„Der absolut richtige Schritt“

Pressemitteilung - Syke, 30.07.2019

Eine Woche Löwenherz: Frank Deckert über seinen Seitenwechsel

Liebevoll legt Frank Deckert seine Hand auf die Schulter von Florian. Er streichelt seine Wange, nimmt so Kontakt zu dem unheilbar erkrankten Jungen im Rollstuhl auf. Für den 45-jährigen eine völlig neue Erfahrung. Denn Frank Deckert hat die Seiten gewechselt. Für eine Woche hat er seinen Job im Bremer Mercedes-Werk in Halle 9 gegen den Schichtdienst im Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz getauscht.

„Es war der absolut richtige Schritt für mich, die Löwenherzen und ihre Arbeit kennenzulernen“, sagt Frank Deckert über seine Woche im Kinder- und Jugendhospiz in Syke. Wie zum Beweis leuchten seine Augen, während er von seinen Erlebnissen, dem täglichen Umgang mit den Kindern und ihren Eltern berichtet. Voller Dankbarkeit sprudeln die Worte aus dem Mund des Mannes, der sich noch vor einigen Monaten nicht hätte vorstellen können, jemals in einem Kinderhospiz tätig zu sein.

„Das traue ich mir nicht zu“, sei seine erste Reaktion gewesen, als er von der Möglichkeit erfuhr, im Rahmen des Programms Seitenwechsel als Praktikant bei Löwenherz seine bekannte Alltagswelt gegen etwas völlig Neues zu tauschen. „Jetzt weiß ich: Der Begriff Kinderhospiz weckt bei ganz vielen Menschen völlig falsche Erwartungen, genau wie zunächst bei mir. Zum Glück habe ich Jörg kennengelernt.“

Jörg Landscheid ist Casemanager bei Löwenherz. Beim Markttag, der Seitenwechsel-Auftaktveranstaltung, informierte er die Interessierten über die Arbeit und die Aufgaben im Kinder- und Jugendhospiz. Frank Deckert erinnert sich: „Im Gespräch habe ich ihm ganz offen gesagt, dass ich Bauchschmerzen bei der Vorstellung habe, in einem Kinderhospiz zu arbeiten. Andere Einrichtungen standen viel weiter oben auf meinem Zettel. Aber Jörg hat mich richtig abgeholt, meine Sorgen zerstreut und den unschätzbaren Wert der Arbeit für die Kinder, deren Eltern und Geschwister so deutlich herausgestellt, dass für mich am Ende des Tages klar war: Löwenherz ist mein absoluter Favorit, da will ich hin.“

Eine Entscheidung, die er nie bereut hat. „Ich wurde sofort in die Gruppe integriert, habe schnell eine emotionale Bindung zum Team, den Kindern und ihren Familien aufgebaut. Denn das war für mich ganz wichtig – ich wollte nicht nur die Seiten wechseln, eine andere Rolle einnehmen, sondern wirklich helfen.“ Auch die Frage an sich selbst, ob er der Herausforderung gewachsen ist, beantwortet Frank Deckert ohne zu zögern: Ja, bin ich. Mehr noch. Er habe damit begonnen, Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen, sich Gedanken über das eigene Leben zu machen, wichtige und unwichtige Dinge in die richtige Relation zu setzen, auch für Kleinigkeiten dankbar zu sein. „Nach meinen Diensten habe ich Zeit für mich gebraucht. Zeit, um die Erfahrungen zu verarbeiten und die entsprechenden Schlüsse daraus zu ziehen. Das kann anstrengend sein – aber es ist wichtig und der Prozess war immer schön.“

Entsprechend schwer ist Frank Deckert der Abschied von Löwenherz gefallen, der Abschied vom Pflegeteam, der Abschied von Florian. Aber es ist nur ein Abschied auf Zeit. Der Seitenwechsler möchte sich auch in Zukunft einbringen, den Verein unterstützen und über die Arbeit im Kinder- und Jugendhospiz aufklären. Nicht ohne Stolz behauptet Frank Deckert von sich: Ja, ich bin ein Löwenherz.

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