Kinderhospiz Löwenherz jetzt auch mit Stützpunkt in Lingen

Quelle: Meller Kreisblatt, 07.04.2019

Lingen. Hospiz – das heißt im ursprünglichen Sinne Sterbebegleitung, jemanden in den letzten Tagen oder vielleicht Wochen bis zu seinem Tod begleiten. Was es für den Verein Kinderhospiz Löwenherz bedeutet, der jetzt einen Stützpunkt in Lingen hat, erzählen Mitarbeiterinnen im Gespräch mit der Redaktion.

"Wir brauchen Menschen, die bereit sind, einen Teil ihrer Zeit zu verschenken", nennt Kirsten Höfer, Leiterin der ambulanten Kinderhospizabeit bei Löwenherz, ein Kernanliegen. Das heißt konkret: Der Verein mit Stammsitz in Syke kümmert sich um Familien, in denen ein Kind unheilbar krank ist, also eine verkürzte Lebenserwartung hat. Es werden ehrenamtliche Mitarbeiter über einen Zeitraum von zwei Jahren 100 Stunden geschult (dafür kann Bildungsurlaub beantragt werden), um bestmöglich auf die neue Aufgabe vorbereitet zu sein. 

Die so ausgebildeten Mitarbeiter gehen dann im Schnitt einmal pro Woche in die betroffenen Familien. Hier sind die Wünsche sehr unterschiedlich. Manche Familien freuen sich, einmal ein paar Stunden für sich zu haben, in der Gewissheit, dass das kranke Kind gut versorgt ist. Diese Stunden können ein Besuch beim Frisör sein, ein entspannter Einkauf oder einfach nur ein Spaziergang, bei dem die Sorgen für eine kurze Zeit in den Hintergrund treten.

"Andere wünschen sich, dass ein Helfer sich um ein Geschwisterkind kümmert, das häufig in der Aufmerksamkeitsskala hinten ansteht," gibt Höfer ein weiteres Beispiel. Je nach Krankheitsbild und wie der Kontakt zwischen den Ehrenamtlichen und dem Kind ist, werden manchmal auch kleine Ausflüge unternommen oder ein Kinobesuch. "Denn so eine Begleitung von einem Kind ist meist nicht nach wenigen Wochen vorbei", unterstreicht Kirsten Höfer. Ein Patient in Bremen werde sogar schon seit zehn Jahren begleitet und das sogar von derselben Person. Das sei allerdings schon eine Ausnahme.  "Doch diese lange Phase sei ein riesiger Unterschied zu der Arbeit vom Erwachsenen-Hospiz", unterstreicht Irmgard Partmann, die zusammen mit Sabine Dirkes am neuen Stützpunkt in Lingen an der Castellstraße tätig sein wird.

Wer sind die Ehrenamtlichen und was wird von ihnen erwartet? "Umfragen haben ergeben, dass sich die meisten Familien niemanden wünschen, der alles weiß, sondern die Person soll einfach nur da sein", berichtet Kirsten Höfer. "Das sind Menschen wie du und ich", ergänzt Sabine Dirkes. Die Betroffenen wollen nicht ständig  therapeutische Gespräche über die Krankheit und irgendwelche Diagnosen führen. Davon gebe es bereits genug mit dem entsprechenden Fachpersonal. Denn, und das betonten die Löwenherzmitarbeiterinnen, die Besuche in den Familien gehören nicht zum Pflegebereich und ersetzen diese Leistungen nicht. Wichtig sei die Freude am Kontakt mit Kindern, die Bereitschaft, ihnen mit Ruhe zu begegnen und den Besuch bei ihnen nicht als einen Termin zu sehen, der gerade noch dazwischen geschoben wird. Für Lingen ist der Verein immer noch auf der Suche nach weiteren Ehrenamtlichen, die bereit sind, sich in den Dienst der kranken Kinder zu stellen. Neben der bereits erwähnten Schulung finden regelmäßig Treffen zum gegenseitigen Austausch sowie Supervisionen für die Mitarbeiter statt. 

Mit der Einrichtung eines Stützpunktes in Lingen reagiert der Verein Löwenherz  auf die stetig wachsende Nachfrage von Familien in der Region. Während ein eigener, ambulanter Löwenherz-Kinderhospizdienst aufgebaut wird, kooperiert er eng mit den Erwachsenen-Hospizdiensten aus Lingen, Nordhorn, Salzbergen, Sögel, Ostercappeln, Damme und Ankum.  Aber auch für Eltern, die Unterstützung benötigen, steht der Verein mit Rat und Tat zur Seite."Falls wir nicht selbst helfen können, gibt es wahrscheinlich jemanden aus unserem inzwischen großen Netzwerk, der beratend zur Seite stehen kann", ist Sabine Dirkes überzeugt. Die gelernte Kinderkrankenschwester kann auf Erfahrungen aus rund 30 Jahren Tätigkeit im Lingener Bonifatiushospital zurückgreifen. Hier war sie unter anderem Teil der Leitung des Bunten Kreises, der sich um die Nachsorge, Beratung und Begleitung für Familien mit kranken oder zu früh geborenen Kindern kümmert.

Der Kinderhospiz-Stützpunkt Löwenherz an der Castellstraße 11 in Lingen ist unter 0591 / 964 968 0 und unter ambulant.li(@)loewenherz.de erreichbar. Am 15. Mai wird sich das Team in den neuen Räumen an einem Tag der offenen Tür vorstellen.