Wechsel in der Seelsorge bei Löwenherz

Die künftige Löwenherz-Seelsorgerin Anke Orths (links) und Thekla Röhrs am Erinnerungsplatz für die Jugendlichen. Foto: Kinderhospiz Löwenherz, Heiner Brock

Pressemitteilung - Syke, 07.06.2016

Thekla Röhrs verlässt nach sechs Jahren das Kinder- und Jugendhospiz - Nachfolgerin ist Pastorin Anke Orths 

Syke - Nach sechs Jahren ist Zeit für einen Wechsel: Seelsorgerin Thekla Röhrs verlässt Ende Juni das Kinder- und Jugendhospiz. Ihre Nachfolgerin ist Pastorin Anke Orths aus Idensen bei Hannover. Die Stelle ist auf fünf bis sechs Jahre befristet, weil die Arbeit der Seelsorgerin besonders intensiv ist. Denn bei Gesprächen mit den Familien, Krisen und beim Abschied der verstorbenen Kinder ist sie eine wichtige Ansprechpartnerin und Unterstützung.

„Ich finde es sehr schade, dass Thekla Röhrs geht“, sagte Gaby Letzing bei der Verabschiedung der bisherigen Seelsorgerin und Vorstellung ihrer Nachfolgerin vor der Presse. „Für das große Engagement und die Arbeit danke ich ihr sehr. Zugleich gehört Veränderung auch zu unserer Arbeit. Und die Seelsorgerin ist sehr dicht dran an den Seelenthemen“. Das kostet viel Kraft.

Das bestätigte Thekla Röhrs aus ihren Erfahrungen. In den vergangenen sechs Jahren seien bei Löwenherz 90 Kinder und Jugendliche gestorben, für 70 von ihnen habe sie Abschiedsrituale geleitet. „Ich will mich nicht daran gewöhnen, dass Kinder oder Jugendliche sterben müssen“, sagte die Seelsorgerin. „Diese Arbeit ist schon sehr dicht.“ Und sehr wichtig, betonte Gaby Letzing. Daher finanziert der Trägerverein von Löwenherz drei Viertel der Kosten für diese Stelle, ein Viertel trägt die Landeskirche. 

Die Verwendung von Symbolen und Rituale seien im Kinderhospiz sehr wichtig, erläuterte Gaby Letzing. „Beim Abschiedsritual lassen die Eltern Schmetterlinge, die sie mit ihren Kindern gebastelt haben, in den Himmel aufsteigen. Sie sind das Symbol für die Seele. Bei den Jugendlichen sind es Segel. Zugleich legen sie einen Stein mit dem Namen des Kindes in den Erinnerungsgarten.“

In den sechs Jahren bei Löwenherz sei sie freier und kreativer geworden, was die Musik und Gestaltung der Rituale betreffe, berichtete die Seelsorgerin. Auch ihre Sprache habe sich verändert: „Mehr verbunden, was auf der Erde geschieht - und gleichzeitig zum Himmel ausgerichtet. Und mehr vom Herzen her und weniger vom Kopf.“     

Nach ihrem Abschied im Kinder-  und Jugendhospiz legt Thekla Röhrs zunächst ein Studiensemester ein, um sich der Frage zu widmen: „Was ist die Aufgabe von Seelsorge und was bedeutet Spiritualität in der deutschen Kinderhospizbewegung“?  

Nachfolgerin Anke Orths war in den vergangenen Jahren Pastorin in Idensen im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf (Hannover). Viele Jahre hat sie Menschen in Krisen beraten. „Die Situation, die Menschen hierher bringt, ist potenzierter und krasser. Es ist eine echte Herausforderung für Eltern, Geschwister - und für mich genauso. Es ist nicht alltäglich, nicht das, was wir vom Leben erwarten.“ Wichtig sei es, auch Raum für die Klage und Aggression zu Gott zuzulassen, wenn ein Kind gestorben sei. „Es geht darum, auch dann nicht auszuweichen, die Familien zu unterstützen und ihnen hier dafür einen Raum zu geben, in dem sie nicht stark sein müssen. Dafür stehe ich.“  

Superintendent Dr. Jörn-Michael Schröder verabschiedet Thekla Röhrs am kommenden Sonntag, den 12. Juni, 11.00 Uhr in der Christuskirche in Syke (Nienburger Straße) und führt zugleich Anke Orths als neue Löwenherz-Seelsorgerin in ihr Amt ein. Sie hält auch die Predigt.

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