Sozialministerin besucht Kinder- und Jugendhospiz

Pressemitteilung - Syke, 02.08.2018

Fachkräftemangel wichtigstes Thema – 61 Familien auf der Warteliste

Syke – Der Fachkräftemangel in der Kinderkrankenpflege wird auch für Löwenherz immer gravierender: „4 der 16 Pflegeplätze können aus diesem Grund nicht belegt werden, 61 Familien stehen zur Zeit insgesamt auf der Warteliste für einen geplanten Aufenthalt“, berichtete Gaby Letzing, Leiterin des Kinder- und Jugendhospizes, in einem Gespräch mit Sozialministerin Dr. Carola Reimann. Sie hatte auf ihrer Sommerreise auch Löwenherz besucht. Dabei lobte die Ministerin die Arbeit des Teams. „Ich bin beeindruckt, mit welch hoher Motivation, Einsatz und außerordentlichem Engagement sowohl haupt- als auch ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die schwerstkranken Kinder und Jugendlichen betreuen und pflegen“, sagte sie.

Die Gäste im Löwenherz seien sehr pflegeintensiv, teilweise mit Vollbeatmung, so Gaby Letzing. „Uns fehlen real 15 Vollzeit- Stellen, wenn wir eine Vollbelegung realisieren wollten. Daher müssen betroffene Familien oftmals längere Wartezeiten für einen gewünschten Aufenthalt in Kauf nehmen oder auch Absagen verkraften. Unsere Sorge ist, dass sich dieses Problem in den kommenden Jahren weiter deutlich verschärfen wird", befürchtet sie. Seit zehn Jahren diskutiere man das Thema unter anderem am Runden Tisch in Hannover. „Es hat sich seitdem nichts zum Positiven verändert – im Gegenteil.“  

Genauso schwierig sei die Lage auch in der ambulanten Kinderkrankenpflege, berichtete Heike Witte vom Vorstand der Qualitätsgemeinschaft Häusliche Kinderkrankenpflege Niedersachsen und Geschäftsführerin des ambulanten Kinderkrankenpflegedienstes „Krank und klein – bleib daheim“ (Sulingen). „Wir können Anfragen von Eltern nicht mehr bedienen – wir haben einfach nicht genügend Personal“, beschrieb sie die Lage. „Wir haben  Anfragen zur Versorgung von fünf Kindern aus der Umgebung, teilweise bis zu 24 Stunden. Wir müssen leider absagen – uns fehlt das Personal.“

Man müsse aufpassen nicht in eine Jammer-Situation zu kommen, die künftige Bewerber verschrecke, warnte Ministerin Reimann. Es sei wichtig, das Thema zu benennen und auch auf die positiven Seiten des Berufes hinzuweisen. In den vergangenen Jahren sei das Thema Pflege in der Politik immer in der zweiten und dritten Reihe der Prioritäten gewesen. „Jetzt ist allen klar, dass etwas passieren muss“.

Sie sei sehr erstaunt, wie lässig man seit Jahren mit dem Thema Fachkräftemangel in der Kinderkrankenpflege umgehe, wunderte sich Nicole Nordlohne, Mutter einer schwer erkrankten Tochter. „Wir erleben dieses Thema bei uns zu Hause seit 16 Jahren – und es wird immer schlimmer. Es gibt zwar eine Erleichterung durch einen Pflegedienst - aber das ist sehr wackelig. Denn wenn der Dienst ausfällt, müssen wir Eltern einspringen.“ Die Familie habe zu Hause inzwischen eine Mini-Krankenstation für ihre erkrankte Tochter mit diversen Maschinen und Apparaten, die man im Notfall auch alle richtig bedienen müsse.

Als mögliche Lösung zur Verbesserung des Pflegemangels schlug Gaby Letzing eine Erhöhung der Anzahl der Ausbildungsplätze der Pflegeschulen vor. „In einem Jahrgang werden in Niedersachsen zur Zeit in den Pflegeschulen knapp 230 Kinderkrankenpflegekräfte ausgebildet. Da geht sicher noch mehr.“ Und Ministerin Reimann machte den Vorschlag, einen „Tarifvertrag Soziales“ für Niedersachsen zu erarbeiten und für Allgemeinverbindlich zu erklären. So könne man eine höhere Bezahlung vor allem der ambulanten Pflegekräfte erreichen. Das sei allerdings nicht einfach, da es private, kirchliche und karitative Anbieter mit sehr unterschiedlichen Arbeitsverträgen gebe.   

Im Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz in Syke bei Bremen (Landkreis Diepholz) können jährlich bis zu 250 Familien mit unheilbar erkrankten Kindern und Jugendlichen zu Gast sein. Sie werden für bis zu vier Wochen im Jahr aufgenommen. Beide Häuser haben jeweils acht Pflegezimmer sowie Zimmer für Eltern und Geschwister. Die schwerstkranken Gäste werden von professionellen Pflegekräften rund um die Uhr liebevoll versorgt, während sich ihre Familien erholen können. Das Kinder- und Jugendhospiz ist das erste in Niedersachsen und Bremen und wird zu einem Drittel durch Spenden finanziert. Daneben bietet Löwenherz mit seinen ambulanten Kinderhospizdiensten in Bremen und Braunschweig Familien mit erkrankten Kindern Begleitung und Unterstützung an. Der Stützpunkt in Brauschweig kooperiert zugleich mit Vereinen aus der Region und vermittelt bei Anfragen Familien mit unheilbar erkrankten Kindern an den nächst gelegenen Dienst. In Niedersachsen arbeitet Löwenherz mit insgesamt 24 Hospizvereinen zusammen und bildet Ehrenamtliche in Kinderhospizarbeit aus.

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