Löwenherz-Kinderhospizbegleiterin unterstützt Flüchtlingsfamilie

Einmal pro Woche unterstützt die ehrenamtliche Löwenherz-Kinderhospizbegleiterin in Dorit Reißner Wolfenbüttel die libanesische Flüchtlings-familie. Sie spielt und bastelt mit Jana, Jamil und Julia (von links nach rechts). Fotos: Kinderhospiz Löwenherz

Quelle: regionalheute.de, 01.12.2017

Wolfenbüttel/Braunschweig. Unheilbar erkrankte Kinder und ihre Familien auf ihrem Lebensweg begleiten: Das ist die Aufgabe des ambulanten Kinderhospizdienst-Stützpunktes Löwenherz in Braunschweig. Damit das gelingt, sind in der Region 19 Ehrenamtliche im Einsatz. Eine der Ehrenamtlichen ist Dorit Reißner:

Die Rentnerin besucht einmal pro Woche in Wolfenbüttel eine Flüchtlingsfamilie aus dem Libanon. Vor drei Jahren verließ die fünfköpfige Familie das Krisenland und suchte Schutz und Sicherheit in Deutschland. „Vor allem mit zwei kranken Kindern ist das Leben in der Heimat schwer“, sagt Mutter Hana. Vor elf Jahren erkrankte ihre erste Tochter Jana am Gendefekt „Louis Bar-Syndrom“. Diese Krankheit wird oft erst im Kleinkindalter entdeckt und lässt das Kleinhirn schrumpfen. Damit verlieren die Kinder auch die Fähigkeit zu sprechen, zu gehen und sich zu bewegen. Vor acht Jahren wurde Jana wieder schwanger – mit Zwillingen. Während Sohn Jamil gesund zur Welt kam, wurde bei seiner Schwester Julia ebenfalls die tückische Erkrankung festgestellt. Ohne Hilfe wäre die Familie in Deutschland auf sich allein gestellt gewesen. Über eine Sozialarbeiterin fanden sie Kontakt zum Ambulanten Kinderhospizstützpunkt Löwenherz in Braunschweig. Die Koordinatorinnen vermittelten im August die Ehrenamtliche Dorit Reißner an die Familie.

„Wir lachen viel gemeinsam“

Einem Außenstehenden würde nicht auffallen, dass die 71-jährige erst seit kurzer Zeit die libanesische Familie begleitet. Ganz selbstverständlich kuschelt sich die acht Jahre alte Julia auf den Schoß der Rentnerin – so als wäre es ihre richtige Oma. „Ich bin total freundlich von der Familie und den Kindern aufgenommen worden und wir haben uns von Anfang an richtig gut verstanden“, freut sie sich. Vor allem die „Action“ mag die Rentnerin. Vormittags ist es meist noch relativ ruhig, wenn sie die beiden Mädchen vom Schulbus abholt. Da sich Julia und Jana nur mühsam bewegen und auf eine Gehhilfe brauchen, trägt Dorit sie ins Haus und hilft ihnen beim Ausziehen der Jacken. Danach wärmt sie das vorbereitete Mittagessen auf und unterstützt die Mädchen beim Essen. Etwas später kommt auch Jamil nach Hause. Der Achtjährige besucht eine Grundschule in der Nähe. „Wenn alle Kinder da sind ist, dann wird es laut und wir lachen viel“, sagt Dorit, während sie Jamil über den Kopf streicht. Besonders gerne spielen die Kinder mit ihrer Ersatzoma das Kartenspiel Uno, puzzeln oder sie toben gemeinsam durch das Wohnzimmer.

„Zuhören und Dasein ist ganz wichtig“

Ruhiger wird es erst, wenn Mutter Jana vom Deutschkurs kommt. Dann erzählen sich die Frauen beim gemeinsamen Teetrinken vom Alltag. „Zuhören und Dasein ist ganz wichtig“, sagt Dorit. Beim Lösen von Problemen habe sie als Mutter und Oma zwar viel Erfahrung und Tipps. Doch der Vorbereitungskurs bei Löwenherz habe ihr sehr geholfen neue Wege und Aspekte kennenzulernen – vor allem bei der Kinderhospizarbeit.

Die angehenden ehrenamtlichen Kinderhospizbegleiter lernen in der Schulung unter anderem, wie Menschen in Krisensituationen reagieren oder welche Auswirkungen unterschiedliche Krankheitsbilder haben. Auch der eigene Umgang mit den Themen Leben, Sterben, Tod und Trauer stehen auf dem Lehrplan. Am Donnerstag, 11. Januar 2018, informiert der Ambulanten Kinderhospizstützpunkt Löwenherz in Braunschweig über den neuen Vorbereitungskurs, der im April beginnen soll. Interessierte sind herzlich eingeladen sich anzumelden. Telefon: 0531/ 707 44 977 oder per Mail: ambulant.bs@loewenherz.de