Landesbischof Meister besucht Löwenherz

Die Besucher betrachten die bunten Papp-Schmetterlinge, die im Eingangsbereich des Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz von der Decke baumeln. Jeder zeigt das Foto und Geburtsdatum eines Kindes oder Jugendlichen.

Quelle: Weser Kurier, 08.05.2016

Würdigung für besonderen Umgang mit Sterben, Abschied und Tod / Seelsorgerin ist elementarer Teil des Teams

Syke. Landesbischof Ralf Meister, Leitender Geistlicher der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, hat das Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz besichtigt. Begleitet wurde er dabei vom Superintendenten des Kirchenkreises Syke-Hoya, Jörn-Michael Schröder. Meister zeigte sich von der seelsorgerlichen Arbeit dort tief beeindruckt und würdigte den besonderen Umgang mit den Themen Sterben, Abschied und Tod. Die seelsorgerliche und spirituelle Begleitung gehöre beim Besuch von Löwenherz für die Familien von Anfang an dazu, berichtete Löwenherz-Leiterin Gaby Letzing. „Sie beginnt also nicht erst bei einer Krise der Kinder oder beim Sterben, sie ist jeden Tag für die Gäste da. Die Seelsorgerin ist bei uns ein elementarer Teil des Teams.“

Seelsorgerin Thekla Röhrs berichtete, dass sich die Arbeit bei Löwenherz deutlich von der Arbeit in einer Gemeinde unterscheide. „Hier braucht es keinen langen Anlauf, um über Sterben, Abschied und Tod ins Gespräch zu kommen. Diese Themen schwingen hier immer mit. Wir haben hier die Haltung: Jeder hat ein Recht über den Tod zu sprechen – aber auch zu schweigen.“ Meister würdigte, dass es bei Löwenherz eine „besondere Form des Lebens im Angesicht des Todes“ gebe. Und „das fügt sich ein in die Frage einer tief empfundenen Ungerechtigkeit darüber, warum Kinder sterben.“

Diese Dramatik sei auch ein Grund dafür, warum sie Löwenherz nach sechs Jahren verlasse, berichtete Thekla Röhrs. „Die ersten Jahre dachte ich, es wäre das Paradies, weil der Kontakt mit den Familien und dem Team so herzlich und gut war. Denn es ist ein ganz besonderer Geist hier. Das betrifft auch die vielen Freunde und Unterstützer, die hierher kommen, um sich das Haus anzuschauen. Das ist anders als in der Gemeinde, wo ich das so nicht erlebt habe. Doch jetzt habe ich das Gefühl, dass mein Herz voll ist. Und ich muss aufpassen, dass es nicht überläuft.“

Für Landesbischof Meister hat die seelsorgerliche Begleitung bei Löwenherz Ähnlichkeiten mit der Familienseelsorge in der Gemeinde. „Sie ist anders als im klassischen Seelsorge-Umfeld wie beispielswiese in einer Klinik. Denn sonst wird Seelsorge ja meistens an das Abschiedliche geheftet.“ Er stellte fest, dass es bei Löwenherz neue Symbole und eine besondere Ansprache der Familie gebe, die auch für die Kirche interessant seien. Das bestätigte Thekla Röhrs aus eigener Erfahrung: „Meine eigene Sprache hat sich hier schnell verändert, meine alten Predigten habe ich alle weggeworfen.“

Gaby Letzing erläuterte, dass Löwenherz mit der Idee gestartet sei, einen Ort zu schaffen, an dem man mit Leben, Tod und Sterben anders umgehe als es bisher üblich gewesen sei. Das spiegele sich auch im Leitspruch von Löwenherz wider: „Wir sind da und tragen mit – im Leben und im Sterben.“ Letzing: „Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, andere Antworten zum Thema Tod und Sterben zu finden.“