An der Grenze des Lebens

Gespannt lauschten die Zuhörer dem Vortrag der Seelsorgerin Annette Behnken.

Pressemitteilung - Syke, 13.01.2017

Pastorin Annette Behnken,  Sprecherin des „Wort zum Sonntag“  beim Neujahrsempfang im Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz

Syke - „Von einem Kind an die Grenze des Lebens geführt zu werden, lässt die Grenzen dessen berühren und überschreiten, was aushaltbar, was in Worte zu fassen ist.“ Mit diesen Worten beschrieb Pastorin Annette Behnken den stetigen Wechsel zwischen Hoffen und Bangen um das Leben ihres unheilbar erkrankten Kindes.

Die bei vielen Fernsehzuschauern bekannte Sprecherin der ARD-Sendung „Das Wort zum Sonntag“ sprach beim Neujahrsempfang im Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz. Mehr als 40 Gäste lauschten gebannt den Erfahrungen und Erlebnissen der betroffenen dreifachen Mutter. Ihre jüngste schwerstbehinderte Tochter verstarb im Alter von zwei Jahren. Die Pastorin aus Wennigsen gab zu, bei der Diagnose am Glauben gezweifelt zu haben. Bis zu ihrem ersten Aufenthalt im Kinderhospiz in Syke sei die Dauerkrise Alltag und der Alltag Dauerkrise gewesen, sagt sie. Aber die Zeit bei Löwenherz habe ihr schließlich geholfen. Sie habe gespürt, dass sich ihr Kind in den allerbesten Händen befindet und sie auch davon profitiert. Zum ersten Mal haben sie nachts mal wieder richtig durchschlafen können.   

Behnken schilderte eindrucksvoll, wie ihr die Seelsorge geholfen hat und vor welchen Herausforderungen diese steht. „Als entlastend und entspannend erleben es viele Familien, dass sie im Hospiz mit ihrer sehr besonderen Situation ganz normal sind“, sagte sie. Die ideale Seelsorge sei ein Begleiter, der akzeptierend und empathisch reagiert, mehr hörend als redend. Annette Behnken: „Es ist eine demütige Seelsorge, die sich nicht aufdrängt.“

Der Umgang mit Tod und Sterben ändert sich in letzter Zeit, stellte die Pastorin fest. In den sozialen Medien seien die Menschen, vor allem nach dem Tod von Prominenten, sehr schnell ergriffen und würden eine Kerze anzünden. „Doch diese Trauer ist oft aufgesetzt und nicht echt“. Ihrer Meinung nach könnten die Menschen stattdessen viel vom Abschiednehmen und der Trauerbewältigung im Kinderhospiz lernen. Behnken: „Der Umgang mit dem Tod ist nicht an gesellschaftliche Konventionen gebunden. Dass die verstorbenen Kinder von ihren Eltern gewaschen und aufgebahrt werden, ist normal.“, sagte die Seelsorgerin.

In bildhaften Worten beschrieb Behnken, wie sie an ihrem ersten Tag im Löwenherz einen Schmetterling für ihre Tochter gebastelt hat. Dieser wurde nach dem Tod der Tochter im Rahmen des Abschiedsrituals an einem Luftballon in den Himmel geschickt. Annette Behnken: „Rituale sind in der Seelsorge wichtig - sie geben den Gefühlen eine Ordnung.“     

Im Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz in Syke können jährlich etwa 250 Familien mit unheilbar erkrankten Kindern und Jugendlichen für bis zu vier Wochen im Jahr zu Gast sein. Für Eltern und Geschwister stehen in beiden Häusern  jeweils acht Pflegezimmer zur Verfügung. Die schwerstkranken Gäste werden von professionellen Pflegekräften rund um die Uhr liebevoll versorgt, während sich ihre Familien erholen können. Das Kinder- und Jugendhospiz ist das erste in Niedersachsen und Bremen und wird rund zur Hälfte durch Spenden finanziert. Zudem bietet der Verein mit seinen ambulanten Kinderhospizdiensten in Bremen und Braunschweig Familien Begleitung und Unterstützung an. In Niedersachsen kooperiert „Löwenherz" mit 23 Hospizvereinen und schult Ehrenamtliche in ambulanter Kinderhospizarbeit.

Spenden Mail