Erholung für Hospiz-Familien

Platz für bis zu zwei Familien mit unheilbar kranken Kindern: An der Wiefelsteder Straße entsteht ein komplett behindertengerechtes Ferienhaus für das Kinderhospiz Löwenherz. Bild: Christian Korte

Quelle:  Nordwest-Zeitung, 16.12.2017

Von Christian Korte

Bis zu zwei Familien mit schwer kranken Kindern können sich ab dem Sommer in Aschhausen erholen. Der Verein hatte lange nach einem passenden Grundstück gesucht.

BAD ZWISCHENAHN /SYKE - Familien mit unheilbar erkrankten Kindern können ab Mitte kommenden Jahres in einem Ferienhaus des Kinder- und Jugendhospiz’ Löwenherz Urlaub machen. Familien, Handwerker und Vertreter von Löwenherz feierten am Freitagnachmittag an der Wiefelsteder Straße Richtfest.

„Familien mit unheilbar erkrankten Kindern haben, neben dem Aufenthalt in unserem Kinder- und Jugendhospiz in Syke, nur wenig Gelegenheit, gemeinsam Urlaub zu machen. Dem tragen wir Rechnung und bauen deshalb ein Haus – ganz nach den Bedürfnissen der Familien“, sagt Fanny Lanfermann, Geschäftsführerin des Kinderhospiz Löwenherz e.V.

Der Löwenherz-Verein habe mehr als ein Jahr nach einem geeigneten Grundstück gesucht. Am häufigsten hätten die Familien den Wunsch geäußert, am Wasser Urlaub machen zu können, so Lanfermann. Deshalb habe der Verein zunächst an der Küste gesucht. Grundstücke dort seien aber in der Regel für den Verein, der bereits seit Jahren für das Projekt gespart hat, zu teuer. Zudem sei die medizinische Infrastruktur nicht so gut – gerade die brauchten die betroffenen Familien aber unbedingt. Bad Zwischenahn biete sowohl das Wasser und weitere Freizeitangebote als auch durch die eigenen Reha- und Therapieangebote und die Nähe zu Oldenburg alle medizinischen Einrichtungen, die gebraucht werden.

Das Kinderhospiz betreut ständig 250 bis 300 Familien, die Kinder sind oft schwerst mehrfach behindert und brauchen besondere Einrichtungen, die längst nicht jedes Ferienhaus bieten kann. Alle Räume im neuen Haus sind mit dem Rollstuhl erreichbar. Für die Nutzung der oberen Wohnung wird ein Fahrstuhl eingebaut. Das Selbstversorger-Haus bietet genug Platz für zwei Familien oder eine Großfamilie, die beispielsweise mit Oma und Opa anreisen möchte. „Der Aufenthalt soll den Familien einen schönen Tapetenwechsel vom Alltag ermöglichen“, betont Lanfermann.

Unter der Anleitung von Bauunternehmer Gerd Kuper schlugen Lanfermann und Bauträger Karlheinz Eschen die letzten Nägel im Dachstuhl ein – was natürlich nicht ohne hochprozentige Unterstützung gelingen konnte. In seinem Richtspruch ging Kuper auch auf die besondere Bedeutung des Hauses sein. „Kann ein Hospiz ein Traumhaus sein?“, fragte er. Das könne es sicher, antwortete er selbst, wenn es den Nutzern ermögliche, ihre Zeit dort in Würde und Frieden zu verbringen.

Im Juni soll der Bau fertiggestellt sein, noch im Sommer, so hofft Lanfermann, könnten die ersten Familien hier Kraft tanken. Vorrangig sei das Haus natürlich für die vom Verein betreuten Familien gedacht, sollte es einmal nicht komplett ausgelastet sein, könne es für andere Betroffene geöffnet werden.

Im Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz in Syke bei Bremen (Landkreis Diepholz) können jährlich bis zu 250 Familien mit unheilbar erkrankten Kindern und Jugendlichen zu Gast sein. Sie werden für bis zu vier Wochen im Jahr aufgenommen. Die schwerstkranken Gäste werden von professionellen Pflegekräften rund um die Uhr liebevoll versorgt, während sich ihre Familien erholen können. Das Kinder- und Jugendhospiz ist das erste in Niedersachsen und Bremen und wird zu einem Drittel durch Spenden finanziert. Daneben bietet Löwenherz mit seinen ambulanten Kinderhospizdiensten in Bremen und Braunschweig Familien mit erkrankten Kindern Begleitung und Unterstützung an.