Noura Veltrup aus Bramsche gewinnt die ZDF-Küchenschlacht

Daumen hoch von Zwei-Sterne-Koch Christian Lohse für Noura Veltrup (links) gab es am Freitag im Finale der ZDF-Küchenschlacht. Mit ihr freuen sich Moderator Nelson Müller und Konkurrentin Ramona Kuen. Copyright: Gunnar Nicolaus/ ZDF/ mit Snipping Tool

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung, 17.11.2017

Von Hildegard Wekenborg-Placke

Bramsche. Orientalisch schlägt vegan: Noura Veltrup aus Bramsche ist Gewinnerin des ZDF-Küchenschlacht- Profi-Specials. Am Freitag, 17. November 2017 hatte die gebürtige Libanesin mit ihrer Interpretation eines Rezeptes von Sta-Koch Nelson Müller die Nase vor.

Fünf Tage lang lieferten sich die zu Anfang drei Frauen und zwei Männer täglich eine Schlacht am Herd. Die persönlichen Lieblingsgerichte galt es auf den Teller zu bringen, das Rezept eines Konkurrenten nachzukochen, aus einem Warenkorb ein Gericht mit persönlicher Note zu zaubern oder mit drei kleinen Köstlichkeiten den verwöhnten Gaumen der wechselnden Juroren zu überzeugen. Und jeden Tag auch wieder das große Zittern: Wen würde der Starkoch-Juror aussortieren? Die Küchenschlacht hat etwas von den „Zehn kleinen Negerlein“, nur dass in dieser Woche nicht reine Amateure um den Titel kämpften, sondern fünf Teilnehmer, die das Kochen mittlerweile mehr oder weniger professionell betreiben.

Mit acht Jahren nach Deutschland

Am Freitag, dem Schlusstag sind nur noch die Bramscherin Noura Veltrup und ihre Konkurrentin Ramona Kuen aus Kulmbach dabei, die für einen erkrankten Finalisten nachgerückt ist. Zwei ganz verschiedene Kochphilosophien treffen im Mainzer Studio aufeinander. Noura Veltrup ist während des Libanon-Krieges als Achtjährige mit ihrer Familie über Syrien nach Deutschland geflüchtet. Warum sie nach so vielen Jahren die orientalische Küche noch so sehr liebt, wird sie von Moderator und Starkoch Nelson Müller gefragt. „Ich habe zehn Geschwister und meine Mutter hat immer für uns gekocht. Von ihr habe ich das eigentlich gelernt“, verrät sie. Geblieben ist die Liebe zu besonderen Gewürzen, einer oft leicht süß-würzigen Note. Bei der ersten Teilnahme an der Küchenschlacht schaffte sie es 2016 immerhin ins Finale, wo sie sich dann knapp geschlagen geben musste. Damals war es die klassisch europäische Küche, die ihr zum Verhängnis wurde.

„In der Zwischenzeit habe ich ganz viel geübt“, verrät sie und so sind Rehfilet und Rehleber mit Mohn-Kumquats, Serviettenknödeln und Rahm-Schwammerln (_Pilze) für sie zwar immer noch eine Herausforderung, aber keine fremde Welt mehr. Nur mit der Leber ist es so eine Sache. „Ich mag sie einfach nicht. Ich bin früher schon rausgegangen, wenn meine Mutter die gebraten hat“. Noura Veltrup schüttelt sich bei der Erinnerung. Aber im Kochfinale heißt es nur: „Rein in die Pfanne und durch“. Dann noch frischer Thymian, Knoblauch und ihr Wundermittel, der arabische Sieben-Gewürze-Pfeffer und verzückte „Hmm’s und Booah‘s“ der Juroren sind gewiss.

Nur mit Gefühl

Fast noch mehr überwinden muss sich allerdings Nouras (im Studio gilt nur der Vorname) Konkurrentin Ramona. Die Kulmbacherin, die ein an das Reformhaus ihres Lebensgefährten angegliedertes Bistro leitet, ist Veganerin. Nichts irgendwie Tierisches kommt bei ihr auf den Teller. Bei Lammfilet und Leber lässt sie sich deshalb wie an anderen Tagen, wo Rezepte Fleisch vorgaben, rein „vom Gefühl“ leiten. Einen Braten abschmecken, ihn gar probieren, dazu kann sie sich nicht überwinden. Ihrem Erfolg tut das lange keinen Abbruch. Die Preisrichter sind erst skeptisch, dann neugierig und schließlich überzeugt. Bis zum Finale.

Wirkliche Erfahrungen haben beide Teilnehmerinnen nicht mit der Materie. „Wild ist nicht so meins“, gibt Noura Veltrup zu. „Das habe ich noch nie gemacht“. Und geübt hat sie das Rezept, das den Kandidaten zwei Wochen vor der Aufzeichnung zugeschickt wird, auch nicht. „Ich habe gedacht, dass können die Anderen sowieso besser.“ Dennoch bringt sie Nelson Müller zum Staunen, als sie das Filet ganz ohne Fleischthermometer, nur mit dem Gefühl der Fingerspitzen perfekt „auf den Punkt“ bringt. Wenige Minuten später schwebt Zwei-Sterne-Koch und Juror Christian Lohse beim Probieren dann im höchsten Gourmet-Himmel: „Die beste Rehleber, die ich in meinem Leben essen konnte. Hier grüßt das Reh. Ein verdammt guter Teller. Super. Unglaublich. Das passt alles. Perfekt!“

Nach dieser Lobeshymne ist klar: Ramona bleibt nur der zweite Platz. Der Sieg geht nach Bramsche. Und das Preisgeld, das in dieser Woche für einen guten Zweck gespendet wird, an das Kinderhospiz Löwenherz nach Syke. Noura Veltrup hat die Einrichtung für Kinder mit unheilbaren Erkrankungen als Empfänger für die 1500 Euro Preisgeld ausgewählt.