Verwandlung in einen Festsaal

Im Bastelkeller verpasst Angelika Osmers ihren Werken noch den letzten Schliff für die Kunstausstellung am Wochenende.
(Björn Hake)

Quelle: Weser Kurier, 17.11.2016

Von Tobias Denne

Kunstausstellung „Unsere Steckenpferde“ zeigt Handarbeiten im Kasch / Manche Anbieter zum ersten Mal dabei

Achim. Vor über 30 Jahren hat es ganz klein angefangen. „Wir waren fünf Frauen, die zuhause gewerkelt haben“, berichtet Angelika Osmers aus Achim. Jetzt gibt es insgesamt 32 Aussteller bei der Kunstausstellung „Unsere Steckenpferde“. Am Sonnabend, 19. November, von 14 bis 17.30 Uhr und am Sonntag, 20. November, von 10 bis 17.30 Uhr finden Besucher im Kasch allerlei Selbstgemachtes für die Weihnachtstage.

Zwar ist die Ausstellung frei begehbar und kostet keinen Eintritt, aber im Eingangsbereich wird ein großes Glas für Spenden stehen. Das Geld wird laut Osmers an das Kinder- und Jugendhospiz „Löwenherz“ in Syke gespendet.

Auch wenn sich die Weihnachtsstimmung bei der Organisatorin noch nicht breit gemacht hat, empfiehlt sie Besuchern, die Ausstellung zu besuchen – dann würde man direkt in Dekoraktionslaune kommen. „Es soll auch ein wenig dazu anregen, auf den Dachboden oder in den Keller zu gehen und seinen Weihnachtsschmuck herauszuholen“, findet sie.

Den Stein des Anstoßes für die Ausstellung gaben allerdings nicht die Frauen selbst, sondern die Ehemänner des Quintetts: „Wir wussten nicht, wohin mit den Sachen“, erzählt Osmers. So zogen die Frauen in das Clüverhaus und stellten ihre ersten Werke aus. Anfangs seien sie noch mit einer Drehorgel durch Achim gezogen, um Werbung für ihre Steckenpferde zu machen. Angelika Osmers erinnert sich noch genau: „Bevor wir die Türen um elf Uhr geöffnet hatten, standen Menschenmassen davor.“ Sie sei vom Interesse der Besucher überwältigt gewesen.

Und weil die Kunstausstellung immer erfolgreicher wurde, mussten sie umziehen. Das Steckenpferd-Gründungsmitglied weiß aber nicht mehr genau, wie lange das nun her ist: „Wir sind bestimmt 20 bis 25 Jahre schon im Kasch.“

Mittlerweile ist sie als einzige Initiatorin übrig geblieben, durch Umzug oder verlorenes Interesse ist die Gruppe auseinandergegangen. Und doch war im vergangenen Jahr eine andere Gründerin zu Gast. Sie war aus München zu Besuch und hatte mitbekommen, dass die Ausstellung stattfand – was sie spontan für einen Besuch nutzte.

Das Besondere an den Steckenpferden ist nicht nur die lange Tradition und die hohe Zahl an Stammanbietern – eine Frau ist fast seit der ersten Stunde dabei –, sondern auch, dass jeder Aussteller nur eine Art von Arbeiten haben soll, die er den Besuchern zeigt. „Das klappt wunderbar“, bemerkt die Achimerin.

Die Organisatorin ist aber immer auf der Suche nach neuen Ausstellungsstücken, die bei den Steckenpferden präsentiert werden können. Dafür fährt sie gern zu anderen Kunstausstellungen und schaut, was es noch alles an verschiedenen Handwerksarbeiten geben kann. Die Aussteller würden sich von sich aus bei ihr melden, berichtet Osmers.

So bastelt eine Frau aus Weyhe beispielsweise Schmuck oder Dekoration aus Kapseln für die Kaffeemaschine, oder eine andere Ausstellerin bemalt Teller mit weihnachtlichen Motiven. Angelika Osmers spricht davon, dass jeder seinen eigenen Stil mit in die Kunstausstellung bringe, „jeder hat was auf dem Kasten.“

Sie selbst stellt auch aus und freut sich daher auch über die Unterstützung von Menschen, die keinen eigenen Stand haben. Sie schätze sehr die tatkräftige Hilfe derer, die im Hintergrund arbeiten. „Diese Menschen werden oft vergessen, sind aber so wichtig“, betont die Achimerin, denn ohne diesen großen Kreis sei eine derartige Ausstellung nicht möglich.

Diese Hilfe mache sich auch beim Auf- und Abbau bemerkbar. Da das Kasch eine hohe Termindichte besitze, könnten die Aussteller meist erst am Morgen des eigentlichen Eröffnungstages ihre Stände aufbauen. Osmers ist fasziniert wie schnell der „kahle Saal zu einem Festsaal“ werden kann. Innerhalb von anderthalb Stunden sind sämtliche Tische aufgebaut und die Arbeiten stehen für die Besucher bereit. Nachdem sich alle Besucher verabschiedet haben, beginnt der Abbau. Dann wird in genau der selben Zeit aus dem Festsaal wieder ein einfacher Saal.

„Wir wussten nicht, wohin mit den Sachen.“ Angelika Osmers