Landesbischof Meister besuchte Löwenherz

Gaby Letzing, Leiterin des Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz (2. von rechts) erläutert Superintendent Dr. Jörn-Michael Schröder und Landesbischof Ralf Meister in Anwesenheit von Löwenherz-Seelsorgerin Thekla Röhrs und Dorothea Bobzin (Vereinsrat) die Bedeutung der Schmetterlinge im Flur des Kinderhospizes (auf dem Foto von rechts nach links).

Pressemitteilung - Syke, 28.04.2016

Würdigung für besonderen Umgang mit Sterben, Abschied und Tod

Syke - Landesbischof Ralf Meister, Leitender Geistlicher der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, hat das Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz in Syke (Kreis Diepholz) besichtigt. Begleitet wurde er dabei vom Superintendenten des Kirchenkreises Syke-Hoya, Dr. Jörn-Michael Schröder. Meister zeigte sich von der seelsorgerlichen Arbeit bei Löwenherz tief beeindruckt und würdigte den besonderen Umgang mit den Themen Sterben, Abschied und Tod.

Die seelsorgerliche und spirituelle Begleitung gehöre beim Besuch des Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz für die Familien von Anfang an dazu, berichtete Gaby Letzing, Leiterin des Kinder- und Jugendhospizes den Besuchern. „Sie beginnt also nicht erst bei einer Krise der Kinder oder beim Sterben, sie ist jeden Tag für die Gäste da. Die Seelsorgerin ist bei uns ein elementarer Teil des Teams.“

Seelsorgerin Thekla Röhrs berichtete, dass sich die Arbeit bei Löwenherz deutlich von der Arbeit in einer Gemeinde unterscheide. „Hier braucht es keinen langen Anlauf, um über Sterben, Abschied und Tod ins Gespräch zu kommen. Diese Themen schwingen hier immer mit. Wir haben hier die Haltung: Jeder hat ein Recht über den Tod zu sprechen – aber auch zu schweigen. Niemand ist verpflichtet, sich mit diesem Thema zu beschäftigen.“ Landesbischof Meister würdigte, dass es bei Löwenherz eine „besondere Form des Lebens im Angesicht des Todes“ gebe.“ Und „das fügt sich ein in die Frage einer tief empfundenen Ungerechtigkeit darüber, warum Kinder sterben.“

Diese Dramatik sei auch ein Grund dafür, warum sie Löwenherz nach sechs Jahren in diesem Sommer verlasse, berichtete Thekla Röhrs. „Die ersten Jahre dachte ich, es wäre das Paradies, weil der Kontakt mit den Familien und dem Team so herzlich und gut war. Denn es ist ein ganz besonderer Geist hier. Das betrifft auch die vielen Freunde und Unterstützer, die hierher kommen, um sich das Haus anzuschauen. Das ist anders als in der Gemeinde, wo ich das so nicht erlebt habe. Doch jetzt habe ich das Gefühl, dass mein Herz voll ist. Und ich muss aufpassen, dass es nicht überläuft.“   

Superintendent Schröder betonte, dass die Identifizierung mit den Familien und dem Umfeld bei Löwenherz größer sei als in anderen Bereichen. „Das ist einerseits etwas Tolles, aber es gibt auch eine Grenze.“

Für Landesbischof Meister hat die seelsorgerliche Begleitung bei Löwenherz Ähnlichkeiten mit der Familienseelsorge in der Gemeinde. „Sie ist anders als im klassischen Seelsorge-Umfeld wie beispielswiese in einer Klinik. Denn sonst wird Seelsorge ja meistens an das Abschiedliche geheftet.“ Er stellte fest, dass es bei Löwenherz neue Symbole und eine besondere Ansprache der Familie gebe, die auch für die Kirche interessant seien. Das bestätigte Thekla Röhrs aus eigener Erfahrung: „Meine eigene Sprache hat sich hier schnell verändert, meine alten Predigten habe ich alle weggeworfen.“    

Gaby Letzing erläuterte, dass Löwenherz mit der Idee gestartet sei, einen Ort zu schaffen, an dem man mit Leben, Tod und Sterben anders umgehe als es bisher üblich gewesen sei. Das spiegele sich auch im Leitspruch von Löwenherz wider: „Wir sind da und tragen mit – im Leben und im Sterben.“ Letzing: „Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, andere Antworten zum Thema Tod und Sterben zu finden.“

Ralf Meister wurde im Herbst 2010 als Nachfolger Margot Käßmanns im Amt des Landesbischofs der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers benannt. Er erhielt im zweiten Wahlgang die erforderliche Zweidrittelmehrheit.  Am 26. März 2011 wurde er in der Marktkirche in Hannover in das Amt des Landesbischofs der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers (EKD) eingeführt. Er ist damit Leitender Geistlicher der größten Landeskirche der EKD.

Im Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz können jährlich etwa 250 Familien mit unheilbar erkrankten Kindern und Jugendlichen für bis zu vier Wochen im Jahr zu Gast sein. Beide Häuser haben jeweils acht Pflegezimmer sowie Zimmer für Eltern und Geschwister. Die schwerstkranken Gäste werden von professionellen Pflegekräften rund um die Uhr liebevoll versorgt, während sich ihre Familien erholen können. Das Kinder- und Jugendhospiz ist das erste in Niedersachsen und Bremen und wird rund zur Hälfte durch Spenden finanziert. Daneben bietet Löwenherz in seinen ambulanten Kinderhospizdiensten in Bremen und dem "Kinderhospiz-Stützpunkt in Braunschweig Familien mit erkrankten Kindern Begleitung und Unterstützung an. Der Stützpunkt kooperiert zugleich mit Vereinen aus der Region und vermittelt bei Anfragen Familien mit unheilbar erkankten Kindern an den nächst gelegenen Dienst. In Niedersachsen arbeitet Löwenherz mit insgesamt 23 Hospizvereinen zusammen.

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