochter Elke (Marion Peper) hat zum Thema Eheschließung und Kinderkriegen zwar ihre eigenen Vorstellungen, doch um langen Diskussionen mit Vater Gustav (Wolfgang Warnken) aus dem Weg zu gehen, hat sie ihren Lebensgefährten Stefan (Jörg Rosenboom) kurzerhand zur Mitbewohnerin erklärt. Der bereut schon, dass er seiner Freundin einst versprochen hatte, alles für sie zu tun. Nun muss er in Kleid und Stöckelschuhen die Freundin mimen, was ihm sichtlich Probleme, dem Publikum aber jede Menge Vergnügen bereitet.

Nachbarin Edda (Karin Meier), Jörgs Freund Rolf (Friedhelm Buerhop) und Jörgs Schwester Tina (Marie Lisa Gerken) sind allesamt eingeweiht in die Pläne, Vater Bramsen hinters Licht zu führen. Nur Willi Söten (Andreas Rippert) aus der Autowerkstatt nebenan ist angesichts so überwältigender Weiblichkeit verschreckt und fängt sich erst, als Gustav Bramsens Sekretärin Elisa Schön (Irmi Monsees) vor ihm steht. Doch die wiederum hat ganz andere Pläne. Und auch Vater Bramsen sorgt für Überraschungen. So entspinnt sich ein munteres Treiben, das die Darsteller mit Mimik, Körpereinsatz und Wortwitz meistern. Ab und zu bekommt dabei auch Toseggersche Astrid Gerken etwas zu tun.

Weitere Aufführungen: Freitag, 17. April, ab 19 Uhr sowie Sonnabend und Sonntag, 18. und 19. April, jeweils ab 15 Uhr. Einlass ist immer eine Stunde eher. Karten gibt es zwischen 18 und 19.30 Uhr unter der Telefonnummer 0 42 98 / 41 99 09.