Persönliche Grenz-Erfahrungen

Gaby Letzing, Leiterin des Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz, freute sich, Gastredner Samuel Koch beim Neujahrsempfang zu begrüßen. Foto: Kinderhospiz Löwenherz / Heiner Brock

Pressemitteilung - Syke, 16.01.2016

Samuel Koch berichtete beim Neujahrsempfang im Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz in Syke von seinen Kraftquellen

Syke – „Ich würde wohl einfach rausgehen und loslaufen, um des Loslaufens willen“:  Es ist mucksmäuschenstill im Aufenthaltsraum „Down under“ des Jugendhospiz Löwenherz, als Samuel Koch von seinen inneren Bildern erzählt, die ihm Glück und Hoffnung geben, von Familie und Freunden, die ihn auffangen, von Helfern, „die mir den ganzen Tag Füße und Hände ersetzen“. Ihm sei heute klar, „wie wenig ich begreifen und kontrollieren kann“, sagt er mit seiner warmen, ruhigen Stimme – und wirkt dabei nicht wie einer, der aufgegeben hat. Im Gegenteil.

Beim Neujahrsempfang des Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz in Syke berichtete Samuel Koch am Freitag von seinen persönlichen Grenz-Erfahrungen. Mehr als 140 Freunde und Unterstützer hatten sich versammelt, um den prominenten 28-jährigen, querschnittsgelähmten Gastredner zu erleben. So viele Besucher wie nie zuvor lauschten im „Down under“ im Jugendhospiz seinem bewegenden Vortrag.

Im Gespräch mit dem Publikum berichtete Koch von der Zeit nach seinem Unfall, dem Orientierungsverlust, den er erlebte. Er erzählte von seiner Motivation, sein Schauspielstudium fortzusetzen, seinem Engagement für die Rückenmarksforschung. Koch redete von inneren und äußeren Grenzen – und immer sind es Menschen und Beziehungen, die im Kraft geben. „Aus diesem Grund finde ich die Arbeit hier so wichtig, damit man die Familien stärkt“, sagte er an die Löwenherz- Freunde gewandt.

Koch war durch einen tragischen Unfall in der ZDF-Sendung „Wetten, dass“ bekannt geworden. Mit Sprungstiefeln an den Füßen wollte er im Dezember 2010 als Wettkandidat mit einem Vorwärtssalto nacheinander über fünf entgegenkommende Autos springen. Dabei stürzte er schwer und ist seitdem vom Hals abwärts querschnittgelähmt. Nach seiner  Entlassung aus der Klinik studierte Samuel Koch in Hamburg und Hannover Schauspiel und ist seit Juni 2014 festes Ensemblemitglied des Staatstheaters Darmstadt. Im November 2012 erhielt er für sein autobiografisches Buch „Zwei Leben“ den Medienpreis Goldener Kompass.

Der Aufsichtsratsvorsitzende des Kinder- und Jugendhospizes, Dr. Johannes Schnepel-Boomgaarden, beschrieb im Anschluss Löwenherz als Ort „nicht außerhalb des Lebens, sondern mittendrin im Leben“. Es sei ein „Spiegelbild des Lebens in seiner zugespitzten Form“, wo die Grundbedürfnisse der Gäste nach Nähe und Autonomie in jedem Moment neu erspürt und ermöglicht werden müssen. „Bleiben Sie uns nah“, appellierte er an die Freunde und Unterstützer.

Deutlich wurde auch: Selbst wenn das Leben sehr begrenzt ist, sind Träume wichtig und erlaubt. Die Leiterin des Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz, Gaby Letzing, stellte in ihrer Ansprache im „Down under“ die „Wovon-träumst-Du-Woche“ vor, die jetzt schon mehrmals im Jugendhospiz angeboten wurde. Die Teilnehmer gingen zum Angeln oder tauchten mit ihren Begleitern in die Bremer Kneipenszene ein, schlüpften in neue Rollen, gaben ihrer „Lebenswut“ Ausdruck. Persönliche Lichtmomente finden – darum geht es bei diesem besonderen Löwenherz-Angebot.

Im Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz können jährlich etwa 250 Familien mit unheilbar erkrankten Kindern und Jugendlichen für bis zu vier Wochen im Jahr zu Gast sein. Beide Häuser haben jeweils acht Pflegezimmer sowie Zimmer für Eltern und Geschwister. Die schwerstkranken Gäste werden von professionellen Pflegekräften rund um die Uhr liebevoll versorgt, während sich ihre Familien erholen können. Das Kinder- und Jugendhospiz ist das erste in Niedersachsen und Bremen und wird rund zur Hälfte durch Spenden finanziert. Daneben bietet Löwenherz in seinen ambulanten Kinderhospizdiensten in Bremen und dem "Kinderhospiz-Stützpunkt Niedersachsen Süd-Ost" in Braunschweig Familien mit erkrankten Kindern Begleitung und Unterstützung an. Der Stützpunkt kooperiert zugleich mit Vereinen aus der Region und vermittelt bei Anfragen Familien mit unheilbar erkankten Kindern an den nächst gelegenen Dienst. In Niedersachsen arbeitet Löwenherz mit insgesamt 23 Hospizvereinen zusammen.

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