Keine Angst vor dem Sterben

Koordinator Thomas Hübner vom Kinderhospiz Löwenherz mit einigen der zwölf ehrenamtlichen Helferinnen. <br>Foto: Florian Kleinschmidt/BestPixels.de

Quelle: Braunschweiger Zeitung, 02.04.2016

Das Kinderhospiz Löwenherz unterstützt Angehörige, wenn ein Kind schwer erkrankt ist.

Es ist das Schlimmste, was einer Familie passieren kann: Ein Kind erkrankt, und es gibt keine Hoffnung auf Heilung. Ein sterbenskrankes Kind stellt das Leben der der ganzen Familie auf den Kopf.

Die Belastung ist enorm – und jede Hilfe ein Segen. Hilfe, wie sie das Kinderhospiz Löwenherz anbietet: Die ehrenamtlichen Frauen des ambulanten Kinderhospizes kommen regelmäßig zu den Familien nach Hause und helfen, wo Hilfe benötigt wird. Sie beschäftigen sich mit dem erkrankten Kind, lesen vor oder spielen mit ihm. Sie halten den Eltern für ein paar Stunden den Rücken frei oder verbringen Zeit mit den Geschwisterkindern – die in einer solchen Notsituation häufig zu kurz kommen. Und manchmal sind die Helferinnen auch einfach nur zum Reden da.

Oft sind es die kleinen Dinge, die enorm entlasten können. Heidi Schwinge (63) erzählt: „Eine Mutter war froh, wenn sie einmal die Woche Zeit hatte, zwei Stunden mit dem Hund durch den Wald zu laufen, egal bei welchem Wetter – es half ihr, den Kopf wieder frei zu bekommen.“ Heidi Schwinge kümmerte sich in dieser Zeit um das Kind, das im Koma lag.

Erst seit einem Jahr gibt es den Löwenherz-Stützpunkt in Braunschweig, der Familien in der Stadt und im Umland betreut. Der Stützpunkt gehört zum Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz in Syke, das vor zehn Jahren gegründet wurde. Dort gibt es auch ein stationäres Angebot, das Familien aus unserer Region in Anspruch nehmen können: Schwerstkranke Kinder können gemeinsam mit ihrer Familie dort vier Wochen im Jahr Urlaub machen. Pflegekräfte versorgen das erkrankte Kind rund um die Uhr, während die Eltern sich eine Auszeit nehmen können. „Die Familien müssen mal aufatmen – und das können sie dort“, sagt Heidi Schwinge.

Zwölf engagierte Helferinnen wurden für den Braunschweiger Stützpunkt über Monate geschult. Aber: Das Angebot von Löwenherz ist hier noch nicht sehr bekannt. Bislang haben erst drei Familien das für sie kostenlose Angebot in Anspruch genommen. „In Bremen ist unser Angebot ähnlich zögerlich angelaufen. Aber jetzt, zehn Jahre später, betreuen wir 40 Familien“, sagt Pressesprecher Heiner Brock.

DER GEMEINSAM-PREIS

Am 9. Mai
ehrt unsere

Zeitung mit dem Braunschweiger Dom zum 13. Mal Menschen für ihr Bürgerengagement. In den nächsten Wochen stellen wir die Kandidaten vor. Heute:

Kinderhospiz Löwenherz: Isabel Groth und Thomas Hübner koordinieren das Team aus zwölf ehrenamtlichen Helferinnen.

Das Ziel: Familien mit einem schwerstkranken Kind zu unterstützen. Die Kinderhospiz-Helferinnen kommen zu den Familien nach Hause.

Die Partner: Freunde und Förderer spenden an den Verein Kinderhospiz Löwenherz, Träger des Stützpunktes Braunschweig.

Kontakt: Kinderhospiz Löwenherz, Adolfstraße 21, 38120 Braunschweig.
(05 31) 70 74 49 77. Mail: ambulant.bs@loewenherz.de


Der Name „Löwenherz“ hat übrigens nichts mit Heinrich dem Löwen zu tun: Er bezieht sich auf die wundervolle Geschichte „Brüder Löwenherz“ von Astrid Lindgren, in der es um den todkranken Jungen Karl geht, der mit Hilfe seines gesunden Bruders Jonathan lernt, den Tod anzunehmen und keine Angst mehr vor dem Sterben zu haben.