Mit Facetten und Finessen fest im Sattel

Quelle: Kreiszeitung, 25.08.2019

Meredith Michaels-Beerbaum teilt Profiwissen / Aktion für das Kinderhospiz Löwenherz

Holtorf - Von Bernd Hägermann. Meredith Michaels-Beerbaum gilt auf den Turnierplätzen dieser Welt als anerkannte reitsportliche Größe. Sie ist unter anderem Championats- und Medaillengewinnerin bei Olympischen Spielen. Ihre sportlichen Erfolge haben ihr aber nicht den Blick verstellt auf die Lebensrealitäten. Einen Beweis dafür lieferte sie am Wochenende. Die gebürtige US-Amerikanerin, die seit mehr als zwanzig Jahren mit Markus Beerbaum verheiratet ist und gemeinsam mit ihm auf dem eigenen Hof in Holtorf lebt, gab für 16 Teilnehmer einen Reitkurs. Die Unterweisung galt einem guten Zweck: Der Erlös kommt dem Kinderhospiz Löwenherz zugute.

Im Vorfeld hatte das Ehepaar Michaels/ Beerbaum mehr als 100 Bewerbungen gesichtet. Die Auswahl fiel nicht leicht. Ein Kriterium für die Zusage war eine bereits vorhandene gute reiterliche Qualität, der im Verlauf des Wochenendes einige neue Facetten und Finessen hinzugefügt werden sollten. Die Teilnehmer, einige sogar im Süden der Republik beheimatet, waren mit ihren eigenen Pferden angereist, die in einem Stallzelt untergebracht wurden.

Während die dreifache Weltcup-Siegerin und Löwenherz-Botschafterin Michaels-Beerbaum ihren Kursteilnehmerinnen, die in vier Gruppen unterrichtet wurden, auf dem Trainingsplatz ruhige, aber bestimmte Anweisungen gab, kleine Details korrigierte und immer wieder ermutigte, informierten etwas abseits an einem Stand Hilke Scheitz und Franz Lohstroh über die in Syke ansässige Einrichtung Löwenherz.

Im Vorjahr hatte der Verein Kinderhospiz Löwenherz sein 20-jähriges Bestehen gefeiert. Das Kinderhospiz gibt es seit 15 Jahren, die Stiftung seit zehn Jahren. Vor fünf Jahren wurde das Jugendhospiz eingerichtet.

Hilke Scheitz ist seit 2008 als ehrenamtliche Mitarbeiterin von Löwenherz tätig. Auf den Gedanken gebracht hatte sie ihr Sohn Roland. Der sorgte sich um seine Mutter, die Jahre zuvor ihren Ehemann verloren hatte, und bat: „Mama, mach was.“ Und Hilke Scheitz tat. Sie besuchte Schulungen und Supervisionen und begleitet derzeit wöchentlich rund fünf Stunden lang eine Familie in Bremen mit schwer erkranktem Kind: „Man gibt viel“, sagt die 82-jährige, „aber man bekommt noch viel mehr zurück.“

Franz Lohstroh ist seit 2005 dabei. Zuvor hatte er sich 34 Jahre lang um seine pflegebedürftige Ehefrau gekümmert: „Es war eine schwierige Zeit, aber ich möchte keinen Tag missen.“ Lohstroh ist befreundet mit dem ehemaligen Fußball-Profi Ivan Klasnic. Der schenkte ihm 2005 eine einjährige Mitgliedschaft im Verein Kinderhospiz Löwenherz. Daraus sind jetzt 14 Jahre geworden, und die Tätigkeit ist längst wichtiger Bestandteil seines Lebens. Auf dem Hof von Michaels/Beerbaum fühlte Franz Lohstroh sich ausgesprochen wohl: „Ich bin lange selber geritten und kenne mich mit Pferden sehr gut aus.“