Biker, Clowns und Künstler vereint

Quelle: Kreiszeitung, 23.09.2018

Rund 5 000 Besucher kommen zum Tag der offenen Tür des Kinderhospizes Löwenherz nach Syke

Syke - Von Ulf Kaack. Staus auf der B 6 im Bereich des Steimker Bergs zeugten am Sonnabend davon, dass hier in der Gegend richtig was los sein muss. Das Kinderhospiz Löwenherz hatte zum Tag der offenen Tür eingeladen. Die Resonanz darauf war schlichtweg überwältigend: Mehr als 5000 Besucher kamen, schätzt der Veranstalter. Grund dafür war der 20. Geburtstag dieser weit über die Grenzen der Region bekannten Institution.

Man konnte es an den Kfz-Kennzeichen ablesen: die Besucher waren aus dem gesamten norddeutschen Raum angereist. Ins Auge fiel dabei deutlich, dass hunderte Motorräder das Areal säumten. Bikes und Trikes, Shopper und Quads, chromblitzende Harleys und liebevoll restaurierte Oldtimer auf zwei Rädern.

Mehr als 700 Biker aus Oldenburg, Garbsen und Hannover wählten sich das Kinderhospiz zum Ziel ihrer Samstagsausfahrt. Das ganze Jahr über hatten sie Spenden für Löwenherz gesammelt und nahmen die Veranstaltung zum Anlass, den Betrag in einer Gesamthöhe von 5 000 Euro höchstpersönlich zu übergeben.

Klar, dass die Damen und Herren der Biker-Fraktion das Bild auf dem Löwenherz-Areal wesentlich prägten. Menschen in schwarzen Lederklamotten und klassischen Biker-Kutten überall. So mancher mag sich in Wacken oder beim Werner-Rennen gewähnt haben. Doch weit gefehlt. Die Biker nutzten die Gelegenheit, sich ausgiebig darüber zu informieren, wie denn ihre Spende ganz praktisch in der täglichen Hospizarbeit verwendet wird.

Und das taten die rund 250 beteiligten ehrenamtlichen und hauptamtlichen Löwenherz-Mitarbeiter mit Herzblut. Sie führten die Besucher durch das weitläufige Haus und die Außenanlagen, erklärten die verschiedenen Angebote für unheilbar erkrankte Kinder, Jugendliche sowie deren Familien, demonstrierten die praktischen Pflegeeinrichtungen. Gut gelaunt wurden alle Fragen beantwortet.

Überhaupt: Gute Laune inspirierte das Geschehen. Löwenherz-Feeling halt. Hier traf sich eine ganz große Familie, die eine gemeinsame Leidenschaft für die gute Sache verbindet.

Ein buntes Programm rundete die Geburtstagsparty ab. Da wurde geschminkt, gebastelt und gestaltet. Das Duo „Gooseflesh“ begeisterte mit stimmungsvollen Coversongs und Eigenkompositionen. Ebenso „Fryday“, die Schülerband vom Syker Gymnasium. Künstler vom Blaumeier-Atelier aus Bremen begeisterten mit ihren Darbietungen in fantasievollen Kostümen. Die jungen Besucher tobten sich unter anderem am Trapeztrampolin im Hospizgarten aus. Clowns machten ihre Späße und verteilten Lebkuchenherzen an die Gäste. Derweil bildeten sich lange Schlangen vor den Ständen jener Anbieter, die für das Kulinarische zuständig waren.

Bereits am Vormittag konnten Hospiz-Chefin Gaby Letzing und Geschäftsführerin Fanny Lanfermann mit Heiger Scholz einen prominenten Gast begrüßen. Der Staatssekretär im Niedersächsischen Sozialministerium überbrachte die Glückwünsche der Landesregierung und seines Ministeriums und nutzte seinen Besuch für einen intensiven Blick hinter die Kulissen.

Wer das Haus erlebe, stelle fest, dass es ein fröhliches, lebensbejahendes Haus in einer schweren Situation sei, sagte Scholz. „Sie entlasten die Eltern von der alltäglichen Arbeit. Und sie entlasten damit auch die Partnerschaft – auch das ist immens wichtig.“ Sykes Bürgermeisterin Suse Laue betonte, dass das Kinder- und Jugendhospiz „mit Sicherheit ein Leuchtturm für die Stadt“ sei. Ein weiterer sei das Pflegekompetenzzentrum des Kreises Diepholz in Syke. Hier könne man vielleicht eine Brücke schlagen, regte sie an. „Denn Pflegekräfte werden ja dringend gebraucht.“

Selbstverständlich durfte an diesem Tag der Löwenherz-Schirmherr Henning Scherf nicht fehlen. Seine Aufgabe war es, ein kunstvolles Diorama vom Löwenherz-Gebäudekomplex einzuweihen. Das Besondere daran: Das Modell im Maßstab 1:100 wurde aus rund 100 000 bunten Lego-Steinen in fast zweijähriger Bauzeit gebastelt. Nicht nur der ehemalige Bremer Bürgermeister zeigte sich beeindruckt von dem 2,90 Meter langen und 1,30 Meter breiten Miniaturhospiz, das nach den Original-Bauplänen errichtet wurde.

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