Viel Zeit für Pflege und Elterngespräche

Hilde Timmermann wäscht Nick

Pressemitteilung - Syke, 10.05.2016

Kinderkrankenschwester Hilde Timmermann arbeitet im Kinderhospiz Löwenherz

Syke - Es ist für die meisten Kinderkrankenschwestern -und pfleger eine Berufung und ein Herzenswunsch: Denn ohne die Liebe zur Pflege geht es nicht, die Arbeitsbedingungen sind oft schwierig. Der internationale „Tag der Pflege“ am 12. Mai macht Jahr für Jahr auf die Bedeutung der Pflegekräfte aufmerksam. Ganz besonders zeigt sich die im Kinderhospiz. Denn dort sind die Kinderkrankenschwestern und die Pfleger die wichtigsten Ansprechpartner für die Kinder und zugleich enge Bezugspersonen. Ein emotionales Umfeld und ein spannender Arbeitsplatz: Hilde Timmermann ist 53 Jahre alt und seit den Anfängen des Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz dabei.

Nick ist entspannt. Seine Arme und Beine liegen locker auf der Duschliege, das Gesicht zufrieden. Für solche Momente liebt Hilde Timmermann ihren Job. Denn der Neunjährige ist oft verkrampft, kann sich selbst kaum bewegen. Gerade war er mit seiner Begleiterin im Bewegungsbad schwimmen. Jetzt duscht und massiert ihn Hilde Timmermann ausgiebig. „Das macht einfach Spaß, wenn ich sehe, wie ruhig er jetzt hier liegt und das einfach nur genießt“, sagt die 53-jährige Kinderkrankenschwester. Sie mag es, sich ganz auf die Kinder und Jugendlichen einzustellen. Denn bei Löwenherz haben die Pflegekräfte noch das, was in Kliniken häufig fehlt: Zeit. „Hier gibt es noch eine Eins-zu-Eins oder Eins-zu-Zwei-Betreuung“, erklärt sie. Das heißt: Jede Schwester hat nur ein oder zwei Kinder pro Schicht zu versorgen. Dadurch lernt sie jedes Kind sehr gut kennen, kann sich auf die Besonderheiten einstellen. Auch für Gespräche mit den Eltern ist genügend Raum.

Ein anderer Beruf kam für Hilde Timmermann nie in Frage. „Und auch nach zwölf Jahren bei Löwenherz habe ich es nie bereut.“ Denn anders als viele glauben, geht es im Kinder- und Jugendhospiz nicht in erster Linie ums Sterben. Für die meisten Kinder und ihre Familien ist der Aufenthalt ein Urlaub vom anstrengenden Alltag. Im Löwenherz können sie zur Ruhe kommen und Sachen machen, die zu Hause gar nicht oder nur sehr schwierig zu organisieren sind. Ausflüge zum Beispiel oder Schwimmen. Nick liebt das Wasser, hier kann er loslassen, seinen Körper treiben lassen. „Wir versuchen alles möglich zu machen. Ich finde es toll, den Kindern damit ein Stück Lebensqualität zu geben“, sagt Hilde Timmermann. Für Nick heißt das: Täglich ins Bewegungsbad. Von den Einheiten zehrt der Neunjährige den ganzen Tag.

Der Tod gehört im Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz zwar dazu, doch Sterbebegleitungen sind eher die Ausnahme und nicht die Regel. „Hier wird viel gelacht, aber auch geweint“, sagt die Krankenschwester. Die Pflegekräfte lernen mit dieser besonderen Situation umzugehen. Neue Kollegen werden in einer mehrwöchigen Einarbeitungszeit ganz in Ruhe auf ihre Aufgaben vorbereitet. Denn: „Die Krankheitsbilder sind oft kompliziert, die wenigsten Kinder können klar kommunizieren“, sagt Hilde Timmermann. Für sie war das nie ein Problem. Im Gegenteil. „Ich habe viel von den Kindern gelernt. Meine Wahrnehmung zum Beispiel ist viel feiner geworden.“ Außerdem habe sie viele Möglichkeiten zur Fortbildung genutzt.

Nachdem Nick angezogen ist, geht die Kinderkrankenschwester in den Aufenthaltsraum, Große Oase genannt. Hier treffen Eltern, Kinder und Pflegekräfte zusammen und verbringen große Teile des Tages gemeinsam. Auf einem Sessel am Fenster wartet schon eine Kollegin mit der kleinen Mia auf Hilde Timmermann. Mittagessen. Während am Tisch die Kollegen und die größeren Kinder essen, setzt sich Hilde Timmermann das Mädchen auf den Schoß und füttert es in aller Seelenruhe. Im Löwenherz regiert die Langsamkeit. „Schnell, schnell, das will und kann ich nicht. Wenn ich hier angespannt säße, würde sie keinen Löffel essen.“ Doch Mia guckt zufrieden in die Gegend und ist sichtlich gelöst. So genießt nicht nur das kleine Mädchen die Mittagsstunde, auch Hilde Timmermann. Denn Kinderkrankenschwester ist nach all den Jahren immer noch ihr Traumberuf.

Hintergrund:

Am 12. Mai wird weltweit der „Tag der Pflege“ begangen. Er soll auf die Bedeutung der Pflegekräfte für eine Gesellschaft aufmerksam machen. Der Tag wird am Geburtstag von Florence Nightingale gefeiert, einer britischen Krankenschwester im 19. Jahrhundert. Sie gilt als Begründerin der modernen westlichen Krankenpflege und etablierte den Beruf der Krankenschwester.

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