Ministerpräsident Stephan Weil besuchte Kinderhospiz

Pressemitteilung - Syke, 25.05.2018

Fachkräftemangel in der Pflege zentrales Gesprächsthema – Gaby Letzing:
„Es ist schon 10 nach 12“ – MP will Gesundheitsministerin informieren

Syke – Ministerpräsident Stephan Weil kam gleich zur Sache: „Was hat sich seit meinem Besuch vor vier Jahren bei Ihnen getan“, fragte er Gaby Letzing, Leiterin des Kinder- und Jugendhospiz gleich nach der Begrüßung am Freitag im Löwenherz. „Der Fachkräftemangel in der Pflege, speziell der Kinderkrankenpflege, bereitet uns große Sorgen“, beschrieb sie die Lage. „Bei uns Akteuren und den betroffenen Eltern entsteht der Eindruck, dass in den vergangenen Jahren nichts zur Lösung des Problems unternommen wurde. Im Gegenteil: Die Situation spitzt sich zu. Es ist in der Pflege leider schon 10 nach 12“.

Das Kinder- und Jugendhospiz habe insgesamt 16 Plätze. „Wir können derzeit leider nur zwölf Plätze regulär belegen, weil wir nicht ausreichend Fachkräfte finden. Uns fehlen real 15 Vollzeit- Stellen, wenn wir eine Vollbelegung realisieren wollten. Denn unsere Gäste sind sehr pflegeintensiv, teilweise mit Vollbeatmung“. Der Fachkräftemangel betreffe auch die häusliche Kinderkrankenpflege, die eigentlich die Familien unterstützen solle, damit die Kinder möglichst lange zu Hause leben können. Auch hier gebe es dasselbe Problem. In der Praxis bedeute das, dass viele schwerpflegebedürftige Kinder und Jugendliche ihre verordneten Stunden nicht erhalten. Gaby Letzing: „Entweder bleiben diese Kinder dann lange in der Klinik oder im Kinderhospiz, weil zu Hause keine Pflege sichergestellt werden kann. Oder die Eltern werden stark in die Pflege ihrer Kinder mit einbezogen, denn je weniger Fachpersonal eingesetzt werden kann, desto mehr müssen die Eltern als Pflegende ihre schwerkranken Kinder selbst  versorgen.“

Der Ministerpräsident hörte aufmerksam zu, stellte interessiert Fragen zu Einzelheiten und Hintergründen und versprach, die Informationen an Gesundheitsministerin Dr. Carola Reimann weiterzuleiten und sie über den Besuch im Kinder- und Jugendhospiz zu informieren. „Sie kennt sich auf dem Gebiet bestens aus – ich leider nur am Rande.“ 

Das Thema Pflegekräfte sei in der Gesellschaft im Moment ein sehr drängendes Problem, sagte der Ministerpräsident. „Auf jeder Versammlung werde ich sofort gefragt, was wir dagegen unternehmen“. Doch klar sei, dass es keine schnelle Lösung gebe.     

Gaby Letzing regte an, die Zahl der Ausbildungsplätze in den Pflegeschulen zu erhöhen. „Wir waren völlig desillisioniert, als wir den Bericht der Qualitätsgemeinschaft ambulante Kinderkrankenpflege gesehen haben. Die Auswertung der Zahlen von drei Schulen hatte ergeben, dass sie mehr als vier Mal so viele Bewerber für ihre 63 Ausbildungsplätze hatten. Insgesamt bieten die 20 Kinderkrankenpflegeschulen im Land 227 Ausbildungsplätze pro Jahr an“, so Gaby Letzing. „Das heißt, die Pflegeschulen hätten eine mehrfache Anzahl Kinderkrankenschwestern- und – pfleger ausbilden können – wenn es genug Plätze in den Schulen geben würde“. 

Auch die Einführung der veränderten Pflegeausbildungsreform werde die Lage kaum verbessern, fürchtet die Kinderhospiz-Leiterin. „Fatal ist, dass es die spezielle Kinderkrankenpflege dann nicht mehr geben wird, wenn die Generalisierte Ausbildung 2020 startet. Die sogenannte einjährige Spezialisierung ist aus unserer Sicht ein fauler Kompromiss“. Wer sich für diesen Zweig entscheide, werde keine internationale Anerkennung seiner Ausbildung erhalten. „In unserer global ausgerichteten Zeit wird das kein Auszubildender machen“.  Daher müsse man sich erst einmal nicht um Imagewerbung für die Pflege kümmern, sondern darum, dass mehr Ausbildungsplätze für die Pflege von Kindern zur Verfügung gestellt würden.

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