Pflegekräfte fehlen: Lange Warteliste bei Löwenherz

Entspannung bei besonderem Licht: Ein kleiner Gast im Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz im Snoozle-Raum. - Foto: Natali Metzger

Quelle:  Kreiszeitung, 26.01.2017

Kinder und Jugendliche können nicht aufgenommen werden

Syke - Von Anke Seidel. Alle wollen helfen, wie die außergewöhnliche Spendenbereitschaft immer wieder beweist. Trotzdem können im Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz zurzeit bei weitem nicht alle schwerstkranken Kinder und Jugendlichen aufgenommen werden. Weil mindestens vier Pflegekräfte fehlen, musste das Kinderhospiz die Belegungszahlen reduzieren. Zurzeit stehen sage und schreibe 27 Kinder und 20 Jugendliche auf der Warteliste. Ihre Eltern warten dringend auf eine Auszeit im Kinder- und Jugendhospiz.

„Bei Notfällen schaffen wir natürlich sofort Platz für die Kinder oder Jugendlichen, wenn wir eine akute Anfrage erhalten. Sterbebegleitungen haben bei uns immer Vorrang – denn diese Kinder und Jugendlichen haben keine Zeit zu warten, sie werden sofort aufgenommen. Egal ob sie einen Termin haben oder nicht“, betont Heiner Brock, als Pressereferent von Löwenherz. 

Aktuell betreut Löwenherz sieben Kinder im Jugendhospiz, weil das Kinderhospiz – bedingt durch Bauarbeiten in der Küche – für kurze Zeit nicht nutzbar ist. Doch die Betreuung zu reduzieren, um unabhängig davon weitere Gäste aufnehmen zu können, kommt für die Löwenherzen nicht in Frage. „Wir ticken anders“, schließt Heiner Brock für das Kinder- und Jugendhospiz die gängige Praxis in Krankenhäusern aus, mit weniger Personal die gleiche Anzahl an Patienten zu betreuen.

Denn im Kinder- und Jugendhospiz gilt nach wie vor der Betreuungschlüssel 1:1 oder – bei weniger intensivem Pflegebedarf – 1:2. Zeit haben, um sich um die ganz besonderen Gäste kümmern zu können – das hat im Kinder- und Jugendhospiz einen enormen Stellenwert.

Wunsch nach neuen Kollegen

40 Pflegekräfte arbeiten mit fast 29 Vollzeitstellen bei Löwenherz, berichtet die neue Pflegedienstleiterin Dorota Walkusz. „Wir haben zwei Schwangere mit Beschäftigungsverbot und eine Pflegehelferin“, blickt sie auf aktuelle Herausforderungen. Mindestens vier neue Kolleginnen und Kollegen wünscht sich die Pflegedienstleiterin. „Gerade für die Jugendlichen sind Pfleger wichtig“, ergänzt Heiner Brock.

Wunsch von Dorota Walkusz sind erfahrene Kräfte, die eine Palliativversorgungs-Ausbildung haben, sich mit Beatmung und Intensivpflege gut auskennen. „Vor allem aber sollten sie ein Löwenherz haben“, sagt Dorota Walkusz.

Sie weiß, dass die Nachfrage nach Pflegekräften generell groß ist – und führt in den nächsten Tagen auch Bewerbungsgespräche. Haben die Löwenherzen schon darüber nachgedacht, selbst auszubilden? „Im Moment ist das keine Option, aber es ist überlegenswert“, antwortet die Pflegedienstleiterin.

Sind auf der Suche nach Kollegen mit Löwenherzen: Dorota Walkusz (links) und Karin Hickl. - Foto: Seidel

Im Kinder- und Jugendhospiz leisten immer wieder auch Kranken- und Kinderkrankenpflegeschülerinnen aus Delmenhorst und Oldenburg ihr Praktikum. Hinzu kommen vier Kräfte über ein freiwilliges soziales Jahr.

Eine Pflegekraft, die von der ersten Stunde an im Kinder- und Jugendhospiz wirkt, ist Karin Hickl. Es erscheint fast schicksalhaft, wie sie zu den Löwenherzen gekommen ist. Denn die 43-Jährige war schon beim großen Einweihungsfest im September 2003 dabei.

Palliative Arbeit mit Kindern und Jugendlichen leistete sie bereits an der Uni-Klinik in Hannover. Auch dort gab es einen Betreuungsschlüssel von 1:1. Aber als störend empfand sie die Atmosphäre. „Wenn ein Kind gestorben war, dann musste alles ganz schnell gehen. Es wurde nicht groß darüber geredet“, blickt sie zurück. Einen Raum für Trauer gab es damals nicht.

Ersten Kontakt zu einem Hospiz bekam die heute 43-Jährige durch ihren schwerstkranken Vater. Dann hörte sie vom ersten Kinderhospiz in Deutschland, Haus Balthasar im Sauerland. Bald erfuhr sie vom geplanten Kinderhospiz in Syke – und bewarb sich. „Das hat dann auch sofort geklappt“, schmunzelt sie. 

Keine starren Pläne 

Todkranken Kindern eine schöne Zeit schenken – das ist für sie Berufung. Was ist das Schönste dabei? „Die Vielfältigkeit“, antwortet Karin Hickl ganz spontan – und meint damit, das Beste für ein Kind tun zu dürfen, losgelöst von starren Pflegeplänen. „Spazierengehen, wenn die Sonne scheint“, das kann die 43-Jährige ganz spontan entscheiden – und nach Bedarf und Befindlichkeit ihres Schützlings entscheiden, ob Massagen, Musiktherapie, Bewegungsbad oder Snoozle-Raum das Tagesprogramm prägen: „Wir können verschiedene Dinge in die Versorgung einbauen.“

Ist die Betreuung schwerstkranker Kinder ihr Traumjob? „Ja“, antwortet Karin Hickl. Auch wenn der Tod dabei ein Begleiter ist. Denn die 43-Jährige muss damit leben, dass ein Kind stirbt, das sie womöglich fünf Jahre lang begleitet hat.

„Wir werden schnell und gut aufgefangen“, beschreibt sie die Unterstützung in einer solchen Situation. „Man kann um Hilfe fragen, und der Zusammenhalt unter den Kollegen ist noch fester als in der Klinik.“

Außerdem gebe es Fortbildungen – nicht nur für diesen Fall, sondern auch für andere Themen der Betreuung. Karin Hickl hat bis zu 30 Minuten Fahrtzeit vom Kinderhospiz bis nach Hause – hilfreiche Zeit, um Abstand zu gewinnen. „Der Partner spielt eine große Rolle, sagt die 43-Jährige. Sein Verständnis sei sehr wichtig für sie.

Hat die 43-Jährige ein Hobby? „Fotografieren“, antwortet sie spontan. „Das ist etwas, bei dem ich mich auf einen Punkt konzentrieren kann.