Geboren, um zu helfen

Heike Schultze will langfristig als Kinderhospizbegleiterin arbeiten. (Jonas Kako)

Quelle: Weser Kurier, 19.07.2017

Von: Dominik Flinkert

Das Kinderhospiz Löwenherz in Syke betreut schwerkranke Kinder und Jugendliche. Dazu braucht es ehrenamtliche Helfer. Eine davon ist Heike Schultze aus Bassum.

Syke/Bassum. Zehn ehrenamtliche Kinderhospizbegleiter haben vor wenigen Wochen ihre Arbeit begonnen. Sie verstärken das Team des Ambulanten Kinderhospizdienstes Löwenherz Bremen und Umzu. Zu den Helfern gehört auch die Bassumerin Heike Schultze, die einen 14-Jährigen betreut, der mehrfach behindert ist. „Es ist mir von Haus aus ein Anliegen, mit Menschen in Kontakt zu kommen und anderen zu helfen“, sagt die Heilerziehungspflegerin. Sie habe sich auch vorstellen können, hauptamtlich für den Verein Löwenherz zu arbeiten, doch das habe sich nicht ergeben. 

Nun engagiert sie sich freiwillig einmal pro Woche vier Stunden lang für den Verein. Denn es gebe genügend Menschen, die Hilfe bräuchten. Und die erlebten Momente mit diesen Menschen seien bereichernd. Schultze will dem 14-Jährigen eine schöne Zeit bereiten. So hat sie schon festgestellt, dass das Wahrnehmen von Klanggeräuschen dem Jungen Freude bereitet. Auch im Verein fühlt sich Schultze rundum wohl, es herrsche eine „sehr herzliche, offene Atmosphäre im Hospiz“. Und man könne sich dort in vielen Bereichen engagieren. 

Vor ihrer Tätigkeit absolvierte Schultze einen neunmonatigen Vorbereitungskursus. Dort lernte sie, wie Familien in Krisensituationen reagieren und welche Auswirkungen Krankheitsbilder haben können. Mit den anderen Teilnehmern setzte sie sich mit eigenen Erfahrungen auseinander sowie mit dem Sterben, Tod und der Trauer. Schultze sagt: „Man merkt, dass jeder Mensch etwas in seiner Biografie hat, was mal schwer war.“ Und sie habe gelernt, von dem Schubladendenken wegzukommen und Menschen ohne Vorurteile zu begegnen. Einmal im Monat tauscht sich die 54-Jährige mit den anderen Helfern aus. Eine Supervision steht einmal im Quartal auf dem Programm. Bei dem Treffen können die Kinderhospizbegleiter Probleme ansprechen. Demnächst möchte Schultze eine Akupressur-Fortbildung machen.

Nach dem Kursus konnte sich Schultze aussuchen, welchen schwerkranken Menschen sie betreuen möchte. Kinder oder Eltern können einen Betreuer ablehnen, wenn die Chemie nicht passt. In ihrer Freizeit kümmert sich Schultze auch um den Hund und die Katzen auf ihrem Hof, fährt zu ihren Eltern nach Hannover und reitet. 

Der nächste Vorbereitungskursus zum Kinderhospizbegleiter beginnt nach Angaben des Vereins Löwenherz am Mittwoch, 16. August. Die Teilnehmer treffen sich dazu unregelmäßig, teilweise auch im Block an Wochenenden. Interessierte können sich unter der Telefonnummer 04 21 / 8 41 31 55 oder per E-Mail an ambulant@loewenherz.de anmelden. Derzeit unterstützen die Kinderhospizbegleiter in der Region Bremen 30 Familien in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung.

„Die Atmosphäre im Hospiz ist sehr herzlich und offen.“ Hospizbegleiterin Heike Schultze