Strohhalme in stürmischer See

Gaby Letzing (links) überreicht Barbara Pachl-Eberhart ein Buch über da Hospiz Löwenherz mit dem Titel „Dem Tag viel Leben geben.“

Quelle: Weser-Kurier, 01.02.2015

Bestsellerautorin Barbara Pachl-Eberhart sprach auf Neujahrsempfang im Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz

Wie kann man nach dem Tod seiner beiden kleinen Kinder und seines Mannes weiterleben, wie mit der Trauer umgehen? Was hilft einem persönlich auf dem Weg zurück ins Leben? Über diese Fragen und ihre Gefühle sprach die Wiener Autorin Barbara Pachl-Eberhart auf dem Neujahrsempfang des Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz. In März 2008 war ihre Familie bei einem Autounfall an einem Bahnübergang ums Leben gekommen. In dem Buch „Vier minus drei" hat die Autorin die Zeit danach und ihren Weg der Trauer beschrieben.

Es waren sehr bewegende Erfahrungen, über die sie unter der Überschrift „Strohhalme in stürmischer See" vor mehr als 80 Gästen im Kinder- und Jugendhospiz sprach. In sehr kleinen Schritten – von inneren zu äußeren, langsam größer werdenden Kreisen – tastete sie sich in ihr neues Leben vor. Eine wichtige Botschaft habe ihr verstorbener Mann ihr in einem Traum mit auf den neuen Lebensweg gegeben. „Sei mutig", forderte er sie auf. Ein Wunsch, der bei ihr auf fruchtbaren Boden fiel.

„Wir müssen nicht so viel Angst haben, das Leben sorgt für uns", erlebte Barbara Pachl-Eberhart auf ihrem Weg. Es waren notwendige kleine Schritte, die sie in den vergangenen Jahren machte. Aus dem „Ich muss" wurde ein „ich darf", aus ihrer „To-do"- eine „Juhu"-Liste. Das Festhalten, das Klammern mache Verluste schwer, beschrieb die Wienerin ihre Erfahrungen. „Es kann uns im Leben alles verloren gehen", meinte sie, „nur eines nicht: Das Vermissen, das Suchen. Wir dürfen vertrauen, uns aber nicht an die Formen halten."

Sie habe nach dem Unfall ihrer Familie wieder viel zurück bekommen, was sie vermisst habe. Barbara Pachl-Eberhart: „Das Leben bringt manchmal etwas, nach dem man nicht mal geschaut hätte."

Sie habe in den vergangenen Jahren gelernt, auf ihre eigene Stärke zu vertrauen und „ja" zu sagen zu allem, was komme. Dabei musste sie sich auch von eigenen Überzeugungen und Anschauungen trennen. „Ich habe alles positiv gesehen und mich damals manchmal sogar ein bisschen erleuchtet gefühlt." Doch in den Jahren habe sie auch gelernt, dass „die Frau, die immer freundlich ist, auch mal unfreundlich sein kann."

Gaby Letzing, Leiterin des Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz, berichtete im Anschluss, dass im vergangenen Jahr insgesamt 184 Gäste im Kinder- und Jugendhospiz begleitet wurden, davon 75 Jugendliche. Einer von ihnen war Nico, der an einem inoperablen Hirntumor erkrankt war. Er war überzeugt, die Krankheit zu besiegen. „Die Hoffnung stirbt zuletzt – und meine schon mal gar nicht", sagte er voller Überzeugung. Nico sei mit seiner Erkrankung sehr offen umgegangen, habe auf Facebook darüber berichtet und viel Post erhalten, Freunde besuchten ihn häufig bei Löwenherz. Gaby Letzing: „Er war voller Tatendrang, sein Tempo machte uns atemlos. Wir konnten verstehen, dass er so ruhelos war. Denn er wusste um die Schwere seiner Krankheit." Das Team des Jugendhospizes begleitete ihn und versuchte, möglichst viele seiner Wünsche zu erfüllen. Vor dem Tod hatte er keine Angst. „Dort habe ich keine Schmerzen und die haben dort immer Zeit für mich", sagte er. Ein Fernsehteam von „buten un binnen" drehte einen bewegenden Film über den Jugendlichen. Im Dezember starb Nico im Jugendhospiz. Gaby Letzing bedankte sich bei den Spendern für die Unterstützung für Löwenherz. „Diese Arbeit ist nur durch Ihre Hilfe möglich. Nur so können wir den erkrankten Kindern, Jugendlichen und ihren Familien die Zeit für die Begleitungen schenken."