Sieben Stunden auf Sonntagstour

Quelle:  Weser-Kurier, 04.04.2016

ADFC-Ortsgruppe Bremen-Nord startet in die neue Fahrradsaison

Großes Hallo bei der Vegesacker Radstation schon vom Fahrradsattel aus: Die Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs aus Bremen-Nord konnten es offenbar gar nicht erwarten, wieder zusammen auf Tour zu gehen. Die 42 Frauen und Männer im vornehmlich besten Alter haben sich am Sonntag zur Saisonauftakttour erst einmal einfache 55 Kilometer bis nach Ganderkesee vorgenommen.

Marion Müller hat um 9.30 Uhr am Treffpunkt ADFC-Radstation noch Wollhandschuhe an: „Es sollen ja 20 Grad werden. Aber so richtig glaube ich das noch nicht.“ Sie könne sich ja aber auch noch wie eine Zwiebel entblättern. Und kommt doch noch der Regenschauer, habe jeder in der Gruppe schließlich Regenjacke- und Hose dabei. Ob sie die Tour kennt? Marion Müller lacht und sagt: „Da sind wir schon hundert Mal gewesen. Da kennen wir jeden Buckel, jeden Pfad und jeden Hügel.“ Trotzdem ist sie immer wieder dabei. In dieser Gruppe fahren sei toll: „Da nörgelt keiner, wenn es mal zu lange dauert.“ Vor fehlender Kondition hat sie selbst keine Angst: „Ich fahre das ganze Jahr.“

Wie Marion Müller ist auch Mathias Bartsch aus Schwachhausen Dauerradler. 3000 Kilometer hat er seit Januar schon zurückgelegt und sich an diesem Morgen bereits den Bürgerpark und den Waller Grüngürtel angesehen. 20 Kilometer hat er schon vor Tourbeginn auf dem Tacho. Wer noch nicht so gut im Tritt ist, dem rät Bartsch, erst einmal mit weniger Kilometern anzufangen und sich dann Stück für Stück zu steigern. Neueinsteigern empfiehlt er, nun nicht ausgerechnet etwa Himmelfahrt mit Alkohol am Lenker das Radfahren für sich zu entdecken: „Und es geht natürlich auch insgesamt darum, die Verkehrsregeln zu beachten, das beginnt bei der roten Ampel und dazu gehört auch, defensiv Rad zu fahren.“

Rainer Schulz <br>(Volker Kölling coast communication)
Mathias Bartsch <br>(Volker Kölling coast communication)
Ulla Schulz <br>(Volker Kölling coast communication)
Jürgen Bösche<br> (Volker Kölling coast communication)
Marion Müller <br>(Volker Kölling coast communication)


Der ADFC-Ortsgruppenleiter Bremen-Nord, Jürgen Bösche, verweist zu Saisonanfang auch noch einmal auf die Straßenverkehrsordnung, die eben auch für verantwortungsbewusste Radfahrer gilt. „Und wer jetzt sein Rad aus dem Winterschlaf holt, muss es natürlich auch technisch auf die Saison vorbereiten: Bremsen nachstellen, Licht prüfen und hier und da mal ölen – all das gehört dazu.“ Besonderes Augenmerk gelte dabei einer gut gefetteten Fahrradkette: „Die sollte man vorher auch sauber machen.“

Jürgen Bösche hat das druckfrische ADFC-Faltblatt „Unterwegs im Norden“ seiner Ortsgruppe mitgebracht. Auffällig: Auf den Tourenfotos tragen fast alle ADFC-Radler Helme und viele gelbe Warnwesten. Der Radclub rät zur Nachahmung. Bösche zeigt in dem Faltblatt auf die Seite mit den regelmäßigen Radtouren und gibt noch einmal die Durchschnittsgeschwindigkeiten an, die in dem Druck fehlen: „Die flotte Feierabendtour immer montags alle 14 Tage ist die schnellste im Angebot. Da fahren wir Geschwindigkeiten von 18 bis 20 Kilometern pro Stunde.“ Rund um Bremen-Nord immer mittwochs alle zwei Wochen ab 18 Uhr habe als Geschwindigkeitsvorgabe 16 bis 18 km/h, die Feierabendtour jeden Dienstag ab 17 Uhr nur 14 bis 16 km/h. Und die Donnerstagstour alle 14 Tage ab 16 Uhr habe man extra „Vegesacker Schneckentour“ getauft, weil dann in der Gruppe nur 12 bis 14 Kilometer pro Stunde gefahren werden.

Ulla Schulz wird von Freundinnen immer wieder neugierig gefragt, wie sie überhaupt mit dem Gruppenfahren zurecht kommt: „Da kommt immer als Einwand, dass doch jeder sein eigenes Tempo hat. Tatsächlich geht das mit dieser Vorgabe durch den Tourenführer wunderbar.“ Und wenn man etwas langsamer fahre, könne man prima mit den anderen in der Gruppe vom Sattel aus schnacken. „Der Spaß dabei ist: Ich erlebe und sehe hier immer wieder Gegenden in und um Bremen-Nord, die ich vorher noch gar nicht kannte. Ich bin wirklich jedes Mal wieder überrascht.“

Für immer wieder neue Fahrradpfade sorgt auch ihr Mann Rainer Schulz. Er gehört zum Team der zwölf Tourenführer im ADFC-Bremen-Nord und ist auch beim Saisonstart Anführer und Wegweiser: Es geht über die Fähre durch Lemwerder am Gestüt Sosath vorbei Richtung Bookholzberg und weiter bis zum Hasbrucher Urwald. Schulz: „Das schwierigste ist immer, für so eine große Gruppe einen Gasthof zu finden. Wir kehren heute in Kühlingen ein und radeln dann so zurück, dass wir gegen 16.30 Uhr wieder in Vegesack sind.“

Fast sieben Stunden Sonntagstour, 55 Kilometer. Kein Problem, kommt es aus der Gruppe. Ein paar mogeln allerdings auch mit ultramodernen Elektrofahrrädern oder superleichten Karbonkonstruktionen. Sogar ein Faltrad geht mit auf die Strecke.

Und die ist ja eben auch nur der Auftakt zur „Tour de ADFC“: Schon am Sonnabend, 14. Mai, geht es ab 10 Uhr zum Hohen Berg in Syke, am 29. Mai ab 10 Uhr zum Handwerksmuseum in Ovelgönne und am 12. Juni zum Schloss Etelsen. Das ist schon eine Tour über 85 Kilometern, die elf Stunden dauern wird. Am 18. Juni fährt der ADFC-Trupp 65 Kilometer bis Varel am Jadebusen in zehn Stunden. 116 Kilometer lang ist die Tour zum Schaufenster Fischereihafen am 26. Juni. Und wer hoch hinaus will, ist neun Touren später am 10. September richtig: Dann stehen 1000 Höhenmeter mit dem Rad auf den Kamm des Wiehengebirges auf dem Tourplan. Die Anreise immerhin erfolgt im Zug.

Dazu kommen Spezialausflüge wie Neubürgertouren, zum Kinderhospiz Löwenherz oder eine Kunst-Route durch Bremen-Nord. Wer mal still sitzen will, kann das zudem beim ADFC-Stammtisch an jedem 1. Donnerstag im Monat um 19 Uhr im Vegesacker Bürgerhaus.

Das gesamte Programm der Bremen-Norder ADFC-Radler findet sich im Internet unter www.adfc-bremen.de.