Wechsel ins Kinderhospiz ist eine Herzensangelegenheit

Tina Schwecke-Ernst inmitten einiger „Rotkehlchen“. In dieser Gruppe hat die Pädagogin 1980 ein Praktikum gemacht. Zum 1. März wechselt die 54-Jährige nach Syke, um im Kinderhospiz Löwenherz mit den Familien todkranker Kinder zu arbeiten. © Raczkowski

Quelle:  Kreiszeitung, 16.02.2018

Kita-Leiterin Tina Schwecke-Ernst nimmt Abschied

Kirchlinteln - Tina Schwecke-Ernst, Leiterin der Kita Kirchlinteln, verlässt „ihre“ Einrichtung nach 27 Jahren zum Ende des Monats. Sie wird, mit 54 Jahren, noch einmal etwas ganz anderes machen. Im März beginnt sie ihren neuen Job als Teamleiterin im Kinderhospiz Löwenherz in Syke.

„Ich gehe ohne Not, es ist einfach eine Herzensangelegenheit für mich“, sagt die Pädagogin, der diese Entscheidung nicht leicht gefallen sei. „Wie denn auch? Ich habe eine unglaublich gute Zeit hier gehabt, mit dem besten Team der Welt“, sagt sie.

Schon ihre ersten Schritte ins Arbeitsleben machte Schwecke-Ernst im Kirchlintler Kindergarten. Das war im Jahr 1980, als 16-jährige Praktikantin. „Ich war in der Rotkehlchengruppe“, erinnert sie sich lächelnd. Danach ging es für sie aber erst einmal in einen anderen pädagogischen Bereich. „Ich habe im Heidekreis in verschiedenen Einrichtungen der Lebenshilfe mit behinderten Menschen gearbeitet“, erzählt sie.

Vor allem aus familiären Gründen zog es sie 1991 zurück nach Kirchlinteln, wo sie am 1. März in der Nachmittagsgruppe des Kindergartens begann. „Ich habe also auf den Tag genau mein halbes Leben hier gearbeitet“, sagt Schwecke-Ernst. „27 Jahre, eine lange Zeit, in der sich viel verändert hat.“

Integration ist ein Thema, das die Kirchlintlerin immer begleitet hat. Nach einer heilpädagogischen Zusatzausbildung engagierte sie sich auf Landkreisebene in verschiedenen Arbeitsgruppen und arbeitete an regionalen Konzepten mit.

Praktikum 1980, Leiterin seit 2011

Seit Ende der 90er-Jahre war sie stellvertretende Leiterin des Kindergartens, 2006 übernahm sie die Leitung des Hortes in der Schule am Lindhoop. 2009 wurde die Krippe eingeweiht und 2011 übernahm Schwecke-Ernst dann die Leitung der größten Betreuungseinrichtung in der Gemeinde. „Ich habe damals meine Zweifel gehabt, ob das funktionieren kann, aus dem Team heraus die Leitung zu übernehmen. Aber die Kollegen haben es mir leicht gemacht, dafür bin ich sehr dankbar“, sagt die Pädagogin.

In den vergangenen Jahren ist im Bereich der Kinderbetreuung viel passiert. So gab es drei verschiedene Konzeptionen, seit Schwecke-Ernst Leiterin ist. Auch sind die Betreuungszeiten deutlich länger geworden, die Bedarfe der Eltern haben sich verändert. Und auch deren Erwartungshaltung an den Kindergarten. „Wie viel kann eine Betreuungseinrichtung leisten? Diese Frage hat uns in den vergangenen Jahren stets begleitet“, erzählt Schwecke-Ernst.

So habe es manchmal Fälle gegeben, bei denen die Eltern den Kindergarten nur als Dienstleister gesehen hätten. „Das waren nur Einzelfälle, aber bei denen bin ich dann auch manchmal richtig aus dem Anzug gekommen. Das ist mir richtig nahe gegangen.“ Denn es sei immer ihr Ziel gewesen, die Eltern partnerschaftlich und vertrauensvoll miteinzubinden. „Meine Bürotür stand immer offen.“

Mittlerweile sind in Schwecke-Ernsts Team mehr als 30 Mitarbeiter, plus die Bufdis und die Ehrenamtlichen. „Die Zusammenarbeit hier war geprägt von gegenseitiger Wertschätzung. Klar hat es auch mal geknallt, wir sind ein kunterbuntes Team, da ist man nicht immer einer Meinung. Aber wir haben immer gemeinsam Lösungen erarbeitet.“

„Vielleicht ist es ihre Berufung“

Auch mit der Verwaltung habe Schwecke-Ernst immer konstruktiv zusammengearbeitet, berichtet Amtsleiterin Anke Preuß. „Tina hat ihre Meinung deutlich vertreten, und es gab auch mal Reibungspunkte. Aber es ging ihr immer um das Wohl der Kinder.“ Schwecke-Ernsts Entscheidung, zu gehen, habe sie sehr getroffen. „Ich war sprachlos und traurig. Ich hatte eigentlich gedacht, wir zwei würden irgendwann gemeinsam in Rente gehen. Aber ich akzeptiere Tinas Entscheidung, die Stelle in Syke anzunehmen. Vielleicht ist es ihre Berufung.“

Im Kinderhospiz wird Schwecke-Ernst gemeinsam mit ihrem Team für die Eltern und Geschwister von Kindern mit tödlich verlaufenden Krankheiten da sein, auf deren ganz unterschiedliche Bedürfnisse eingehen, Abschiedsrituale gestalten und mehr. „Als ich die Stellenausschreibung sah, fühlte ich irgendwas, es hat mich angesprochen und nicht mehr losgelassen.“ Anfang März soll es losgehen.

In den vergangenen Wochen hätten sie immer wieder Menschen gefragt: „Kinderhospiz…? Kannst du das?“ Sie wisse dann nicht genau, was sie antworten solle. „Ich weiß nur, dass die betroffenen Eltern auch nicht gefragt werden, ob sie das können.“

Schwecke-Ernst wird weiterhin in Kirchlinteln wohnen und ihre ehrenamtliche Tätigkeit in der Kirchengemeinde fortsetzen. „Ich bin nicht aus der Welt“, sagt sie.

Kinder, Kollegen, Eltern und Wegbegleiter können sich an ihrem letzten Arbeitstag, 23. Februar, von ihr verabschieden. Sie werde den „kunterbunten Haufen“ sehr vermissen, so steht es auch in ihrem Abschiedsbrief an die Eltern, der mit einem Johannes-Oerding-Zitat überschrieben ist: „Ohne unser Gestern würd‘ ich mich heut‘ nicht so auf morgen freuen.“